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Bezahlbare Mieten Bürger fordern das Eingreifen der Stadt im Severinsviertel

Milieuschutz Severin2

Die Aktivisten in Sachen Milieuschutz: Dietmar Aigner, Kerstin Roskothen, Wiebke Nimmer und David Hartung (von links).

  • Luxussanierungen, damit verbundene Mietsteigerungen und Verdrängungen: Die Initiative für den Erhalt des Severinsviertels wehrt sich dagegen.
  • Sie fordert, dass die Stadt sich mehr für den Schutz der Mieterinnen und Mieter einsetzt.
  • Und schlägt einen Beirat unter Einbeziehung von Mietern und Eigentümern, sowie ein Veedel-Büro als Anlaufstelle vor..

Südstadt – Beispiele für luxuriöse Sanierungen gibt es viele in der Südstadt. „Schauen Sie sich mal an, was Am Katharinenhof passiert ist. Außenaufzüge und neue Balkone, die an die Fassaden montiert wurden“, sagt Dietmar Aigner von der Initiative für den Erhalt des Severinsviertels.

Aigner hatte mit Kerstin Roskothen, Wiebke Nimmer und David Hartung zu einem Gespräch über den aktuellen Stand in Sachen Milieuschutzsatzung eingeladen. Und sie machten sofort unmissverständlich klar: „Wir sind unzufrieden“, so Aigner. Vor allem mit der Informationspolitik der Stadtverwaltung. Die habe sich bisher nicht an die Bürger gewandt.

Gegen Luxussanierungen

„Es war für den 7. März eine Informationsveranstaltung geplant. Die wurde wegen Corona abgesagt. Dafür kann die Stadt nichts. Aber danach hätte sie die Bürger anschreiben müssen. Wenn die nicht informiert sind, können sie sich auch nicht gegen Luxussanierungen wehren“, kritisiert Aigner.
Der Rat hat die Milieuschutzsatzung im Dezember 2019 beschlossen. Sie soll unter anderem die Mieter des Severinsviertels vor Luxussanierungen, den damit verbundenen Mietsteigerungen und vor der Verdrängung durch finanzstärkere Konkurrenten auf dem Wohnungsmarkt schützen.

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Gut und schlecht-sanierte Häuser in der Severinstraße 

Sanierungsvorhaben müssen von der Verwaltung vorab im Einzelfall genehmigt werden. Aigner nennt den Dreiklang der Wertsteigerung von Wohnraum: „Fußbodenheizung, Marmorbad und Gegensprechanlage mit Video-Funktion.“ Und er rechnet vor: „Wenn Sie in ein Haus mit vier Parteien 200 000 Euro investieren und Sie acht Prozent dieser Kosten pro Jahr auf die Mieter umlegen dürfen, bedeutet das eine monatliche Mietsteigerung für jeden Mieter in Höhe von 350 Euro.“ Und 200 000 Euro seien im Baugewerbe wahrlich keine besonders hohe Summe.

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Vorbild Berlin

Kerstin Roskothen hat sich damit beschäftigt, wie andere Großstädte ihre Mieter schützen. Als leuchtendes Beispiel hat sie Berlin ausgemacht. Seit 2015 wurden dort 12 Milieuschutzsatzungen beschlossen. Für jeden der betroffenen Kieze wurde ein Flyer an alle Haushalte verteilt. Mitarbeiter der Stadtverwaltung beraten in Kiez-Büros Mieter und Vermieter „fair und transparent“, hat Roskothen ermittelt.

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Katharinenhof - ein Beispiel für schön sanierte Bauten in der Südstadt

Ein Veedel-Büro für die Südstadt wünscht sich David Hartung: „Wir brauchen eine Anlaufstelle der Verwaltung für die Mieterinnen und Mieter.“ Kerstin Roskothen ergänzt: „Und wir fordern die Bildung eines Beirates unter Einbeziehung von Mietern als auch Eigentümern. Dieser Beirat soll den Prozess der Umsetzung der Milieuschutzsatzung begleiten und transparent machen.“ Besonders die Anlaufstelle könnte eine wichtige Rolle spielen.

Gegen illegales Aufhübschen

„Die Stadt bekommt ja nichts davon mit, wenn eine Wohnung drei Monate leer steht und da der Marmor für das Bad und die Teile der Fußbodenheizung hereingetragen werden. Aber die Nachbarn sehen das ja und können das in der Anlaufstelle melden“, sieht Aigner Möglichkeiten, „illegales Aufhübschen“ zu unterbinden. „Nicht alle Vermieter sind böse“, schränkt Hartung die Kritik ein. Es gebe ja auch solche, die behutsam Erneuerungen vornehmen. Und auch der Verwaltung will er keine Vorhaltungen machen: „Die sind personell in diesem Bereich ganz schlecht aufgestellt.“

Aber: Die Initiative für den Erhalt des Severinsviertels wünscht sich natürlich schon Antworten auf die Frage, nach welchen Kriterien die Verwaltung Sanierungen gestattet. „Die Kriterien sind bislang völlig unklar“, sagt Hartung und sieht die Politik in der Pflicht, klare Vorgaben zu machen.

Kandidaten-Check

Wie die aussehen könnten, steht im Mittelpunkt eines Kandidaten-Checks der Initiative am Dienstag, 1. September, ab 17.30 Uhr in der Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4. Alle im Rat vertretenen Parteien bis auf die AfD werden Vertreter schicken, die den Bürgern Rede und Antwort stehen.