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Abschied bei Kölner Kult-BandDie Räuber verlieren ihr letztes Gründungsmitglied

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Kurt Feller steht beim Konzert auf der Bühne.

Ur-Räuber Kurt Feller (66) wird die Band nach der kommenden Karnevalssession verlassen. Dies gab er am Donnerstagabend (30. April 2026) vor dem Köln-Konzert bekannt.

Eine Ära endet bei den Räubern: Gründungsmitglied Kurt Feller verlässt die Band nach der kommenden Karnevalssession.

Sie legen immer noch einen drauf und werden von Jahr zu Jahr besser. Die Räuber sind 35 Jahre nach ihrer Gründung in der Form ihres Lebens. Vor wenigen Tagen hat die Deutschland-Tour der Band begonnen. 40 Termine stehen auf dem Kalender.

Nach Auftritten in Regensburg, München und Stuttgart stand am Donnerstagabend (30. April 2026) das Heimspiel an. Im Theater am Tanzbrunnen wurde gemeinsam in den Mai gefeiert. Es war ein begeisternder Abend mit spielfreudigen Räubern, die fast zweieinhalb Stunden ablieferten.

Die Räuber: Über 1000 Fans feiern mitreißendes Konzert in Köln

Die Rhythmussportgruppe hatte früh die Stimmung im Saal angeheizt, ehe Eva Soujon als „E.v.a. singt“ an der Reihe war. Schließlich lieferten die Räuber einen wunderbaren Querschnitt durch ihr Repertoire. Von alten Klassikern wie „Kölsche Junge bütze joot“, „Titicacasee“ oder „Die Rose“ bis zum jüngsten Sessionshit „Weil mer Kölsche sin“ und der tollen Ballade „Platz für dich“ war alles dabei.

Andreas „Schrader“ Dorn und Kurt Feller stehen zusammen auf der Bühne.

Ur-Räuber Kurt Feller (r.) und Andreas „Schrader“ Dorn beim Konzert im Theater am Tanzbrunnen.

Zu „Schwemme künne“ kamen die Lucky Kids samt Chorleiter Michael Kokott ins Theater. Bei den Hits „Oben Unten“, „Für die Iwigkeit“ und „Dat es Heimat“ stieg die Rhythmussportgruppe mit ein. Die Atmosphäre unter den über 1000 Fans war so ausgelassen, dass zwischenzeitlich die Gastronomie an ihre Grenzen geriet, weil das Kölsch enorm gefragt war. Nach dem Konzert sorgte ein DJ im Foyer dafür, dass wirklich noch in den Mai getanzt werden konnte.

„Wir befinden uns ab jetzt auf der Suche nach einem neuen Keyboarder“

Nur ein Bandmitglied erlebte den mitreißenden Abend eher mit gemischten Gefühlen. Vor dem Auftritt ließ Ur-Räuber Kurt Feller im exklusiven Gespräch die Bombe platzen: „Nach Karneval höre ich auf. Wir befinden uns ab jetzt auf der Suche nach einem neuen Keyboarder“, sagte er.

Die Räuber mit den Lucky Kids auf der Bühne.

Räuber-Frontmann Sven West zusammen mit den Lucky Kids beim Song „Schwemme künne“.

1991 gründeten Karl-Heinz Brand und Kurt Feller die Räuber, zwei Jahre später kam der 2007 verstorbene Norbert Campmann dazu. Nun kommt es im Februar 2027 zum Abschied des letzten Gründungsmitglieds. „Ich werde Aschermittwoch sicher weinen“, sagt Feller. „Aber es ist alles richtig so, wie es ist. Ich hab’ den Karren noch mal sehr erfolgreich angezogen. Die Band ist in der Neuzeit angekommen.“

Schwierige Jahre mit einigen Personalwechseln

Hinter der Band, die mit „Wenn et Trömmelche jeht“ einen Hit für die Ewigkeit geschrieben hat, lagen schwierige Jahre mit einigen Personalwechseln. Doch in den vergangenen fünf Jahren hat sich die Gruppe um Frontmann Sven West in die Spitzengruppe der kölschen Bands gekämpft. Zweimal in Folge gewann sie den Närrischen Oscar, die Nachfrage nach Auftritten ist immens.

Die Räuber zusammen mit der Rhythmussportgruppe.

Die Rhythmussportgruppe war nicht nur als Vorband auf der Bühne, sondern unterstützte die Räuber auch beim Konzert-Finale.

Und genau das brachte „Captain Kurt“ zum Entschluss, jetzt die Reißleine zu ziehen. „Wir haben im letzten Jahr bei 364 Veranstaltungen gespielt. Das geht in die Knochen. Im Dezember stand ich kurz vor dem Burn-out“, sagt der 66-Jährige ehrlich. „In der vergangenen Session habe ich jeden Tag darüber nachgedacht, den Schritt zu machen. Karneval an sich macht mir keine Angst. Aber wir sind inzwischen das ganze Jahr unterwegs. Da gibt es kaum mehr Pausen zwischendurch.“

„Der Akku ist einfach nur leer“

Bassist Martin Zänder war der erste, der vom Entschluss erfuhr. Sänger Sven West wurde im Proberaum von der Nachricht überrumpelt. „Der Akku ist einfach nur leer“, sagt Feller. „Aber der Moment ist perfekt, weil alles so gut läuft. Mein Abschied gibt einen neuen Impuls für die Band. Sie kann nun einen innovativen Keyboarder suchen, der auch gut singen kann.“ Der Ur-Räuber hat sich jüngst ein Wohnmobil gekauft und will damit viel durch Deutschland reisen.

Doch vorher stehen noch zehn emotionale Abschiedsmonate an. Zwei neue Titel für die nächste Session sind in der Mache. Am 11. Dezember findet im Gloria das Abschiedskonzert in dieser Besetzung statt, anschließend folgt noch die Karnevalssession. Der Auftritt im Theater am Tanzbrunnen hat auf jeden Fall gezeigt, wie gut die Band aktuell harmoniert. Fellers Abschied wird da sicher zur Zäsur.

Damit wird die Zahl der aktiven kölschen Musiker, die von Anfang an ihre Band geprägt haben, weiter kleiner. Bei den Höhnern und den Bläck Fööss ist niemand mehr aus der ersten Stunde dabei. Bei den Paveiern sind Detlef Vorholt und Klaus Lückerath seit 43 Jahren aktiv, bei den Rabaue Peter „Funny“ van den Brock seit 25 Jahren. Peter und Stephan Brings sowie Harry Alfter halten seit 35 Jahren bei Brings die Fahne hoch.