Ein 34-Jähriger muss sich wegen Zwangsprostitution vor dem Kölner Landgericht verantworten.
Kölner vor Gericht„Große Liebe“ entpuppt sich als skrupelloser Zuhälter – sechs Frauen wurden Opfer

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Martin Bücher beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht
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Sechs Frauen soll er die große Liebe vorgespielt, auf den Strich geschickt und gnadenlos ausgebeutet haben. Wegen Zwangsprostitution muss sich der 34-jährige Beschuldigte seit Montag vor dem Kölner Landgericht verantworten. Nachdem der Angeklagte im August 2020 für Vorwürfe aus demselben Tatkomplex bereits fünf Jahre Gefängnis erhalten hatte und den Großteil abgesessen hat, erhofft sich Verteidiger Martin Bücher trotz der schwerwiegenden Vorwürfe einen nur moderaten Strafzuschlag.
Köln: Frau musste in Saunaclub für Angeklagten anschaffen
Der erste Fall beschreibt das Schicksal einer jungen Frau aus Hamburg, die der Angeklagte über das Internet kennengelernt hatte. Aus Liebe zu ihm sei sie nach Köln gezogen, sagte Staatsanwältin Sabrina Heimers. Nachdem die Frau schon zuvor gelegentlich der Prostitution nachgegangen war, soll der Angeklagte in der Folgezeit als ihr Zuhälter agiert haben. Von Donnerstag bis Sonntag habe die Partnerin dann in Saunaclubs arbeiten und ihren Verdienst an den Angeklagten abgeben müssen.

Richterin Sabine Grobecker führt den Prozess als Vorsitzende.
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Lediglich einen Bruchteil der Einnahmen habe der Angeklagte der Sexarbeiterin überlassen, etwa für kosmetische Behandlungen, die das Geschäft gefördert hätten. Der Zuhälter habe bestimmt, wann die Frau Feierabend machen durfte. 2000 Euro sollte die Frau pro Tag verdienen. War die Summe nicht erreicht, so die Anklage, hätte sie weiterarbeiten müssen. „Sie hatte Angst, ihn nicht zufrieden zu stellen“, sagte die Staatsanwältin, es habe ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis bestanden.
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Köln: Geschädigte hatte große Angst vor einer Trennung
Mehrfach habe der Angeklagte damit gedroht, die Frau zu verlassen. Das Opfer habe auf eine Hochzeit und Kinder mit dem Angeklagten gehofft und große Angst vor einer Trennung gehabt. Zu dem Zeitpunkt soll der Mann laut Anklage bereits drei weitere Beziehungen zu Frauen gepflegt und dies auch nicht verheimlicht haben. Die Geschädigte habe das laut Anklageschrift angespornt, ihren Verdienst im Saunaclub noch zu steigern, „damit sie die einzige Frau in seinem Leben wäre“.
Einer Geschädigten soll der Mann eine Brustvergrößerung für 12.000 Euro finanziert und sie dann gezwungen haben, das Geld als Prostituierte abzuarbeiten. „Er drohte, ihr die Implantate herauszuschneiden“, heißt es in der Anklageschrift. Die Frauen stammten laut Staatsanwaltschaft aus teilweise sehr prekären Familienverhältnissen und seien von der Aussicht auf eine gemeinsame Familie mit dem Angeklagten geblendet gewesen. Im Dezember 2019 wurde der Mann verhaftet.
Köln: Staatsanwaltschaft spricht auch von Steuerhinterziehung
Rund 700.000 Euro soll der Angeklagte in zwei Jahren durch die Frauen verdient haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm daher auch Steuerhinterziehung vor – er habe die Einnahmen nicht dem Finanzamt gemeldet. Im bereits abgeurteilten Fall soll der Angeklagte eine damals 16-jährige Schülerin auf den Strich geschickt haben, die sich aber als volljährig ausgegeben haben soll. Überhaupt habe er nicht gewusst, dass man Frauen unter 21 nicht als Zuhälter betreuen dürfe.
Eine weitere Frau soll er verprügelt und sie aufgefordert haben, sich seinen Vornamen mit dem Zusatz „Eigentum“ tätowieren zu lassen. Dazu kam es aber nicht. Während des damaligen Strafprozesses soll er vom neuen Zuhälter einer Geschädigten aus der Haft heraus noch 20.000 Euro „Ablöse“ verlangt haben.
Köln: Falscher Pass mit dem Foto von Hells-Angels-Boss
In einem weiteren Anklagepunkt muss sich der Mann für die Verwahrung eines gefälschten türkischen Passes verantworten. Das Dokument trug den Namen des Angeklagten, soll aber mit dem Foto von Kamil S. versehen gewesen sein, einem früheren Kölner Hells-Angels-Boss. S. steht gerade im Fokus des laufenden Prozesses um den Auftragsmord an einem Rocker im Mülheimer Böcking-Park. Auch wurde er in einem Prozess um den Schmuggel von 40 Tonnen Kokain schwer belastet.
Strittig erscheinen die Vorwürfe nicht. Die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker sprach von der Möglichkeit, den geschädigten Frauen eine Aussage im Zeugenstand zu ersparen. Das könnte sich auch positiv auf die zu erwartende Strafe auswirken. Verteidiger Martin Bücher verweist auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf die überlange Verfahrensdauer. Sein Mandant habe bereits vier Jahre im Gefängnis gesessen und sich seit der Haftentlassung gut geführt. Ein weiterer Aufenthalt des Angeklagten im Gefängnis sei demnach nicht angemessen. Ein Urteil in dem Prozess soll bereits im Februar fallen.
