Abo

Nach LokalverbotJugendgang schlägt und tritt Türsteher von Kölner Veedelskneipe fast tot

4 min
Der Angeklagte links (mit Verteidiger Frank Hatlé) gilt als Initiator, der Beschuldigte rechts (mit Verteidiger Michael Diwo) soll den Angriff gestartet haben.

Der Angeklagte links (mit Verteidiger Frank Hatlé) gilt als Initiator, der Beschuldigte rechts (mit Verteidiger Michael Diwo) soll den Angriff gestartet haben.

Fünf Angeklagte müssen sich wegen versuchten Mordes vor dem Kölner Landgericht verantworten.

Fünf junge Männer müssen sich seit Dienstag wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes vor dem Kölner Landgericht verantworten. Die Gruppe soll in Nippes den Türsteher einer Kneipe auf der Florastraße nach dessen Schicht abgepasst und fast getötet haben. „Aus nichtigem Anlass“, so die Staatsanwältin, sei der 56-Jährige angegriffen worden. Und das bestätigten auch die Haupttäter: Eine Woche zuvor hatte der Security-Mann den Freund eines Angreifers nicht in das Lokal gelassen.

Köln: Türsteher vor Veedelskneipe aufgelauert

Die Anklage spricht vom Mordmerkmal der Heimtücke. So soll die Gruppe sich vergangenen September im Bereich der Kneipe postiert haben, bis diese in den Morgenstunden eines Samstags schloss. Dem Türsteher sei aufgelauert worden, als dieser das Lokal in Richtung seines geparkten Autos verließ. Den Angriff eröffnet habe ein 19-Jähriger. „Der Angeklagte packte den vollkommen überraschten Geschädigten und stieß ihn zu Boden“, so steht es in der Anklageschrift.

Die fünf Angeklagten mit ihren Verteidigerinnen beim Prozessauftakt in Saal 112 des Kölner Landgerichts

Die fünf Angeklagten mit ihren Verteidigerinnen beim Prozessauftakt in Saal 112 des Kölner Landgerichts

Zwei Tritte gegen den Kopf seien erfolgt, dann seien die Komplizen aus einer Seitenstraße aufgetaucht. Das Opfer habe um Hilfe gerufen, da hätten die jungen Männer weiter auf dessen Rumpf und Kopf eingetreten. „Er war der Situation völlig ausgeliefert“, erklärte die Staatsanwältin. Der Türsteher habe keine Regung mehr gezeigt, trotzdem habe die Gruppe weiter auf ihn eingetreten. Einer der Angeklagten habe dem Mann noch mindestens sechsmal gegen den Rücken getreten.

„Wach auf, du Hurensohn“, habe der Beschuldigte gerufen und noch mit einer abgebrochenen Flasche zugestochen. Und danach noch zweimal nach einer Ausholbewegung gegen dessen Kopf getreten. Danach sei die Gruppe geflüchtet, ohne sich weiter um den Mann zu kümmern. Von einem „Taterfolg“, der Tötung des Mannes, seien sie ausgegangen oder hätten dessen Tod zumindest billigend in Kauf genommen. Das Opfer überlebte mit Brüchen der Rippen und des Lendenwirbels.

Köln: Initiator der Attacke legt Geständnis ab

Die Kölner Polizei fahndete nach der Bluttat nach den flüchtigen Tätern, die am Tatort eine Lachgasflasche zurückgelassen haben sollen. „Der Gegenstand wird nun auf Spuren untersucht“, schrieben die Ermittler. Eine Mordkommission wurde eingerichtet, die schnell auch diverse Videosequenzen von privaten Kameras auswertete, die in der Nähe des Tatorts installiert waren. Die Gruppierung wurde ermittelt – mehrere Tatverdächtige hatten sich auch selbst bei der Polizei gestellt.

Verteidiger Frank Hatlé erklärte, sein Mandant wolle sich als Erster zu Wort melden. „Ich denke, ich muss am meisten Verantwortung übernehmen“, sagte der Hauptbeschuldigte, „ich will alles erzählen“. Eine Woche vor dem Geschehen habe er mit Freunden in der Kneipe gefeiert. Dann sei ein weiterer Kollege von ihm nicht hineingekommen. „Meine Laune war nicht gut, ich wollte etwas geraderücken“, sagte der Angeklagte. Daher habe er den Spiegel vom Auto des Türstehers abgetreten.

Mit der Reaktion des 56-Jährigen habe er dann nicht gerechnet. Der habe danach einen Schlagstock gezogen und noch fünf weitere Männer zu sich gerufen. „Ich bin dann abgehauen und bei der Musikschule über den Zaun gesprungen“, schilderte der junge Mann, „ich wusste gar nicht, was ich dann machen sollte.“ Nach etwa zehn Minuten sei aber wieder „die Luft rein“ gewesen, dann habe er nach Hause gehen können. Es war ein Erlebnis, das der 19-Jährige nicht auf sich sitzen lassen wollte.

Köln: Angeklagte können auf Anwendung von Jugendstrafrecht hoffen

Nachdem sein Freund den Türsteher nach dessen Schicht zu Boden gestoßen hatte, sei er hingeeilt und habe auf den Mann eingeschlagen und eingetreten. „Ich war in einem Wahnzustand, mein Bauch war voller Wut“, erklärte der Angeklagte. Nach der Tat sei er noch rumgeirrt und habe randaliert. Erst eine Zigarette habe ihn wieder beruhigt. Freunde hätten ihm am nächsten Tag ein aufgenommenes Video gezeigt, „da war ich echt schockiert von mir, da habe ich Bauchschmerzen bekommen“.

Zu dem Einsatz der abgebrochenen Flasche oder seinen Mittätern konnte oder wollte sich der Angeklagte nicht äußern. „Die Bilder sind so verschwommen“, meinte er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Ansgar Meimberg. Ein weiterer Angeklagter sagte: „Ich wollte nur den Anfang machen und dann weg.“ Das Opfer soll bis heute schwer geschädigt sein. Allen fünf Angeklagten droht eine Verurteilung wegen versuchten Mordes. Aufgrund des jungen Alters steht aber die Anwendung des milderen Jugendstrafrechts im Raum. Der Prozess wird fortgesetzt.