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Sorge der Polizei KölnImmer öfter werden Messer bei Auseinandersetzungen benutzt

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Die Polizei Köln hat die Kriminalstatistik 2019 vorgestellt. (Symbolbild)

Köln – So wenige Straftaten wie zuletzt vor 30 Jahren und mit 52 Prozent erstmals überhaupt seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen 1970 eine Aufklärungsquote von mehr als 50 Prozent – Polizeipräsident Uwe Jacob nennt die Kölner Kriminalstatistik 2019 eine „erfolgreiche Bilanz“. Wenn auch eine „mit schwarzen Flecken auf weißer Weste“, wie er hinzufügt. Denn vor allem die Trickbetrügereien an Senioren nehmen kein Ende, im Gegenteil: Die Zahl ist im Vorjahr sogar noch einmal um fast 80 Prozent auf knapp 4000 Fälle gestiegen. Sorge bereitet der Polizei auch, dass bei Streits und Körperverletzungen zunehmend Messer eingesetzt werden.

Mord und Totschlag

Insgesamt 19 Menschen sind im Vorjahr durch Gewaltverbrechen ums Leben gekommen, zehn von ihnen durch Messerstiche. Weitere 16-mal ermittelte die Polizei wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Erstmals gab die Polizei bekannt, wie viele Körperverletzungen mit einem Messer begangen worden sind: insgesamt 548. „Auf diese Entwicklung müssen wir ein Auge haben“, sagte Kripochef Stephan Becker. 726 Menschen wurden verletzt. Wo früher Fäuste flogen, würden heute Messer eingesetzt, teilweise „aus völlig nichtigem Anlass“, sagte Becker. Die häufig gehörte Ausrede, man trage das Messer zur Verteidigung bei sich, nehme er niemandem ab. „Das ist purer Unsinn.“

Oft seien die Täter – zumeist junge Männer mit und ohne Migrationshintergrund – alkoholisiert. „Sie haben keine Kontrolle über das, was sie tun“, sagte Becker. „Sie fuchteln mit einem Messer herum, und ob sie dabei die Leber oder die Lunge ihres Gegenübers treffen, haben sie gar nicht in der Hand.“ Die gesetzlichen Voraussetzungen für ein Trageverbot von Messern lägen inzwischen vor. An bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten könne eine „Messerverbotszone“ auch in Köln künftig durchaus das „Mittel der Wahl“ sein, sagte Becker.

Trickbetrug an Senioren

Vor allem die Zahl von Telefonanrufen falscher Polizisten stellt die Polizei weiterhin vor eine große Herausforderung. Zwar gelinge es den Tätern statistisch nur in einem von hundert Fällen, ihr Opfer zur Herausgabe von Geld zu bewegen. Aber die Schadenssummen sind häufig enorm. Weil die Anrufer von Callcentern aus der Türkei operieren, sei man auf die Mithilfe der türkischen Behörden angewiesen, sagte Becker. Seit etwa einem Jahr werde die Zusammenarbeit besser. Die türkische Polizei geht inzwischen rigoroser gegen die Callcenter vor – auch, weil die Täter zunehmend Opfer in der Türkei selbst suchen.

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Straßenkriminalität

Ob Raub, Körperverletzung, Taschendiebstahl oder Diebstahl aus Autos – in nahezu allen Bereichen sinken die Fallzahlen seit 2015 kontinuierlich, auch weil die Polizei mehr Präsenz zeige, so Jacob. Nur beim Einbruch sind sie im Vorjahr leicht gestiegen – um fast 200 auf knapp 2500 Fälle. Viele Taschendiebe seien „weiter den Rhein hochgewandert“, zum Beispiel nach Düsseldorf, seit die Polizei in Köln mit einem Einsatztrupp vor allem die Profis unter den Tätern verfolgt, sagte Kripochef Becker.

Ausblick

Auch in den kommenden Monaten sei die Polizei vor allem beim Kampf gegen Kindesmissbrauch (Ermittlungsgruppe „EG Berg“), Islamisten, Rocker, aber auch Fahrraddiebe, Einbrecher und Drogen- und Gewaltkriminalität an Brennpunkten wie dem Ebertplatz oder dem Wiener Platz stark gefordert, sagte Uwe Jacob. Zunehmend gelinge es aber, Straftaten dank der ausgeweiteten Videoüberwachung zu verhindern oder aufzuklären. Jacob befürwortet zudem die Einrichtung von Drogenkonsumräumen, wodurch der Konsum von der Straße in überwachte Räume verlagert wird, was aus polizeilicher Sicht „sehr gut funktioniert“. Ab April will die Polizei wie im Vorjahr wieder mit einer speziellen Eingreiftruppe gegen Fahrraddiebe vorgehen.

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