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Gymnasium Kreuzgasse in KölnEin Alarmfall mit Pannen

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Innenstadt – Am Tag nach dem Amok-Alarm im Gymnasium Kreuzgasse gibt es mehr offene Fragen als Antworten. War tatsächlich ein bewaffneter Attentäter im Gebäude? Wer ist der unbekannte Mann, den sowohl mehrere Schüler als auch Zeugen im direkten Umfeld der Schule am Mittag gesehen haben wollen? Und: Hat die Schulleitung auf die vermeintliche Bedrohung richtig reagiert?

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hält die Polizei es für möglich, dass die Sechstklässler gegen zwölf Uhr tatsächlich einen Mann im dritten Obergeschoss gesehen haben, der dort nichts zu suchen hatte. Kurz vorher soll einem Zeugen zwei Kilometer entfernt in der Universität ebenfalls ein Mann aufgefallen sein, der einen „geistig verwirrten Eindruck“ machte. Der Zeuge informierte die Polizei. Ob es sich an der Uni und in der Schule um dieselbe Person handelte und ob sie tatsächlich eine Pistole trug, wie die Schüler gesehen haben wollen, ist noch unklar. Bis auf weiteres wird das Gymnasium jetzt von einem Sicherheitsdienst bewacht.

Unklar ist indes, ob die Schulleitung alle Vorschriften eingehalten hat, die es bei einer Amoklage zubefolgen gilt. Die meisten Schüler waren aus dem Gebäude geflohen und hatten sich auf der Wiese gegenüber gesammelt. Was bei einem Feueralarm genau richtig gewesen wäre, hätte sie einem potenziellen Attentäter allerdings womöglich geradezu in die Arme getrieben. Daher sieht der Amok-Notfallplan für Schulen vor, dass sich die Schüler mit ihren Lehrern bei einem entsprechenden Alarmsignal sofort im Klassenraum verbarrikadieren, abschließen und von den Fenstern wegbleiben, bis die Polizei Entwarnung gibt.

Offenbar wurde in der Kreuzgasse am Montag aber gar kein akustisches Alarmsignal ausgelöst. Viele Lehrer und Schüler berichten jedenfalls, sie hätten keines gehört. Schuldezernentin Agnes Klein zufolge habe die Schulleitung einen „stillen Alarm“ ausgelöst. Das heißt: Die Lehrer wurden per SMS informiert. Dies sei nach Rücksprache mit der Polizei geschehen, habe die Schulleitung ihr berichtet, sagte Klein.

Aber stimmt das auch? Die Polizei bestreitet eine solche Absprache. Ein Sprecher sagte: „Die Schule wurde bereits beim Notruf darauf hingewiesen, ihre Maßnahmen entsprechend der vorliegenden Notfallpläne für die Schulen zu treffen.“ Und die sehen einen stillen Alarm laut Dezernentin Klein gar nicht vor. Es werde nur empfohlen, dass Lehrer ihre Handys dabei haben sollen – und sei es in ausgeschaltetem Zustand, damit sie sie bei Bedarf aktivieren können. „Das ist sicher ein Punkt, den wir in den folgenden Gesprächen nacharbeiten werden“, so Klein. Die Schulleitung wollte auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ keine Stellung nehmen.

Fakt ist, dass die SMS am Montag längst nicht jeden Lehrer erreichte. Eine Pädagogin schilderte, sie habe am Ende der fünften Unterrichtsstunde durchs Fenster vor der Schule plötzlich Streifenwagen und bewaffnete Polizisten gesehen. „Ich dachte, da wird ein Film gedreht.“ Minuten später sei ein Beamter in der Klasse erschienen, habe von „Amok-Alarm“ gesprochen und sie angewiesen, mit den Schülern im Raum zu bleiben und abzuschließen.

In einer Klasse lief der Unterricht sogar noch 20 Minuten weiter, nachdem der Alarm ausgelöst worden war – die Lehrerin hatte ihr Handy ausgeschaltet. Erst als einige Schüler, die ihre Mobiltelefone nur stumm geschaltet hatten, Nachrichten und Fotos vom SEK-Einsatz von ihren außerhalb des Gebäudes wartenden Mitschülern empfingen, kam Bewegung in die Situation. Die Jugendlichen informierten ihre Lehrerin und rannten ans Fenster, um zu sehen, was los ist. Von den Polizisten, die die Schule umstellt hatten, wurden sie dann gewarnt, sich vom Fenster zu entfernen und den Klassenraum abzuschließen. Später klopfte es an der Tür. Mit den Worten: „Polizei, aufmachen“ wurde die Lehrerin aufgefordert, die Tür zu öffnen. Sie habe die Situation sehr gut und ruhig geleitet, sagte eine Mutter. Die Annahme, dass ein stiller Alarm in einer solchen Notsituation funktioniert, hält sie allerdings für unrealistisch.

Ein weiterer Punkt für die Nachbereitung dürfte sich daraus ergeben, dass viele Schüler bereits in der Fünf-Minuten-Pause waren, als die ersten Polizisten die Schule stürmten. Statt in die Klassenräume zu laufen und sich einzuschließen, rannten die Schüler ins Freie. Was in solchen Fällen zu tun ist, bleibt unklar: „Es gibt keinen speziellen Amok-Notfallplan für die Pausen“, bestätigt Klein.

Ungewiss ist auch, ob die Kreuzgasse über alle baulichen Voraussetzungen für die Umsetzung des Notfallplans verfügt. Ein Schüler berichtete etwa, die Türen zu den Klassenräumen hätten auf der Flurseite Klinken. Die sollte es eigentlich nicht geben, damit kein Unbefugter die Türen öffnen kann. Dezernentin Klein sagt, alle Schulen seien technisch entsprechend ausgestattet. Sie könne aber nicht ausschließen, dass es den ein oder anderen Container-Anbau gebe, auf den das nicht zuträfe.