Kölner Stadt-Anzeiger · Community

Kommentare · 0

Abo

Exklusive EinblickeErste Fotos aus Kölns geheimem Tunnel am Neumarkt

Über den vergessenen Fußgängertunnel am Neumarkt gehen oder fahren täglich Tausende. Nun gibt es erste Fotos von innen.

Die bunten Kacheln an den Wänden sind gut erhalten.

Die bunten Kacheln an den Wänden sind gut erhalten.

Vor etwa einem Jahr berichtete EXPRESS.de in der Reihe „Kölner Geheimnisse“ zum ersten Mal über die frühere Unterführung am Neumarkt. Sie liegt auf der Südseite des Platzes, auf Höhe des heutigen Rewe. Bilder aus dem Inneren waren damals allerdings nicht erlaubt.

Inzwischen sind Fotos entstanden: Möglich wurden sie bei einer regelmäßigen Begehung durch Mitarbeiter der Stadt Köln. Die Stadt ist für die Instandhaltung und die Sicherheit des Bauwerks verantwortlich.

Neumarkt: Fußgängertunnel ging 1962 in Betrieb

Die Unterführung für Fußgänger wurde 1963 gebaut, ein Jahr nachdem der 1. FC Köln seine erste Meisterschaft gewonnen hatte. Bis heute sind die farbigen Ornamente aus Kacheln in gutem Zustand.

Reste der Treppe des Fußgängertunnels sind erhalten geblieben.

Reste der Treppe des Fußgängertunnels sind erhalten geblieben.

Uwe Grimsehl vom Amt für Brücken-, Tunnel- und Stadtbahnbau bewertete das Bauwerk auch insgesamt positiv. Ziel der Begehung ist es, mögliche Schäden wie undichte Stellen oder Baufälligkeit festzustellen. „Der Zustand der Unterführung ist erstaunlich gut“, sagte Grimsehl. Die Stadt nutzt intern eine Skala von 1 bis 4, ab der Note 3 muss gehandelt werden. Der verlassene Neumarkttunnel kommt nach diesen Angaben auf eine 2,5.

Die bunten Kacheln an den Wänden sind gut erhalten.

Die bunten Kacheln an den Wänden sind gut erhalten.

Über mehrere Jahrzehnte gelangten Passanten durch den 35 Meter langen Tunnel unter der stark befahrenen Cäcilienstraße hindurch. Wo am südlichen Ende früher eine Treppe nach oben führte, steht heute eine Mauer, in die eine Stahltür eingelassen ist. Der frühere Aufgang endete damals in einer Passage bei Licht „Remagen“. Auf der Nordseite ist dagegen noch ein Teil der Treppe vorhanden.

Ebenfalls 1963 wurde nach dem Leitbild der „autogerechten Stadt“ eine weitere Fußgängerunterführung eröffnet, an die sich heute kaum jemand erinnert. Anders als am Neumarkt ist von ihr nichts übrig geblieben: Der Tunnel unter dem Hohenzollernring zwischen Ehrenstraße und Maastrichter Straße wurde Ende der 1980er Jahre beim Bau der U-Bahn beseitigt.

Ungefähr zur selben Zeit wurde auch die Unterführung am Neumarkt stillgelegt. Als ein Grund dafür galten die wachsende Verwahrlosung und das fehlende Sicherheitsgefühl der Menschen im Tunnel. (red)