Abo

Kölner Car-Sharing-DiensteAutovermieter beklagen ein völlig verrücktes Jahr

3 min
5F9EEA005C5ED5E9

Autos der Anbieter Drive Now und Car-2-go, die sich inzwischen zu Share Now zusammengeschlossen haben.

Köln – Für Carsharing-Anbieter und Autovermieter geht ein Jahr der Achterbahnfahrten zu Ende. „Es war ein total verrücktes Jahr“, sagt Tanya Bullmann vom Carsharing-Anbieter Cambio. Nachdem während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr die Nachfrage im Privatkunden-Bereich komplett zusammengebrochen sei, „haben sie uns danach die Autos aus den Händen gerissen“. Carsharing war als Alternative zum Flugzeug im Sommer gefragter denn je. Die Zahl Buchungen für die Weihnachtsfeiertage seien währenddessen im üblichen Maß hoch gewesen, sagt Tanya Bullmann. Doch der zweite Lockdown könnte die Bilanz erneut trüben. Denkbar seien Absagen von bis zu 25 Prozent – weitaus mehr als die sonst üblichen zehn Prozent. Wer kurzfristig buche, habe deshalb unter Umständen größere Chancen als in Vorjahren.

Lockdown bremst die Nachfrage

Vor zwei Wochen wäre auch der „Bundesverband der Autovermieter Deutschlands“ noch davon ausgegangen, dass zu Weihnachten die Nachfrage das Angebot übersteige. „Aber jetzt haben wir Lockdown, jetzt werden viele neu nachdenken“, so Sprecher Michael Brabec. 2020 sei für die Branche insgesamt „extrem schlecht“ verlaufen. Im Frühjahr sei ein Minus von 85 Prozent verbucht worden. An Flughäfen sei das Geschäft quasi zum Erliegen gekommen. „Die Autovermieter haben teilweise Stationen geschlossen.“ Über das gesamte Jahr liege der Rückgang bei etwa 30 bis 40 Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren:

Gemischt fällt die Bilanz beim Autovermieter Sixt aus: Während das Geschäft bei Dienstreisen und an Flughäfen nach wie vor stark beeinträchtigt sei, sei die Nachfrage in den Stadtbüros und vor allem im Bereich der Langzeitmiete weiterhin hoch. Familien nutzten Mietwagen gerade an den Weihnachtsfeiertagen als Alternative zu Flugzeug oder Bahn: „Seit Beginn der Krise sehen wir deutlich, dass die Menschen einen Mietwagen als sinnvolle und vergleichsweise sichere Mobilitätsalternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln schätzen“, so Sprecherin Stefanie Seidlitz.

Ob die Kunden auf die Bahn verzichteten, sei zwar nicht zu beurteilen, heißt es beim Carsharing-Anbieter „Share Now“. Die Nachfrage nach den Tagestarifen ( ein bis 30 Tage) sei jedoch zum Jahresende um 45 Prozent gestiegen. Auch seien langfristige Vorreservierungen weitaus beliebter als sonst. Bei den minutenbasierten Anmietungen sei im Rheinland hingegen keine ungewöhnlich hohe Nachfrage zu verzeichnen.

Weihnachtsverkehr

Der ADAC rechnet für die Weihnachtsferien und die Feiertage mit deutlich weniger Verkehr und Staus auf den Autobahnen als in den Vorjahren. Wegen des Lockdowns komme es nicht nur zu weniger Weihnachtsreise-Verkehr, auch Berufspendler und Lkw-Fahrer seien weniger unterwegs als in normalen Jahren. Zusätzlich fehlten in diesem Jahr Skiurlauber, Last-Minute-Geschenkejäger und Weihnachtsmarktbesucher auf den Straßen.

Und wie sehen die Perspektiven aus? Cambio hofft, dass die Pandemie dem derzeit brachliegenden Geschäftskunden-Bereich sogar zu neuem Aufschwung verhilft. Angesichts des Homeoffice-Trends „merken wir an den Anfragen, dass viele Firmen jetzt das Thema dienstlicher Fuhrpark auf den Prüfstand stellen“, sagt Sprecherin Tanya Bullmann. Davon könnte die Branche profitieren. Bei den Privatkunden sei nach dem Lockdown wieder ein großer Nachfrage-Boom zu erwarten – es sei denn, das mutierte Corona-Virus aus Großbritannien stelle wieder alles auf den Kopf.