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„Wir versinken im Müll“Köln will sauberer werden – Stadt sammelt Ideen der Bürger

Lesezeit 4 Minuten
Katharina Pitko (links) und Lisa Knobe vom Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung stehen hinter dem „Meinungs-Mobil“ in Kalk.

Katharina Pitko (links) und Lisa Knobe vom Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung machen mit dem „Meinungs-Mobil“ Station in Kalk.

Am „Meinungs-Mobil“ und am „Demokratie-Rad“ können sich Kölner zum Thema Müll auslassen und Ideen zum Masterplan Sauberkeit einbringen.

„Ich habe das Gefühl, wir versinken im Müll“, bringt es Nadja Nachtkamp aus Höhenberg auf den Punkt. Sie steht am „Meinungs-Mobil“ der Stadt Köln in Kalk. Mitarbeitende des Büros für Öffentlichkeitsbeteiligung sind damit an unterschiedlichen Plätzen in Köln unterwegs, links- und rechtsrheinisch, um mit Bürgerinnen und Bürgern über das Thema Müll zu sprechen. Die Aktion ist Teil des Masterplans Sauberkeit, der in den kommenden Monaten entwickelt und 2024 vom Stadtrat beschlossen werden soll. 

„Die Stadt und die AWB überlegen sich natürlich Lösungsansätze, aber wir brauchen auch die Expertise der Menschen vor Ort – denn sie wissen am besten, wie es in ihren Veedeln aussieht und diese sauberer werden können“, sagt Katharina Pitko, Leiterin des Büros für Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Bewohnerinnen und Bewohner der einzelnen Stadtteile könnten am besten einschätzen, wie der Müllalltag aussieht. Ihre Beobachtungen und Perspektiven können sie deshalb noch bis zum 13. August im Beteiligungsportal meinungfuer.koeln/masterplan-sauberkeit äußern. Am „Meinungs-Mobil“ und am „Demokratie-Rad“ können sie mit der Stadt in den direkten Dialog treten.

Müll in Köln: Ärger über Zigarettenkippen und Hundehaufen

So macht es am Mittwoch auch Norbert Schaaf, der in Kalk geboren wurde und seit 47 Jahren in Merheim wohnt. Ihm liege Köln und auch das saubere Stadtbild am Herzen: „Ich glaube, die meisten Menschen sind sich gar nicht bewusst, wie umweltschädlich die Kippen sind, die sie wegwerfen“, sagt der 59-Jährige, „und die liegen überall herum“. Mit der Beobachtung ist er nicht allein. Pitko berichtet, dass achtlos weggeschmissene Zigarettenstummel ein großes Thema in den Gesprächen mit den Passanten seien. „Viele Kölnerinnen und Kölner sehen sich vor allem selbst in der Pflicht, zu einem sauberen Köln beizutragen, das wird in den Gesprächen deutlich.“ 

Alles zum Thema AWB

Norbert Schaaf schlägt vor, ein Pfandsystem für Zigaretten einzuführen. „In den Filtern könnte ein kleiner metallischer Gegenstand sein, der von Rücknahmeboxen erkannt wird“, so der Kölner. Er erhofft sich, dass so darauf geachtet wird, die Filter vernünftig zu entsorgen. Auch für Glaspfandflaschen wünscht er sich ein anderes System. „Die Flaschen werden selbst von Alkoholikern und Obdachlosen stehen gelassen, weil es sich nicht für acht Cent lohnt“, sagt er. Deshalb sollte das Pfand auf 25 Cent erhöht und auch für andere Glasflaschen eingeführt werden. „Die fliegen alle durch die Gegend und gehen kaputt.“

Solmaz und Ecevet Özdemir aus Ehrenfeld sind am Donnerstag auf der Venloer Straße unterwegs und bleiben am „Demokratie-Rad“ stehen. Sie ärgern sich darüber, dass die öffentlichen Mülleimer oft überfüllt seien. „Die Leute schmeißen ihren Müll dann einfach daneben“, sagt Solmaz Özdemir. Außerdem müsse es mehr Behälter für alte Elektro-Geräte und Elektro-Schrott geben. „Es ist aber auch wichtig, dass Kinder schon in der Schule lernen, wie man den Müll richtig trennt und Eltern das auch zu Hause vorleben“, ergänzt ihr Mann.  

Nadja Nachtkamp stört sich vor allem an dem Dreck durch Hunde: „Die scheißen überall hin, da rutscht man ja schon bald drauf aus.“ Jutta Welteroth, die in Kalk wohnt, nimmt das ähnlich wahr: „Das wird hier immer schlimmer, mit den Hunden und dem Müll.“ Auch Graffiti und Verschmutzung durch Drogenhandel und -konsum seien riesige Probleme. Die 78-Jährige sieht die Verantwortung bei den Bürgerinnen und Bürgern. Dass die AWB häufiger reinigt, sei für sie keine Lösung. 

Mehrere Menschen fordern regelmäßigere Kontrollen durch das Ordnungsamt sowie deutlich höhere Strafen für Müllsünder. „Manche Menschen verstehen Dinge erst, wenn sie einen Strafzettel bekommen“, sagt ein 56 Jahre alter Mann aus Bilderstöckchen, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Wer sein Kaugummi auf den Boden spuckt, muss dafür zahlen.“

Anna Dimitri wünscht sich mehr öffentliche Toiletten, um Wildpinkeln einzudämmen. Außerdem sollten in den Parks zusätzliche Müllbehältnisse aufgestellt werden, „damit die Leute, die grillen, ihre Asche und andere Abfälle entsorgen“ können. Und wenn es mehr öffentliche Wasserspender gäbe, würde der Müll von manchen Einweggetränken gar nicht erst entstehen.


Mitarbeitende des Büros für Öffentlichkeitsbeteiligung sind mit dem „Meinungs-Mobil“ und dem „Demokratie-Rad“ noch bis zum 10. August links- und rechtsrheinisch unterwegs. Hier finden Sie die genauen Daten und Orte.

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