„So eine Kacke“Staatsanwalt poltert bei Kölner Drogen-Prozess

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Der Eingang zum Landgericht und Amtsgericht auf dem Gelände des Justizzentrums Köln an der Luxemburger Straße.

Die Verhandlung gegen die mutmaßlichen Dealer wurde vor dem Landgericht geführt.

Beim Prozess um drei mutmaßliche Drogendealer vom Kölner Neumarkt verlor der Staatsanwalt kurzzeitig die Fassung.

Drei mutmaßliche Drogenhändler müssen sich seit Montag vor der 14. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts verantworten. Die Männer im Alter zwischen 22 und 24 Jahren sollen Heroin und Kokain in der Innenstadt verkauft haben, als Teil einer hierarchisch strukturierten Bande. Den Angeklagten drohen mehrjährige Haftstrafen und die Abschiebung in ihr Heimatland Albanien.

Köln: Laut Anklage Drogen in der Innenstadt verkauft

Verkaufsorte waren laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft der Neumarkt, die Cäcilienstraße und der Mauritiuskirchplatz. Hier und im Pantaleonspark soll es von Hintermännern auch immer wieder zu Übergaben größerer Mengen von Drogen für den Verkauf gekommen sein. In einem Hotelzimmer eines Beteiligten hatten Ermittler 347 Gramm Kokain entdeckt, das sichergestellt werden konnte.

Einer der Angeklagten erklärte zu seinem Lebenslauf, in einem Dorf nahe der albanischen Hauptstadt Tirana aufgewachsen zu sein. Die Eltern hätten wenig Geld, versuchten mit eigener Landwirtschaft „irgendwie zu überleben“. Vergangenes Jahr sei er mit dem Bus nach Deutschland gereist, um hier ein besseres Leben führen zu können. Seine Familie habe ihm die 100 Euro für die Fahrt gegeben.

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Kölner Landgericht: Angeklagter verstrickt sich in Widersprüche

In Köln habe er auf einer Baustelle gearbeitet. Offenbar schwarz, wie der Richter mutmaßte, denn bei den Behörden angemeldet hatte sich der 22-Jährige nicht. Kurz darauf habe er den „Arbeitsplatz“ gewechselt. „Was war das für Arbeit?“, fragte der Richter. „Da muss ich mich erst mit dem Anwalt beraten“, so die Antwort. „Also möglicherweise das, was hier angeklagt ist“, konstatierte der Richter.

Im Laufe seiner Aussage verstrickte sich der Angeklagte immer wieder in Widersprüche. So will er erst zwei Monate vor seiner Festnahme im November nach Deutschland gekommen sein. Der erste Fall spielte sich aber bereits im August ab. Auch beim eigenen Drogenkonsum sprach der Mann zunächst von mehreren Wochen, dann nur noch von einem Zeitraum von ein paar Tagen.

Kölner Staatsanwalt reagiert ungehalten auf Aussage

Der Staatsanwalt zeigte sich ungehalten. Man sei sehr kompromissbereit, wenn ein von Reue getragenes Geständnis käme. Dann könnte er sich eine mildere Bestrafung vorstellen. „Aber nur bei einem richtigen Geständnis und nicht bei so einer Kacke, die ich hier gehört habe“, so der Staatsanwalt. Die Reaktion des Richter folgte prompt: „Vielleicht sollten wir weiter sachlich bleiben.“

Der Staatsanwalt entschuldigte sich für seine Wortwahl. Er habe nur aufzeigen wollen, was für den Angeklagten strafmildernd möglich sei. Grundsätzlich hatte der 22-Jährige die Taten zumindest ansatzweise eingeräumt. „Es tut mir sehr leid, was ich gemacht habe, ich will jetzt nur noch nach Hause“, hatte der junge Mann erklärt. Der Prozess gegen die insgesamt drei Täter wird fortgesetzt.

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