Auf dem geplanten Interimsstandort für die Feuerwache Innenstadt sollen Bäume gefällt werden. In der Bezirksverwaltung regt sich Widerstand.
Interim für FeuerwacheKritik an geplanten Baumfällungen in der Kölner Innenstadt

Auf der Fläche an der Löwengasse müssen mehrere Bäume gefällt werden.
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Um zwischen der Löwengasse und der Severinsbrücke ein Interim für die Feuer- und Rettungswache 1 zu schaffen, müssen mindestens sieben große Bäume gefällt werden. Schon diese Woche soll es losgehen. Dies hat in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt für eine lange Diskussion gesorgt. Anlass war ein Antrag von Grünen, Linken und Volt. Darin wird Verwaltung beauftragt „kurzfristig und umfassend“ zu prüfen, inwieweit die Grünanlagen und der Baumbestand entlang der Auf- und Abfahrten der Severinsbrücke schutzwürdig sind – etwa als Erholungsraum, für den Klimaschutz und auch im Hinblick auf den Denkmalschutz.
Die Brücke bilde mit ihren Auf- und Abfahrten, den begleitenden Grünanlagen und den Bäumen ein „städtebaulich und gestalterisch zusammenhängendes Ensemble“, heißt es in dem Antrag, ein Ensemble, das erhalten werden solle. Der Vorstoß rief die Feuerwehr auf den Plan. Sowohl Dennis Richmann, Vizechef der Kölner Feuerwehr, als auch Bernd Klaedtke, Leiter des Sachgebiets Gebäude, erschienen zur Sitzung und legten ausführlich dar, warum aus ihrer Sicht an der Fällung der Bäume kein Weg vorbeiführt.
Auf dem Interimsgelände werden Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet
Schon vor einigen Jahren hat der Stadtrat beschlossen, dass die in die Jahre gekommene Feuer- und Rettungswache 1 an der Agrippastraße einem Neubau Platz machen soll. Die Technik sei marode und der Komplex zu klein geworden für Personal und Fuhrpark, sagte Richmann. Dabei sei der zentral gelegene Standort, der zurzeit „maximal ausgelastet“ sei, ideal, um im Umkreis schnell Hilfe leisten zu können. Um den Neubau zu verwirklichen, braucht es das Interim.
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Hier kommt die Geschichte ins Spiel: Auf dem nach intensiver Suche ausgewählten Grundstück südlich der Löwengasse werden an manchen Stellen im Boden Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet. Für die Kampfmittelsondierung, die zwischen Weihnachten und Karneval stattfinden soll, müssen sieben Bäume weichen. Klaedtke wiederholte mehrmals, die „Kampfmittelfreiheit“ sei notwendige Bedingung dafür, die Ausschreibung für das Bauprojekt zu starten, mit der ein General- oder Totalunternehmer gefunden werden soll.
Bezirksvertreter zeigen sich skeptisch gegenüber den Fällungen
Dieser entscheide, ob er das Interim, dessen Kosten mit 28 Millionen Euro veranschlagt sind, so umsetze, wie es sich im bisherigen Plan darstellt, oder davon abweiche. Wahrscheinlich müssten weitere Bäume gefällt werden. Dies sei vom Ratsbeschluss gedeckt; die Anzahl stehe nicht fest. Eine Verzögerung auf dem Weg zum Interim könne man sich nicht leisten, sonst bringe man das Hauptprojekt, also den Neubau der Wache an altem Ort, in Gefahr, betonte Klaedtke.
Trotz oder gerade wegen der hervorgehobenen Dringlichkeit zeigten sich Bezirksvertreter, aus deren Reihen der Antrag kam, skeptisch. „Es wirkt so, als würde Fakten geschaffen“, sagte Reinhold Goss, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, zu den anstehenden Fällungen. Um zu beurteilen, ob sie tatsächlich notwendig sind, fehle es an belastbaren Informationen. Ähnlich äußerte sich Michael Scheffer von der Linken-Fraktion und bemerkte: „Wir sind gebrannte Kinder.“
Nadine Gareis von Volt war nicht die Einzige, die etwas „Schriftliches“ forderte als Beleg dafür, dass „alle Möglichkeiten ausgeschöpft“ worden seien. Vertreter anderer Parteien äußerten deutlich Zustimmung zu dem Projekt. Gleichviel, auf das Votum der BV kam es gar nicht an. Es sei ein „Entgegenkommen“ der Verwaltung, anlässlich des Antrags derart ausführlich Stellung zu nehmen, sagte Ulrich Höver, Leiter des Bezirksamts Innenstadt. „Wir hätten die Bäume auch so wegnehmen können“, sagte Klaedtke, „aber wir wollen im Dialog sein.“ Schließlich wurde der Antrag zurückgezogen.

