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Im Kölner Süden200 Autos beschädigt – So erklärt der Anwalt den Vandalismus in Serie

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Der Beschuldigte mit seinem Verteidiger Ingo Lindemann beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht

Der Beschuldigte mit seinem Verteidiger Ingo Lindemann beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht

Ein 38-jähriger Kölner muss sich wegen der Taten vor dem Landgericht verantworten.

Eingeschlagene Frontscheiben und zerstochene Reifen in ganzen Straßenzügen: Das Landgericht beschäftigt sich seit Freitag mit einem gravierenden Fall von Vandalismus. Mehr als 200 Autos soll ein 38-jähriger Kölner beschädigt haben. Nun droht ihm die dauerhafte Einweisung in die geschlossene Psychiatrie. Der Verteidiger Ingo Lindemann bezeichnet die Taten seines Mandanten als „Hilferuf“.

Köln: Serie stoppte auch nach erster Verhaftung nicht

Die Serie startete im Juni 2024 in Bayenthal. In der Goltsteinstraße wurde einem BMW 118i der rechte Vorderreifen zerstochen. Danach ging es laut Staatsanwaltschaft Schlag auf Schlag. Auch bei Fahrzeugen der Marken Audi, Mercedes, Jaguar, VW, Skoda, Opel und Seat wurden die Scheiben eingeschlagen oder die Reifen aufgeschlitzt. Dazu wurde an diversen Autos der Lack zerkratzt.

Eines der beschädigten Fahrzeuge aus dem aktuellen Strafverfahren.

Eines der beschädigten Fahrzeuge aus dem aktuellen Strafverfahren.

Nachdem in Bayenthal, Marienburg, Raderthal und Raderberg in einem Zeitraum von zwei Wochen bereits 60 Autos beschädigt worden waren, konnte die Polizei einen Verdächtigen identifizieren. Zwei Zeuginnen hatten den Mann gemeldet, nachdem er die Reifen an zwei Fahrzeugen zerstochen haben soll. Die Polizei erwischte den Verdächtigen, als er sich abermals in Tatortnähe aufgehalten hatte.

Bei einer Durchsuchung fanden die Beamten ein Klappmesser und einen Schraubendreher bei dem 38-Jährigen – die mutmaßlichen Tatwerkzeuge. Nachdem der Mann danach unbeirrt weitergemacht haben soll, kam er im Oktober 2024 in Untersuchungshaft. Wenige Wochen später wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt – und machte laut Anklageschrift einfach weiter mit dem Vandalismus.

Köln: Staatsanwaltschaft spricht von 226.000 Euro Schaden

Den Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf geschätzte 226.000 Euro. Die genaue Summe ist nicht feststellbar, da nicht zu jedem Fall eine Reparaturrechnung vorliegt. Schäden durch Vandalismus bekommen Autobesitzer in der Regel nur bei vorhandener Vollkaskoversicherung beglichen. Anwalt Lindemann sagte, dass sein mittelloser Mandant nicht für den hohen Schaden aufkommen könne.

Zum Prozessauftakt äußerte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. In Abrede stellte der Anwalt die Vorwürfe aber nicht. Um eine mögliche Haftstrafe geht es in dem Verfahren aber ohnehin nicht mehr. Die Vorsitzende Richterin erteilte den Hinweis, dass eine Einweisung in die Psychiatrie drohe. Laut psychiatrischem Gutachten soll der Mann als psychisch krank und damit schuldunfähig gelten.

Köln: Wahnhafte Störung soll zu den Taten geführt haben

Verteidiger Lindemann erklärte, dass sein Mandant mit den Taten offenbar auf sich aufmerksam machen wollte. Bei dem 38-Jährigen handele es sich um einen Israeli mit palästinensischen Wurzeln, der in seine Heimat zurückwolle. Das sei ihm aber auch aufgrund der psychischen Erkrankung nicht möglich. Der Beschuldigte sei traumatisiert, seit er als Jugendlicher in Israel in Haft gesessen habe.

Der Angeklagte soll an einer wahnhaften Störung leiden und eine medikamentöse Behandlung ablehnen. In der Vergangenheit soll er Ärzten und Pflegern in Kliniken misstraut und ihnen unterstellt haben, ihm Gift ins Essen zu mischen. Er soll zeitweise in eine Art Hungerstreik getreten sein. Derzeit befindet sich der Mann im Justizvollzugskrankenhaus. Ein Urteil wird frühestens im Februar erwartet.