Ein Kölner Finanzexperte muss sich vor dem Landgericht verantworten, weil er als Teilhaber der panamaischen Betrüger-Sozietät an den Steuerhinterziehungen beteiligt gewesen sein soll.
Panama-PapersMutmaßlicher Drahtzieher steht in Köln vor Gericht

Die Kanzlei Mossack Fonseca stand im Zentrum des Skandals um die Panama Papers mit 11,5 Millionen geleakten Dokumenten und Milliarden an unterschlagenen Steuergeldern.
Copyright: picture alliance / dpa
Der Fall sorgte weltweit für enorme Aufmerksamkeit. Die sogenannten „Panama Papers“, vor zehn Jahren veröffentlicht durch mehr als 100 Presseorgane aus 70 Ländern, offenbarten einen gewaltigen Steuerschwindel vermögender Anleger über den gesamten Globus verteilt. Das Datenleck bei der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama belastete zahlreiche Promis, Profisportler und Wirtschaftsgrößen bis hin zu Politikern, Ministern und Regierungschefs. Die Premierminister aus Island und Pakistan beispielsweise verloren ihre Ämter, nachdem ihre Namen in den Papieren aufgetaucht waren.
Über Off-Shore-Gesellschaften half die Kanzlei Fonseca, gigantische Vermögenswerte vor dem Fiskus zu verschleiern. Die Ermittler sprechen von einem „Crime as a Service-Modell“. Durchgestochen wurde das riesige Konvolut an Unterlagen, Mails und Korrespondenzen durch einen Whistleblower namens John Doe. Die Berichterstattung sorgte für einen massiven Finanzskandal. Weltweit führten strafrechtliche Ermittlungen zu Steuernachzahlungen in der Höhe von 1,2 Milliarden Euro, allein in Deutschland wurden bis 2021 gut 160 Millionen Euro verbucht.
Sechs der größten deutschen Banken sollen mitgemacht haben
Hierzulande nutzten tausende Deutsche die Dienstleistungen der Kanzlei Mossack Fonseca. Dutzende deutsche Banken vermittelten ihren Kunden den „Steuervermeidungsservice“. Sechs der sieben großen deutschen Kreditinstitute sollen mit der Kanzlei in Lateinamerika zusammengearbeitet haben. Die Panama Papers machten insgesamt mehr als 1200 Briefkastenfirmen öffentlich, die mithilfe hiesiger Banken gegründet oder von ihnen verwaltet wurden. Zu den Kunden zählten Unternehmer, Freiberufler, Ärzte und andere Größen aus Finanz- und Politikwelt.
Alles zum Thema Amts- und Landgericht Köln
- Eigentümer haben geklagt Bienenvölker auf Balkon? Kölner Gericht spricht Machtwort
- Attentat auf Kölner Straße Komplizin hielt den Daumen nach oben, dann fielen die Schüsse
- Verfassungsschutz Keine Beschwerde gegen AfD-Entscheidung im Eilverfahren
- Tödlicher Unfall auf der A555 Zeugen können Inferno bei Wesseling nicht vergessen
- Panama-Papers Mutmaßlicher Drahtzieher steht in Köln vor Gericht
- Mutter und Tochter starben Zeugen schildern, wie sie den Unfall auf der A555 bei Wesseling gesehen haben
- Nach Zeugenhinweis Polizei nimmt mutmaßliche Autoknacker in Köln-Lövenich fest
So wurde auch der ehemalige nordrhein-westfälische Finanzminister Helmut Linssen mit den Panama Papers in Verbindung gebracht. Der CDU-Politiker hatte allerdings bereits sein Amt niedergelegt, bevor seine Offshore-Firma öffentlich bekannt wurde.
Panama Papers: Kanzleigründer ging straffrei aus
Im September 2017 berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, dass laut den Panama Papers der CSU-Politiker Eduard Lintner über Briefkastenfirmen mindestens 800.000 Euro aus Aserbaidschan erhalten hatte. Insgeheim soll er hohe Summen an regimefreundliche Politiker in Deutschland und Belgien weitergeleitet haben.
In Panama ging der deutsche Kanzleigründer Jürgen Mossack straffrei aus. 2024 sprach ein Gericht den Anwalt und 27 weitere Angeklagte frei – angeblich wegen mangelnder Beweise. Nach wie vor wird Mossack durch hiesige Behörden per internationalem Haftbefehl gesucht. Sein Partner Ramon Fonseca starb vor dem Urteilspruch.
Angeklagter soll kriminelle Vereinigung mitgeschaffen haben
Vom kommenden Mittwoch an muss sich einer der mutmaßlichen ehemaligen Partner der Sozietät vor dem Kölner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Christian Z., der inzwischen in der Schweiz lebt, die Bildung einer kriminellen Vereinigung und Beihilfe zur Steuerhinterziehung in zwei Fällen vor. Laut dem Sprecher des Landgerichts soll der Finanzlogistiker Mitglied der Firmengruppe gewesen sein, die gegen Entgelt Privatpersonen weltweit Offshore-Gesellschaften mit Sitz in Panama oder anderen als „Steueroasen“ bekannten Staaten vermittelt hat.
„Wesentlicher Bestandteil der angebotenen Dienstleistungen soll die Verschleierung der wirtschaftlich Berechtigten der Gesellschaften gewesen sein“, so der Gerichtssprecher. Den Angaben zufolge hätten die Gesellschaften kein operatives Geschäft betrieben, sondern nahezu ausschließlich dazu gedient, die Zahlungsflüsse und Kapitalanlagen zu verbergen. Durch die Kunden seien sie zur Begehung verschiedener Wirtschafts- und Steuerstraftaten genutzt worden, von Deutschen insbesondere zur Steuerhinterziehung.
Anwalt des Beschuldigten: „Die Vorwürfe sind unangebracht“
„Die Offshore-Gesellschaften sollen als Inhaber von Bank- und Depotkonten fungiert haben, deren Kapitalerträge in Deutschland nicht der gesetzlichen Besteuerung unterworfen worden seien“, so die Ankläger. Die Ermittler beziffern den Steuerschaden alleine bei 50 betriebenen Off-Shore-Gesellschaften auf 13 Millionen Euro. Der Angeklagte soll bei dem Abgabenschwindel geholfen haben, indem er die Briefkastenfirmen einrichtete.
Auf Anfrage erklärte Björn Gercke, Verteidiger des Angeklagten: „Der Vorwurf der Beteiligung beziehungsweise Bildung einer kriminellen Vereinigung geht schon aus Rechtsgründen fehl und ist von vornherein schlicht unangebracht. Im Übrigen wird mein Mandant zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen zu Prozessbeginn Stellung nehmen.“
