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„Völlig geschockt“Kölner Hauptschule in der Innenstadt muss Gymnasium weichen

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Das Gebäude der Katholischen Hauptschule am Rhein in der Niederichstraße.

Das Gebäude der Katholischen Hauptschule am Rhein in der Niederichstraße. 

Für drei Jahre will die Stadt Köln eine Hauptschule und ein Gymnasium in einem Gebäude unterbringen. Das hat auch mit einem Investor zu tun.

Die Stadt Köln hat am Freitag angekündigt, ihre Katholische Hauptschule am Rhein auslaufen zu lassen, wenn die letzten Kinder ihren Abschluss gemacht haben. Ab sofort wird an der Schule an der Niederichstraße nahe der Bastei keine Eingangsklasse mehr aufgenommen – zum Unverständnis von Schulleiterin Marika Prandl-May. Sie erfuhr am Mittwoch von den Plänen der Stadt und sagte: „Wir sind alle völlig geschockt und traurig. Das kommt für uns aus heiterem Himmel.“

Dass die Hauptschule schließen soll, hängt mit den geänderten Plänen der Stadt für das neue Gymnasium Neustadt-Nord zusammen, deren Oberstufe anders als zunächst vorgesehen ab 2028/2029 in die Räume der Hauptschule einziehen soll. Zunächst sind beide Schulformen also noch drei Jahre bis 2031 vorübergehend gemeinsam in dem Gebäude untergebracht.

Laut Prandl-May fühlt es sich so an, „als wenn die Kinder aus dem Gymnasium unsere Kinder einfach verdrängen würden“. Die Hauptschule leiste wertvolle Arbeit in der Innenstadt, so Prandl-May. 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler hätten einen Migrationshintergrund, die Schülerzahl sei mit 310 Kindern seit Jahren stabil.

Stadt Köln bricht Verhandlungen ab

Einer der wesentlichen Gründe für das Aus der Hauptschule: Anders als geplant wird das Gymnasium Neustadt-Nord nicht von seinem aktuellen Interimsstandort im früheren Rautenstrauch-Joest-Gymnasium am Ubierring in der Südstadt an den 3,5 Kilometer entfernten Gladbacher Wall nahe des Mediaparks ziehen. Das begründete die Stadt mit dem Verhalten des Besitzers des Gebäudes am Gladbacher Wall.

„Aus Wirtschaftlichkeitsgründen“ werde sie die Anmietung nicht weiterverfolgen, die Stadt sei „wegen der zu hohen Kosten gezwungen, die Verhandlungen abzubrechen“. Der Eigentümer hat laut Stadt den endverhandelten Mietpreis erhöht, auch der angebotene Kaufpreis lag demnach über dem Marktpreis.

Investor betont eigenes Investment

Laut Grundbuch gehört das Grundstück am Gladbacher Wall der Firma Paccard Azure mit Sitz in Luxemburg. Constantin Plenge, Geschäftsführer der zuständigen Firma Tristan Capital Partners, teilte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit: „Wir arbeiten seit über zwei Jahren intensiv mit der Stadt Köln zusammen, haben über zwei Millionen Euro investiert und sind dennoch in der Lage, die Sekundarstufe I bis Ende 2027 fertigzustellen. Wir sind offen für weitere Verhandlungen auf der Grundlage einer bereits vereinbarten Miete.“

Das neue Gymnasium Neustadt-Nord ist seit 2025 im ehemaligen Rautenstrauch-Joest-Museum untergebracht.

Das neue Gymnasium Neustadt-Nord ist seit dem Schuljahr 2025/2026 im ehemaligen Rautenstrauch-Joest-Museum untergebracht.

Da die Stadt nun neue Räume für das Gymnasium braucht, ist auch die Katholische Hauptschule am Rhein betroffen, weil die Oberstufe (Sekundarstufe zwei) dort 2028/2029 einziehen soll.

Die Sekundarstufe eins, also die Unterstufe, hingegen soll in das frühere Gebäude der Abendschule in der Gereonsmühlengasse ziehen: Die beiden Gebäude liegen rund 1,5 Kilometer voneinander entfernt, die Schule ist also nicht an einem gemeinsamen Standort. Beide Gebäude gehören zur sogenannten Bildungslandschaft Nord, einem Verbund mehrerer Bildungseinrichtungen in der Innenstadt.

Volker Einecke, Schulleiter des Gymnasiums Neustadt-Nord, sagt über den Plan, die Sekundarstufen eins und zwei dauerhaft in unterschiedlichen Gebäuden unterbringen zu wollen: „Das wird sicherlich herausfordernd.“

Ansonsten berichtet Einecke von „entspannten Rückmeldungen“ der am Donnerstag informierten Eltern. Zum neuen Standort in der Gereonsmühlengasse statt des nahegelegenen Gladbacher Walls soll eine Mutter gesagt haben: „Ob auf einer Seite des Hansarings oder auf der anderen, ist relativ egal.“

Auch begrüßt Einecke, dass die Schülerinnen und Schüler 2028 direkt in ihre neuen Räume ziehen können, ohne ein weiteres Interim erleben zu müssen. Ihre jetzigen Klassenzimmer im ehemaligen Rautenstrauch-Joest-Museum können sie bis dahin weiterbenutzen. 

Schulleiterin teilt Argumente der Stadt nicht

Die Stadt begründet ihre Entscheidung für das Aus der Hauptschule damit, dass die Schule zuletzt nur noch eine Eingangsklasse gebildet hat. Die Argumentation der Stadt, die Schule würde kaum nachgefragt, kann Prandl-May nicht nachvollziehen. Richtig sei, dass in diesem Schuljahr nur zehn Kinder in die fünfte Klasse aufgenommen worden seien.

Andererseits würden jährlich etwa 50 Kinder neu beschult, die als Seiteneinsteiger von anderen weiterführenden Schulen in die Hauptschule kämen. Zudem lernten Kinder in Internationalen Klassen an der Niedrichstraße – also beispielsweise Mädchen und Jungen aus Flüchtlingsfamilien. 

Stadt will Signal an Investoren senden

Der Abbruch der Verhandlungen mit dem Eigentümer des Hauses am Gladbacher Wall dürfte auch als Signal an andere Investoren im Schulbau und der Schulvermietung zu interpretieren sein. Die Stadt hatte in den vergangenen Jahren vermehrt auf private Investoren gesetzt, um neue Schulplätze zu schaffen. Der Unterhalt und Bau von Schulen ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Stadt, die sie aber nicht schnell genug erfüllte.

Ein Teil der neuen Bildungslandschaft Altstadt-Nord (graue Gebäude in der Mitte).

Ein Teil der neuen Bildungslandschaft Altstadt-Nord (graue Gebäude in der Mitte).

Baudezernent Markus Greitemann hatte deshalb in der Vergangenheit von „extremen Chancen“ in der Zusammenarbeit mit privaten Grundstücksbesitzern und Bauherren gesprochen.

Doch diese Zusammenarbeit hatte ihren Preis: Beispielsweise in Porz zahlt die Stadt für ein noch zu bauendes neues Gymnasium in Porz mindestens rund 334 Millionen Euro Miete für 30 Jahre (wir berichteten). Und das ist nur ein Beispiel. Der neue Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) will wegkommen von solch hohen Ausgaben, vor allem angesichts der dramatischen Haushaltslage.