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„Die Diskussion ist lächerlich“Kölner Dom-Hotel soll nur eine provisorische Vorfahrt erhalten

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Die Zufahrt soll links an den Bäumen beginnen und bis nahe des Haupteingangs führen. Er wird anders als früher in der Mitte der langen Fassade sein.

Die Zufahrt soll links an den Bäumen beginnen und bis nahe des Haupteingangs führen. Er wird anders als früher in der Mitte der langen Fassade sein.

Eigentlich war klar, dass das neue Dom-Hotel nur eine Zufahrt über die Tiefgarage erhält. Doch die ist ein Sanierungsfall. Eine Analyse. 

Das Dom-Hotel soll nach der Eröffnung wieder eine Zufahrt über den Roncalliplatz zum Haupteingang erhalten – allerdings nur vorübergehend bis die städtische Tiefgarage darunter saniert ist. Das bestätigte die Stadtverwaltung dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Ein Sprecher sagte: „Derzeit ist nicht geplant, dass die oberirdische Zufahrt zum Dom-Hotel dauerhaft eingerichtet wird.“

Über einen eigenen Bereich in der Tiefgarage soll langfristig die einzige Zufahrt für das Fünf-Sterne-Plus-Hotel erfolgen. So steht es laut Verwaltung auch in der erteilten Baugenehmigung.

Der Blick auf die provisorische Zufahrt.

Der Blick auf die provisorische Zufahrt.

Doch wann die Sanierung der Tiefgarage startet und wie lange sie dauert, steht ebensowenig fest wie ein Eröffnungstermin des neuen Luxus-Hotels, das die Althoff-Gruppe betreibt. Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) als Eigentümer lässt das Hotel sanieren und neu bauen. 

Der frühere Direktor des Dom-Hotels, Jürgen Sziegoleit, hält eine dauerhafte Zufahrt für zwingend notwendig: „Wenn man ein Fünf-Sterne-Hotel führt, gehört eine solche Zufahrt dazu. Nennen Sie mir ein Fünf-Sterne-Hotel auf der Welt, das sowas nicht hat? Die Diskussion ist lächerlich.“ Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema. 

Wie würde eine solche Zufahrt aussehen?

Früher fuhren die Autos quasi bis direkt vor den Dom, weil der Haupteingang auf der Nordseite des Hotels war, nur wenige Meter vom Hauptportal der Kirche entfernt. Doch nach der Sanierung samt Neubau liegt er auf der langen Ostseite in der Mitte. Meint: Die Autos würden von der Straße am Hof auf den Roncalliplatz fahren und müssten dort auch wieder wenden oder zurückstoßen.

Der Sprecher der Stadt sagte: „Die Vorfahrt für das Dom-Hotel soll entlang der östlichen Fassade des Hotels und um das vorhandene Blumenbeet herum realisiert werden. Hierfür ist ein Wendebereich vor dem Eingang an der Ostfassade vorgesehen.“

Die provisorische Zufahrt ist noch eine Baustelle.

Die provisorische Zufahrt ist noch eine Baustelle.

Der einfache Weg von der Straße bis zum Haupteingang ist etwa 30 bis 35 Meter lang. Laut des Sprechers wird „der Zufahrtsbereich zum Dom-Hotel von der Straße Am Hof mit großformatigen Pflanzkübeln eingefasst, um den Zu- und Abfahrtsverkehr des Hotels auf den dafür vorgesehenen Bereich zu lenken“.

Was sagt ein Experte über Zufahrten für Luxus-Hotels?

Der langjährige Hoteltester und diplomierte Hotelier der Schweizerischen Hotelfachschule Luzern Chris Brügger sagt: „Ich habe in all den Jahren als Hotel-Tester in keinem Luxushotel weltweit eine Ankunft über eine Tiefgarage erlebt.“ In der internationalen Luxushotellerie gelte diese Vorfahrt als Standard, sie gehöre zum Gästeerlebnis. Brügger nennt mehrere Gründe. Ein Grund: das Ankunftserlebnis. „Gäste erwarten, direkt vor dem Eingang aussteigen zu können – mit Doorman, Gepäckservice und klarer Orientierung.“

So sah die Baustelle im September aus.

