Ein Prozess um einen Raubüberfall auf einen Deutzer Kiosk hat eine überraschende Wende genommen – nachdem er fast eingestellt wurde.
Kiosk ausgeraubtMann legt überraschendes Geständnis nach Überfall in Köln-Deutz ab

Der Fall wird vor dem Kölner Landgericht verhandelt. (Symbolfoto)
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In einem Prozess vor dem Landgericht, in dem es um einen Raubüberfall auf einen Kiosk in Deutz geht, hat der Angeklagte am Mittwoch überraschend ein Geständnis abgelegt. Am Vortag, beim Auftakt der Verhandlung, hatte es noch so ausgesehen, als würde das Verfahren eventuell eingestellt.
Der 25-Jährige ist in anderer Sache bereits zu sechs Jahren Haft verurteilt worden und seit Dezember 2022 in einer Entziehungsanstalt untergebracht, in der er gute Fortschritte macht. Auch deshalb neigte die Strafkammer zu einer Einstellung des Verfahrens. Doch wegen der Schwere des Vorwurfs entschied die Staatsanwaltschaft, die Schuldfrage müsse geklärt werden.
Am Mittwoch wurde zunächst ein Verwaltungsbeamter gehört, der den Angeklagten etwa zur Tatzeit durch ein Fenster des Bürgerzentrums Deutz gesehen haben will. Anschließend äußerte sich der 25-Jährige, der zum Anklagevorwurf schwieg, zu seiner Person. Dabei beteuerte er, er habe „keinen Bock mehr“ auf ein Leben, das von Drogenkonsum, Beschaffungsdelikten und Gefängnisaufenthalten bestimmt ist.
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Prozess um Raubüberfall in Köln-Deutz: Staatsanwältin ermutigt Angeklagten, zu gestehen
Er habe seine „Denkweise geändert“ und zum ersten Mal das Gefühl, einen „Faden“ in seinem Leben gefunden zu haben. Die Staatsanwältin zeigte sich beeindruckt davon, „wie reflektiert Sie über Ihre Situation gesprochen haben“, und ermunterte ihn dazu, in sich zu gehen, ob er nicht doch ein Geständnis ablegen wolle.
Nach einer Pause, in der er sich mit seiner Verteidigerin besprach, begann der 25-Jährige zu reden und bestätigte im Wesentlichen den Anklagevorwurf. Allerdings mochte er die Identität des Mittäters nicht preisgeben. „Sie verpfeifen keinen“, konstatierte der Vorsitzende Richter. „Ja“, erwiderte der Angeklagte.
Am 17. Juni 2020 hätten er und der Komplize zusammen Kokain konsumiert und sich gesagt: „Wir brauchen Geld.“ Ziellos seien sie mit dem Auto losgefahren und in Deutz gelandet. In der Tempelstraße hätten sie gesehen, dass der Inhaber eines Kiosks davor stand und kein Kunde drinnen war, und daraufhin den Wagen in der Nähe abgestellt. Jeder mit einem Mund-Nasen-Schutz maskiert, hätten sie den Kiosk betreten.
Tatverdächtiger war mit Axt und Pfefferspray bewaffnet
Der „Kollege“ – gemeint war der Komplize – habe eine Axt und Pfefferspray dabei gehabt. Der Inhaber habe begonnen zu schreien und Ware nach ihnen zu werfen. Deshalb habe der Mittäter ihn mit Pfefferspray besprüht. Nach seinen Angaben riss der Angeklagte die Corona-Schutzscheibe vom Tresen und brachte die Ladenkasse, zu der ein Monitor gehörte, an sich.
Mit einem Geständnis haben wir nicht gerechnet
Auf getrennten Wegen seien sie zum Fluchtwagen gelaufen, sagte er. Es ist dieser Teil des Geschehens, in dem der am Mittwoch gehörte Zeuge ins Spiel kam. Er erzählte, der vorbeikommende Mann, den er durchs Fenster gesehen habe, sei ihm aufgefallen, weil der einen „Bildschirm“ getragen habe. Als dem Zeugen fast zwei Jahre später bei der Polizei ausgewählte Lichtbilder vorgelegt wurden, meinte er, diesen Mann wiederzuerkennen. Die Täter erbeuteten rund 400 Euro.
Der Angeklagte flog auf, weil seine Ex-Freundin ihn verriet. Er nehme an, sie habe sich damit für einen Seitensprung rächen wollen, sagte er vor Gericht. „Ein anderer Grund fällt mir nicht ein.“ Zu seinem Drogenkonsum sagte er, mit 13, 14 Jahren habe er angefangen, Cannabis zu rauchen. Später sei Kokain sein bevorzugtes Suchtmittel geworden.
Angeklagter schließt Ausbildung ab und holt Schulabschloss nach
In Haft habe er eine Ausbildung zum Maurer abgeschlossen; doch in der Entziehungsanstalt sei sein Interesse für das Bäcker- und Konditorhandwerk geweckt worden. Zurzeit ist er dabei, einen besseren Schulabschluss nachzuholen. „Mit einem Geständnis haben wir nicht gerechnet“, sagte der Vorsitzende, bevor er die Verhandlung unterbrach. „Super, dass Sie das gemacht haben.“ Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

