Jenseits von Karnevalswahnsinn und sommerlichem Grill-Exzessen ist der Aachener Weiher vor allem eins: idyllisch und eine Erholung für das Auge.
Warum ich Köln liebeDer Aachener Weiher hat endlich wieder seine Ruhe

Ein für Köln ungewöhnlich geordneter Ausblick: der Aachener Weiher im Frühling
Copyright: Dirk Borm
Der Karneval ist vorbei. Die Absperr-Gitter des Grauens sind verschwunden. Der Aachener Weiher liegt wieder still da. Nur die kehligen Laute der Gänse sind zu hören. Die Wasserfläche ist das schönste Viereck Kölns. In der von Bombenhagel-Zerstörung und wildem Aufbau geprägten Stadt öffnet sich hier eine überraschende, geradezu meditativ-geordnete Fläche.
Hier gehen Menschen spazieren – eine Beschäftigung, die es in dieser Form wohl nur in Städten gibt. Schlendernd, entspannt. Die Leute sind im Gespräch, oft hört man Englisch und Spanisch. Gesprächsfetzen wehen durch die Luft: „Im Meeting wäre ich fast ausgerastet“, „Da fliegt man über Zagreb, das macht keinen Sinn“, „Das muss ich in meinem Kopf erstmal ordnen“ und „Wir rufen jetzt die Omi an, dass wir gleich kommen“.
Brücke am Aachener Weiher wurde zum Symbol für Kölner Klüngel
Viele Spaziergänger tragen Kaffeebecher in den Händen. Ob der Inhalt noch warm ist? Wohl schon, die belebte Aachener Straße und der Kaffeewagen an der Inneren Kanalstraße sind ja nicht weit – aber das vergisst man hier schnell.
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Auf der Brücke vor dem Ostasiatischen Museum kommt die Erinnerung an eine Betrugsgeschichte auf: Korruption und Bestechung hatten vor mehr als 25 Jahren dazu geführt, dass immer wieder minderwertiges Holz für Flickarbeiten an dem 30 Meter langen Bauwerk benutzt wurde – und die Brücke so zum Symbol des Kölner Klüngels wurde. Dabei sieht sie so harmlos aus.

Das Museum für Ostasiatische Kunst am Aachener Weiher. Leider ist die Gastronomie schon lange geschlossen.
Copyright: Susanne Esch
Von der Brücke fällt der Blick auf die Terrasse des Museums, auf der es schon seit langem keine Gastronomie mehr gibt. Wie schade. Dabei ist der Ausblick einer der schönsten der Stadt. Der Kölner Schriftsteller Dieter Wellershoff erklärte diese Museum zu seinem liebsten. Und schrieb, dass man den Bau vor allem im Sommer, wenn er von dicht belaubten Bäumen umgeben ist, aus der Ferne fast für einen privaten Bungalow halten könnte. Hier wurde 2023 eingebrochen – fast wie in ein Privathaus, die Diebe stiegen einfach durchs Fenster ein. Wertvolles Porzellan verschwand auf Nimmerwiedersehen.
An der Stirnseite des Weihers trifft sich oft eine Lachyoga-Gruppe. Es sieht ein bisschen, na ja, zum Mitlachen aus, was die Menschen da treiben. Sich einfach so hinstellen und lachen. Soll aber sehr gut fürs Gemüt sein.
Auch für Jogger ist der Weiher – einmal rundherum direkt am Wasser sind es 400 Meter – eine wichtige Strecke. Zumal es hier eine der wenigen „Bergwertungen“ in dem ansonsten flachen Köln gibt. Der Weiher selbst wurde schon in den 1920er-Jahren angelegt. Doch wie der „Mont Klamott“ genannte Herkulesberg am Mediapark sind auch die Hügelchen am Weiher erst durch das Aufschütten von Kriegstrümmern des Zweiten Weltkriegs, vor allem aus Backsteinen, modelliert worden. Der Schutt liegt nur etwa zehn bis 30 Zentimeter unter der begrünten Erdschicht. So nahe sind sich hier Zerstörung und Idylle. Wie passend für Köln.