So sah die Baustelle im September aus.

Ein anderer Grund: Internationale Luxushotelmarken definieren fünf Sterne nicht nur über Zimmergröße oder Spa, sondern über Inszenierung und Komfort. Eine fehlende Vorfahrt ist erklärungsbedürftig und kann – je nach Gästesegment – als Qualitätsmangel wahrgenommen werden.“

Brügger nennt aber auch Ausnahmen, zu denen das Dom-Hotel gehören könnte: „Es gibt Ausnahmen, vor allem bei Urban-Luxury-Hotels, historischen Gebäuden oder Häusern an Plätzen ohne Autoverkehr. In solchen Fällen ist entscheidend, dass eine hochwertige Alternative geboten wird: zum Beispiel Concierge-Empfang ab Tiefgarage, klar geführte Wege, Personalpräsenz und ein bewusst inszenierter Empfang.“

Der Roncalliplatz ist eine städtische Fläche. Hat der Rat sich in der Vergangenheit damit beschäftigt?

Ja, unter anderem 2013 hatten SPD und Grüne einen Antrag in den Verkehrsausschuss eingebracht, der auch beschlossen wurde. Darin hieß es: „Umwidmung der gesamten Platzfläche des Roncalliplatzes, sodass diese nur in Ausnahmefällen befahren und beparkt werden darf.“

Wie ging es weiter?

Im städtischen Amtsblatt vom 7. August 2013 ging die Verwaltung sogar noch weiter. Dort heißt es, dass die Stadt „beabsichtigt“, die Benutzung von Flächen rund um den Dom auf Fußgänger zu beschränken. Es handelte sich um eine Teileinziehung der Flächen. Die Stadt schrieb: „Ein Befahren der Platzflächen durch den Anlieferverkehr sowie die Zu- und Abfahrt des Dom-Hotels sind künftig nicht mehr möglich.“ Das Vorgehen erfolge aus „überwiegenden Gründen des öffentlichen Wohles“. 

Doch zunächst handelte es sich nur um die Ankündigung der Stadt, danach konnten Anlieger ihre Bedenken anmelden – und das taten auch einige, wie etwa das Amt für Straßen und Verkehrstechnik. Es schrieb: „Geplante zukünftige Radverkehrsführung darf nicht verhindert werden.“ Überraschend: In der Spalte für das Dom-Hotel heißt es: „keine Einwendungen“ gegen die Pläne der Stadt. 

Sind nun nur noch Fußgänger erlaubt?

Nein. Laut des Sprechers „besteht aktuell eine straßenverkehrsrechtliche Widmung mit der Beschränkung auf den Fußverkehr, Anlieferverkehr an Werktagen, sowie für die westliche Teilfläche vor dem Dom-Hotel zusätzlich für die Zu- und Abfahrt des Dom-Hotels“. 

Das liegt daran, dass das im Amtsblatt gestartete Verfahren nie tatsächlich abgeschlossen und damit rechtswirksam wurde. Die Verwaltung wollte erst alle Einwände der Anlieger klären und den Fortschritt der Bauprojekte am Roncalliplatz abwarten, unter anderem der Sanierung des Römisch-Germanischen Museums (RGM). In deren Planung „werden die Anforderungen an die fehlende Befahrbarkeit des Platzes einbezogen“, schrieb die Stadt 2014.

Erst nach der Prüfung könnten laut Stadt alle Interessen abgewogen werden. Und die Stadt kündigte auch an, dass die zuständigen Ausschüsse des Rates darüber entscheiden sollten. Nur: Das ist bis heute nicht passiert – zwölf Jahre später. Die Stadt verweist in diesem Zusammenhang nur auf die Abläufe von 2014. 

Und dann war es bis heute kein Thema mehr?

