Bläck-Fööss-JubiläumDenkwürdiges Konzert vor weniger Gästen als eigentlich erlaubt

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Denkwürdiges Jubiläum der Bläck Fööss in der Kölner Lanxess Arena. Im Bild Erry Stoklosa und Pit Hupperten.

  • So hatten sich die Bläck Fööss das Jubiläumskonzert zu ihrem 50-jährigen Bestehen sicher nicht vorgestellt.
  • Trotz aufwändiger Sicherheitsvorkehrungen sind nur rund 500 Besucherinnen und Besucher gekommen, immerhin 2400 hätten es sein dürfen.
  • Dennoch ist die Band hoffnungsvoll und feiert auf ungewöhnliche Art und Weise ihren runden Geburtstag.

Köln – „50 Johr, de Musik im Bloot/ 50 Johr, et deit immer noch joot/ All die Leeder, die de hück noch kenns/die singe sujar noch de Pänz vun d’r Pänz vun d’r Pänz ...“

Zu den Klängen eines neuen Liedes entern die Musiker der Bläck Fööss die Centerstage in der gespenstisch leeren Lanxess-Arena. Sie müssen dafür durch die Boxengasse der Fans, Plexiglas-ummantelte Logen im Innenraum, von Autos flankiert, in denen die Gäste ihre Idole bereits jetzt mit stehenden Ovationen feiern. „Weltpremiere in Köln“, ruft Erry Stoklosa den jubelnden Fans zu, „hier und heute unser Jubiläumssong.“

Ein gelungener Auftakt

Ein sehr gefälliges Stück von Pit Hupperten, Olaf Didolff und Uli Winters, das textlich mit den zahllosen Hits der Fööss spielt und diese durchaus selbstironisch in die heutige Zeit holt. Da hat der Kaczmarek ein Hörgerät „…und ich laach m’em Meyers Kättche / weil dat zu schwer is für mi Rädche…“

Gelungener Auftakt für ein denkwürdiges Konzert: „Wie soll dat nur wiggerjonn“ fragen sich die Jubilare zum Auftakt des ersten live gespielten Songs „Veedel“, und es ist aktuell die existenzielle Frage einer ganzen Branche, die angesichts der Auswirkungen der Pandemie verzweifelt. Trotz der aufwändigen Sicherheitsvorkehrungen sind nur rund 500 Besucher gekommen, immerhin 2400 hätten es sein dürfen. Ohnmächtig müssen die Kulturschaffenden, die alles geben, zusehen, wie ihre Felle davonschwimmen. „Ihr wisst es alle, normalerweise würden wir jetzt auf dem Roncalliplatz stehen“, sagt Erry. „Met a paar Lück mieh, 8000.“

Traurig und trotzig

Das klingt traurig, aber auch trotzig. Die Hoffnung stirbt zuletzt, und die, die gekommen sind, bereuen keine Sekunde. Denn die Band ist auch am Tag ihres runden Geburtstages (Erry: „Hück vor 50 Johr hat ein gewisser Thomas Richard Engel einen Vertrag bei den Stowaways unterschrieben – drei Woche später hammer de Rievkooche-Walzer opjenomme. Der Anfang der Fööss!“) voller Elan, freut sich über ein „Happy Birthday“ vom Publikum und über den verdienten Applaus. „Wir wussten gar nicht mehr, wie sich das anhört, wenn so viele Menschen klatschen“, sagt Mirko Bäumer und stimmt „Letzte Rund’“ an.

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Fööss Ur-Gestein Erry Stoklosa.

Der Sound ist fett und füllt das mächtige Rund der Arena spielend, die Stimmung ausgelassen. Schnell hat man das Gefühl, dass das Geisterspiel ein gutes wird, konzentriert sich auf den Spaß, den man als Besucher haben will – feiern, singen, tanzen. Die Boxengasse lebt. Die Jubilare wollen beweisen, dass es genau die richtige Entscheidung war, die Bläck Fööss mit jungen Musikern weiter am Leben zu erhalten. Und wer noch vor anderthalb Jahren gedacht haben sollte: Wie? Das sind die Fööss? Kenn’ ich ja keinen mehr, reibt sich verwundert die Augen.

Viele Gänsehautmomente

Da steht offensichtlich eine Mannschaft auf der Bühne: der mehrstimmige Gesang, von jeher Markenzeichen der Band, klappt eindrucksvoll. Bäumer hat als Frontsänger an Profil gewonnen, Hanz Thodam die Priess’sche Stoik des Bassisten einfach übernommen, und Hupperten arbeitet daran, sein komödiantisches Talent auszuleben. Errys Mundharmonika sorgt für die eine oder andere Gänsehaut, und wenn Bömmel Lückerath, der sonst zurückhaltende, im roten Jackett („Das habe ich von meinem kleinen Bruder geliehen – das Original hängt derzeit im Stadtmuseum.“) die Schnulzen-Persiflage „Moni hat geweint“ dahinschmalzt, bleibt kein Auge trocken. Die Gitarren-Soli von Gast Christoph Granderath etwa bei „Kölsche Bröck“ tun ein Übriges.

Die Qualität der Songs steht so und so außer Frage. Zum „Buuredanz“ wird geschwoft, bei „Kathrin“ auf den Rängen geknutscht. Das „Wasser vun Kölle“ bringt mit frischem Gesang etwas Abkühlung, bevor der „Jupp vom Zoll“ oder die „Achterbahn“ die Arena zum Rocktempel werden lassen. „Sogar die Security eskaliert“, freut sich Bäumer. Bevor es gefühlvoll mit „Schön, dat mir noch zosamme sin“ weitergeht: „Mit all dä Bilder en mir drin/ Mit all dä Leeder, die ich sing/ So hol ich mir dat Jeföhl zoröck/ Schön dat mir zosamme sin.“

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Das Lied meint die große Liebe, aber auch die Fööss, die Fans, uns alle. Es könnte als Aufruf verstanden werden, wieder auf Konzerte oder ins Theater zu gehen: Leute, lasst uns wieder feiern. In Maßen, aber ohne Angst. Rücksichtsvoll und trotzdem intensiv. Wir brauchen die Kunst. Vor allem: Die Künstler brauchen uns. Schön, wenn wir wieder zusammen sind.

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