Kampfansage an LauterbachSerap Güler drängt mit großen Ambitionen nach Berlin

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Serap Güler, Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration.

Köln – Staatssekretärin Serap Güler wird bei der Bundestagswahl im September für die CDU im Wahlkreis Mülheim-Leverkusen antreten. Bei der Wahl am Samstag setzte sie sich mit 108 Stimmen im ersten Wahlgang gegen Paloma Krassa (45 Stimmen), Ulrich Wokulat (26) und Robert Budde (8) durch.

„Natürlich bin ich erleichtert, so klar gewählt worden zu sein“, sagte Güler dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Sonntag. „Es wäre gelogen zu sagen, ich hätte das so erwartet. Innerlich hatte ich mich auf eine Stichwahl eingestellt.“Vor der Wahl hatte der Parteivorstand der Kölner CDU eine Empfehlung für Güler ausgesprochen, aus dem Stadtbezirk Mülheim indes war Kritik aufgekommen: Güler, mit Abstand die prominenteste der Angetretenen, betreibe „Wahlkreishopping“ und bringe zu wenig Identifikation für den Bezirk mit.

„Die Wahlkreisdebatte war albern“

„Die klare Abstimmung hat gezeigt, dass das eine alberne Debatte war“, sagt Güler, deren Ziel es nun ist, „den Wahlkreis gegen einen prominenten Kandidaten direkt zu gewinnen“. Für die SPD tritt im Bezirk Mülheim-Leverkusen der Arzt und Epidemiologe Karl Lauterbach an. „Es ist ein Fakt, dass Lauterbach in der Pandemie mehr als Epidemiologe agiert denn als Politiker“, sagt Güler. „Ich wohne in Buchheim. Hier gibt es viele Menschen, die von Kurzarbeit betroffen sind oder gar keine Arbeit haben. Da braucht es mehr als epidemiologische Ratschläge.“

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Erste Bundesintegrationsministerin unter Kanzler Laschet?

Auch ohne ein Direktmandat könnte Güler unter einem möglichen Kanzler Armin Laschet zur ersten Bundesintegrationsministerin aufsteigen. Über solche Zukunftsszenarien will die 40-Jährige allerdings noch nicht spekulieren. „Entscheidend ist, wie wir in den nächsten Monaten mit der Corona-Situation umgehen. Davon hängt auch ab, ob die CDU Teil der nächsten Bundesregierung sein wird“, glaubt sie. „Wir geben alle unser Bestes, müssen aber manchmal Entscheidungen zurücknehmen, weil sich die Situation so schnell ändert – das hat die Kanzlerin jüngst gemacht, das musste auch die Stadt Köln machen, die Modellstadt für eine Öffnung sein soll, jetzt aber erstmal wieder die Notbremse zieht. Wir alle machen Fehler, aber es ist natürlich klar, dass es jetzt entscheidend um eine gute, glaubwürdige Performance geht.“

Direktmandat als Ziel

„Das Ziel muss es sein, dass sie ihren Wahlkreis direkt gewinnt“, sagt der Kölner CDU-Vorsitzende Bernd Petelkau. „Den klaren Sieg haben wir so erwartet, da wird Leistung belohnt. Serap Güler hat das Potenzial, Teil der Bundesregierung zu sein, das beweist sie durch ihre Arbeit in Düsseldorf.“ Güler arbeitet dort als Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration.

Keine Schnelltests vor der Wahl

Während Petelkau auch eine Bundesministerin Serap Güler nicht ausschließt, hält das Heinz Klein, Ratsherr aus dem Ortsverband Dünnwald/Höhenhaus, das für unwahrscheinlich. „Gott bewahre, dass wir einen Kanzler Armin Laschet erleben werden“, sagt der 71-Jährige, der die Wahlentscheidung für Güler „aus strategischen Gründen sehr gut nachvollziehen kann“. Klein war am Samstag nicht bei der Wahl, „weil da 200 Menschen waren, es aber vor Ort keine Schnelltests gab. In meinem Alter war mir das zu unsicher bei den aktuellen Inzidenzzahlen. Und ich finde das auch nicht glücklich: So wie es organisiert war, war das Ergebnis leider ein bisschen coronabeeinflusst.“

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Dass Serap Güler den Wahlkreis gegen Karl Lauterbach gewinnen kann, glaubt Klein nicht. „Aber sie ist sicher die beste Kandidatin, die wir hatten.“

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