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Köln früher und heuteWas die Bickendorfer Rochuskapelle in 360 Jahren mitmachen musste

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Die Rochuskapelle hat viel mitgemacht in ihrer 360-jährigen Geschichte, ihr heutiger Zustand gilt als bedenklich.

Die Rochuskapelle hat viel mitgemacht in ihrer 360-jährigen Geschichte, ihr heutiger Zustand gilt als bedenklich.

Der Zustand der Kirche gilt heute als bedenklich. Das war nicht immer so. 

Die Bickendorfer Rochuskapelle hat in ihrer 360-jährigen Geschichte schon einiges mitmachen müssen. Mehrfach wurde sie beschnitten, einmal sollte sie sogar ihren Platz räumen. Doch sie hält immer noch ihre Stellung an der Venloer Straße, wenngleich unter bedenklichen Umständen. Peter Bruckmann, Vorsitzender der Bickendorfer Interessengemeinschaft (Big), bezeichnet ihren Zustand sogar als „Katastrophe“.

Bruckmann: Kapelle ist „Identifikationsobjekt“ des Stadtteils

Geweiht wurde das Wahrzeichen und älteste Gebäude Bickendorfs einst dem heiligen Rochus von Montpellier, dem Schutzpatron gegen die Pest. Denn Domherr Heinrich I. von Mering stiftete die Kapelle 1666 aus Dankbarkeit, dass er von der Seuche verschont blieb. Sein Neffe Heinrich II. von Mering ließ sie später erneuern, aber auch verkleinern. Eine erneute Dezimierung ist für das Jahr 1842 überliefert, als bei Straßenarbeiten ein Schwarzpulverfass explodierte und das Gotteshaus stark beschädigt wurde. Beim Wiederaufbau erhielt es seine heutige neugotische Fassade, wurde aber erneut verkürzt.

Die Bickendorfer Rochuskapelle im Jahr 1925.

Die Bickendorfer Rochuskapelle im Jahr 1925.

Das Bickendorfer Kleinod werde rege besucht, sagt Peter Bruckmann, viele Menschen zündeten hier Kerzen an. Es handele sich um ein „Identifikationsobjekt“ im Zentrum des Stadtteils. Trotzdem sei das Bauwerk beschmiert worden, es gebe Probleme mit Feuchtigkeit und drumherum böten fliegende Händler ihre Ware an. Seit 15 Jahren setze sich die Bickendorfer Interessengemeinschaft für die Sanierung der Kapelle und des Umfelds ein. Doch es tue sich nichts.

Grund seien ungeklärte Grundstücksfragen zwischen der Kirchengemeinde und der Stadt, so Bruckmann. Den Rochusplatz hinter der Kapelle wolle die Stadt immerhin sanieren. Statt der jetzigen Parkplätze seien eine Boulebahn, eine Grünfläche und eine Wasserspielfläche geplant: „Der letzte Stand war, dass sie in diesem Jahr beginnen wollen.“

Pläne für Neugestaltung des Platzes liegen seit 20 Jahren vor

Für den U-Bahn-Bau in den 1980-er Jahren sollte die Rochuskapelle sogar versetzt werden, erinnert sich der frühere Kölner Stadtkonservator Ulrich Krings. Seine Vorgängerin Hiltrud Kier habe diesen Plänen vehement widersprochen, frei nach dem Motto: „Man verschiebt keine Kapellen oder geistlichen Orte.“ Das kleine Gotteshaus blieb an seiner Stelle, erlitt durch die Bauarbeiten allerdings Setzrisse.

Einst gehörte die Kapelle zu einer Hofanlage, die 1940 abgebrochen wurde. Heute ragt hinter ihr der Wohnkomplex „Coloria“ massig in die Höhe. Er zählt zu den Hochhäusern, die vor allem in den 1970er Jahren rund um die Stadtmitte emporwuchsen: „In der Altstadt sollten keine Hochhäuser gebaut werden, aber ringsherum“, erklärt Ulrich Krings das so genannte Schüssel-Konzept, das irgendwann nicht mehr weiterverfolgt wurde.

Autos und Beton prägen heute das Umfeld der Rochuskapelle. Pläne für eine Neugestaltung des „potthässlichen“ Platzes kursierten schon seit 20, 30 Jahren, so Krings. Die Stadt müsse also endlich mal in die Gänge kommen.