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„Kölnerinnen für Afghaninnen“Bettina Böttinger spricht bei Benefiz-Event über „Katastrophe“ für afghanische Frauen

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Auf der Bühne der Benefizveranstaltung des Zonta Club Köln spricht Schirmherrin Bettina Böttinger. In der ersten Reihe: Isabella Neven DuMont, Isabel Ahayani, AutorinShikiba Babori und Dr. Monika Hauser.

Auf der Bühne der Benefizveranstaltung des Zonta Club Köln spricht Schirmherrin Bettina Böttinger.

Auf der Veranstaltung des Kölner Zonta Clubs im „Studio DuMont“ in Köln wurde über die prekäre Situation von Frauen in Afghanistan gesprochen.

Was TV-Moderatorin und Produzentin Bettina Böttinger von ihrem Besuch in Kabul 2002 erzählte, hat mit der heutigen Realität kaum noch etwas zu tun. „Menschen haben uns empfangen und erzählt von dem neuen Lebensgefühl seit die Taliban weg waren.“ Mädchen hätten in den Schulen von ihren Karrierewünschen berichtet, das Land habe kurze Zeit später erstmals auch Frauen an den Olympischen Spielen teilnehmen lassen. Jetzt, da die Taliban erneut die Macht übernommen hätten, sei die Lage der Frauen eine „Katastrophe“.

Bettina Böttinger war die Schirmfrau einer Informations- und Benefiz-Veranstaltung des Kölner Zonta Clubs im „Studio DuMont“, die unter dem Motto „Kölnerinnen für Afghaninnen“ der prekären Situation der afghanischen Frauen gewidmet war. „Afghaninnen haben Todesangst vor den Taliban“, so Christine Kronenberg, Präsidentin der Vereinigung berufstätiger Frauen, zur Einführung in den Abend. Ihnen drohten unter dem Regime der radikalislamischen Terrororganisation Zwangsverheiratungen, Gewalt und Armut. Sie dürften nicht ohne männliche Begleitung das Haus verlassen und nicht studieren: „Die Lage der Frauen in Afghanistan ist weltweit am schlimmsten.“

Selbstmordrate von Frauen steige in Afghanistan stark an

Afghanistan sei ein tief patriarchalisches Land, erläuterte die deutsch-afghanische Journalistin Shikiba Babori im Gespräch mit Astrid Wirtz-Nacken. Die Frauen seien die Schwächsten in der Reihe. Aktuell werde ihnen die Gelegenheit genommen, ihre Familien zu versorgen. Sie müssten ertragen, dass ihre Töchter nur bis zur sechsten Klasse die Schule besuchen dürften und ihnen der Zugang zu den Universitäten verweigert werde.

„Ich beobachte täglich, wie die Kinder von ihnen depressiv werden“, so Babori. Die Selbstmordrate unter Frauen steige stark an. In der Zeit der westlichen Invasion unter amerikanischer Führung zwischen 2001 und 2021 sei jedoch eine neue Generation herangewachsen, die Babori die „Nato-Generation“ nennt. Deshalb fänden auch jetzt noch Proteste statt: „Die Taliban hatten es sich einfacher vorgestellt, der Situation Herr zu werden.“

Doch trotz Schwierigkeiten werde auch jetzt die Arbeit fortgesetzt

Zahlreiche Gäste waren der Einladung des Zonta Clubs gefolgt, darunter prominente wie die ehemalige Bundes-Familienministerin Rita Süssmuth, Herausgeberin Isabella Neven DuMont und Fernseh-Journalistin Isabel Schayani. Moderiert wurde der Abend von Filmemacherin Iris Toussaint, afghanische Live-Musik steuerte Daud Khan Sadozai bei.

Spenden konnten die Besucher für zwei Projekte, die ihnen Monika Hauser, Gründerin der internationalen Frauenrechtsorganisation „medica mondiale“, erläuterte. Bis 2021 sei mit Hilfe von 90 Mitarbeiterinnen vor Ort viel in Afghanistan erreicht worden. Aufklärung über Frauenrechte zum Beispiel, die Einrichtung von Frauenfahrschulen oder Sportclubs.

Nach der Machtübernahme der Taliban seien die Mitarbeiterinnen mit ihren Familien nach Deutschland evakuiert worden. Doch trotz aller Schwierigkeiten werde auch jetzt noch die Arbeit fortgesetzt. Junge Frauen würden online juristisch ausgebildet. Partnerorganisationen böten psychosoziale Hilfestellungen an, entweder online, telefonisch oder in Beratungsstellen vor Ort. Offiziell gehe es bei diesen Treffen um hygienische Beratung für Frauen, so Monika Hauser: „Natürlich finden dort auch ganz andere Aktivitäten statt.“ Diese Aufklärungsarbeit sei für alle Beteiligten sehr gefährlich: „Aber Frauen sind mutig.“

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