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Zum 100. GeburtstagScala-Theater widmet Trude Herr eine ganze Spielzeit

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Arne Hoffmann und Ralf Bongartz bei der Vorstellung des neuen Programms im Scala-Theater mit einem entsprechenden Plakat

Arne Hoffmann (links) und Ralf Bongartz bei der Vorstellung des neuen Programms im Scala-Theater

Aus 15 Theaterstücken wird eins: Das Scala-Theater widmet die Spielzeit 2026/2027 der 1991 verstorbenen Schauspielerin Trude Herr.

Was kommt heraus, wenn man 15 Theaterstücke von Trude Herr in einen Topf wirft und aus den Zutaten ein neues Bühnenwerk formt? Ein Spektakel, das sich „Trude. Wat e ordinär Frauezemmer. Leck mich am Aasch“ nennt. So heißt das Stück, das in der Spielzeit 2026/ 2027 im Scala-Theater gezeigt wird. Am Mittwoch haben es die Schauspieler Ralf Bongartz und Arne Hoffmann in der von ihnen geleiteten Bühne am Hohenzollernring vorgestellt. Direkt im Anschluss hat der Vorverkauf begonnen. Die Premiere ist für den 24. September geplant.

Anlass, sich eine ganze Spielzeit der 1991 verstorbenen Schauspielerin, die das kölsche Volkstheater reformiert hat, zu widmen, ist ihr 100. Geburtstag am 4. Mai 2027. Es gehe darum, „die Essenzen der Stücke aufeinanderprallen zu lassen“, sagte Bongartz, der mitten in der Arbeit an der Collage steckt. Figuren, Motive und Szenen aus Stücken wie etwa „Scheidung auf Kölsch“, „Die Millionärin“ und „Fröhliches Beileid“ kombiniert er neu und setzt sie in Beziehung zueinander. Nach seinen Worten entsteht so eine „in sich geschlossene Geschichte“ nach Art eines „Episodenfilms“.

Trude Herr

Die deutsche Schauspielerin, Schlagersängerin und spätere Theaterdirektorin Trude Herr in einer Rolle als Bardame, Anfang der 1970er Jahre

Hauptschauplatz ist ein Haus in der Ehrenstraße mit Plattenstudio im Hinterhof sowie Restaurant und Kneipe in unmittelbarer Nachbarschaft. Im turbulenten Spiel treffen sie alle aufeinander: die überkandidelten Frauen, Schürzenjäger und der selbst ernannte Modeschöpfer, Frankensteins Schwiegermutter, die kölsche Geisha und das versoffene Lenchen. Ausflüge aufs Land zur „Pflaumenschwemme“ gehören dazu. Auch Trude Herr selbst kommt ins Spiel. Insgesamt sind es rund 50 Figuren, verkörpert von den sechs Mitgliedern des bewährten Ensembles, das noch bis zum 28. Juni in der Komödie „Op bläcke Fööss noh Kölle“ auf der Bühne steht. Auch im neuen Lustspiel sind musikalische Elemente Teil der Inszenierung, allerdings stehen nicht die Lieder von Trude Herr im Vordergrund. Es ist ein bunter Reigen von Melodien aus dem kölschen Gesamtrepertoire, von Ostermann über Brings bis zu den Paveiern.

Ernste Themen komödiantisch verpackt

Trude Herr, deren Stücken von Teilen der Kritik das Etikett „banal“ angeheftet worden sei, habe es verstanden, ernste Themen komödiantisch zu verpacken, sagte Bongartz. Vieles sei nach wie vor „brandaktuell“, ob Missbrauch von Frauen durch Männer, Schönheitswahn oder Altersarmut. Mit seiner Collage will der Autor auch weniger bekannte Seiten der Volksschauspielerin sichtbar machen. Denn während einige ihrer Stücke dank Fernsehaufzeichnungen große Popularität erlangt hätten, sei ein Großteil ihres Werks heute kaum präsent. Zugleich versteht sich die neue Scala-Produktion als Hommage an das Theater selbst, an seine Direktheit und seine Kraft, gesellschaftliche Themen auf die Bühne zu bringen.

Über die Aufführungen der kommenden Spielzeit hinaus sind besondere Abende und künstlerische Formate geplant, die sich Herrs Leben, Bühnenwerk und musikalischem Schaffen widmen. Die Ticketpreise – von 35 Euro (Ü-60-Rabatt am Donnerstag) bis 55 Euro (samstags) – blieben stabil, sagten Bongartz und Hoffmann. Alles andere als eine Selbstverständlichkeit bei einer privaten Bühne, die ohne Subventionen auskommen muss. Das Ensemble sei nach dem Tod von Sophie Russel im Dezember 2024 enger zusammengewachsen, sagten die Theaterleiter. Der Travestie-Star gehörte lange zum Scala-Theater und feierte dort in zahlreichen Rollen große Erfolge – unter anderem als Trude Herr.