Doch. Unter anderem 2018 schrieb der „Kölner Stadt-Anzeiger“ darüber unter der Überschrift: „Hotel will Vorfahrt für Limousinen“. Doch damals sagte die frühere Leiterin des Stadtplanungsamtes, Annel Luise Müller: „Wir haben der Bayerischen Versorgungskammer gesagt, dass sie für eine solche Zufahrt auf dem Roncalliplatz zunächst einen Beschluss des Stadtrats benötigt und anschließend einen Vertrag mit der Verwaltung.“

Laut Müllers Aussage müsste der Investor ein stimmiges Konzept ausarbeiten, dem unter anderem auch die Polizei zustimmen müsse. Erst danach könne eine Vorlage für den Rat entstehen. Auch dafür gilt: Diese Vorlage liegt bis heute nicht vor, der Rat hat nicht darüber entschieden, trotzdem soll die Zufahrt nun ermöglicht werden. Die Frage nach der Ursache für die fehlende Vorlage ließ die Stadt unbeantwortet. 

Die Stadt hat also zweimal in der Vergangenheit betont, dass der Rat eine dauerhafte Zufahrt genehmigen müsste. Das dürfte relevant werden, falls es in der Zukunft doch eine Diskussion darüber gibt, ob die provisorische Lösung der oberirdischen Zufahrt nicht doch eine Dauer-Lösung werden soll.

Visualisierungen des Dom-Hotel in Köln

Visualisierungen des Dom-Hotel in Köln

In der Vergangenheit beschädigte der Lieferverkehr doch die Platten auf dem Roncalliplatz?

Ja. Das war schon vor mehr als zehn Jahren ein Thema, beispielsweise bei der Anlieferung für Römisch-Germanisches Museum oder Museum Ludwig. Rund 300.000 Euro jährlich kostete der Austausch die Stadt damals. 

Und wer zahlt für mögliche Schäden durch die Zufahrt zum Dom-Hotel?

Laut Stadt beginnt die Gewichtsbeschränkung bei zehn Tonnen. Das dürfte für das Dom-Hotel vermutlich also keine Rolle spielen. Wer die Beschränkung missachtet und Schäden anrichtet, zahlt als Verursacher, teilte die Verwaltung mit.

Wie steht es um die Qualität der Tiefgarage?

Schlecht. Sie gehört der Stadt und die Tiefgarage von 1971 ist ein Sanierungsfall. Im Herbst mussten sogar Teile der darüber liegenden Domplatte für einige Wochen gesperrt werden. Laut einer Sprecherin sind noch nicht alle Analysen darüber abgeschlossen, wie schlimm die Schäden sind. Wenn das feststeht, soll der Stadtrat Geld für die Sanierung freigeben. Die Sprecherin sagte: „Der Zeitpunkt des Beginns der Arbeiten wird Gegenstand der weiteren Ausführungsplanung sein.“

Das hört sich an, als würde es dauern. Sind Zufahrt und Stellplätze in der Tiefgarage überhaupt fertig, wenn das Hotel eröffnet?

Ja. Sagt zumindest die Stadt. Eine Sprecherin teilte mit: Es ist vorgesehen, dass mit der Eröffnung des Dom-Hotels die zugesagten Stellplätze in der Tiefgarage zur Verfügung stehen. Die Fertigstellungstermine werden mit dem Dom-Hotel abgestimmt.“

Und was ist mit der Sicherheit?

Da die Stadt die Domplatte seit Ende 2017 mit Pollern umgebaut hat, um Terroranschläge mit Lastwagen zu verhindern, spielt das Thema Sicherheit auch bei der Zufahrt zum Dom-Hotel eine tragende Rolle. Denn theoretisch könnten Attentäter per Wagen direkt auf den Roncalliplatz gelangen, wenn sie ein Zimmer im Dom-Hotel mieten.

Laut des Sprechers der Stadt prüft die Stadt den Einbau und Betrieb von Sicherheitspollern. Er teilte mit: „Die Polleranlage muss den Anforderungen aller berechtigten Nutzergruppen für eine Zufahrt auf die Platzfläche berücksichtigen und zugleich einen hinreichenden Schutz gegen unbefugtes Befahren und mögliche Überfahrtaten gewährleisten. Die hierfür notwendige Schutzklasse der Poller und die genauen baulichen Anforderungen werden im Rahmen der Projektplanung ermittelt.“