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Am Holocaust-GedenktagStolpersteine in Kölner Innenstadt mit weißer Flüssigkeit übergossen

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Drei Stolpersteine auf dem Mauritiussteinweg, die mit weißen Flüssigkeit übergossen wurden.

Drei der Stolpersteine auf dem Mauritiussteinweg, die mit weißer Flüssigkeit übergossen wurden.

Mehrere Stolpersteine auf dem Mauritiussteinweg wurden Ziel der Sachbeschädigung. Eine Zeugin meldete den Vorfall.

Auf dem Mauritiussteinweg in der Innenstadt wurden am Dienstag (27. Januar), dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, acht Stolpersteine mit einer milchig-weißen Flüssigkeit überschüttet. Bei der Entdeckung am Dienstagmorgen war die Farbe laut Zeugenaussage noch flüssig.

Eine Zeugin meldete den Vorfall dem Ordnungsamt, das ihn widerum an Polizei und die Fachstelle für Antisemtismus weiterleitete. Die Polizei war am Dienstagmorgen gegen 10 Uhr bei einem Einsatz vor Ort. Eine Polizeisprecherin bestätigte auf Nachfrage, dass eine Strafanzeige gestellt wurde.

Stolpersteine erinnern an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Aufgrund ihrer wenig geschützten Lage sind sie ein häufiges Ziel von antisemitisch motivierten Angriffen. Nach Auskunft der Fachstelle gegen Antisemitismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln vergeht kein Jahr ohne Meldungen über Verschmutzung der Steine im Stadtgebiet. In den letzten zwei Jahren stieg die Anzahl der gezielten Sachbeschädigungen, zu denen auch das Beschmieren von Stolpersteinen zählt, in Köln an.

Zahl der antisemitischen Vorfälle in Köln steigt

2023 vermeldete die Fachstelle gegen Antisemitismus in ihrem Jahresbericht sieben Sachbeschädigungen, 2024 zehn. 2022 und 2021 lagen die Zahlen bei acht und fünf. Die Zahl aller antisemitischen Vorfälle stieg von 2023 auf 2024 um 30 Prozent von 176 auf 229. 2021 wurden 55 Vorfälle gemeldet. Für 2025 wurden noch keine Zahlen veröffentlicht, die Fachstelle rechnet allerdings erneut mit einem Anstieg.

Laut Daniel Vymyslicky, Mitarbeiter der Fachstelle, gehen die Täter zudem deutlich offensiver vor. Im April 2025 waren beispielsweise 23 und damit nahezu alle Stolpersteine in der Ehrenstraße komplett mit schwarzer Lackfarbe besprüht worden, einige Tage später kam es zu Vandalismus an sechs Steinen auf der Aachener Straße mit der gleichen Farbe. 2024 wurden zwei Stolpersteine auf der Mittelstraße in der Innenstadt mit Eiern beworfen. Häufig werden Stolpersteine auch mit Abkürzungen von bekannten antisemitischen oder antiisraelischen Gruppierungen oder antisemitischen Parolen beschmiert. (jpr)