Kölner Trattoria-Celentano-Chefs„Es war sehr schön, aber wir können nicht mehr“

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Rosario Ietro und Salvatore Santamaria in ihrer Bar Trattoria Celentano

Rosario Ietro (l.) und Salvatore Santamaria in ihrer Bar Trattoria Celentano

Nach 21 Jahren im Agnesviertel wollen die Inhaber ihre erfolgreiche Bar Trattoria Celentano verlassen. Wir haben sie nach den Gründen gefragt.

Der Schrecken bei den Gästen war groß, als durchsickerte, dass die Inhaber der Bar Trattoria Celentano an der Maybachstraße ihr Lokal nach 21 Jahren in andere Hände abgeben wollen. Unzählige Male wurden Rosario Ietro (52) und Salvatore Santamaria (50) seitdem gefragt: Warum?

Das Lokal brummt, die vielen Plätze auf dem Bürgersteig sind schon bei den ersten Sonnenstrahlen besetzt. Fast jeder Gast wird mit „Ciao“ begrüßt, weil man sich kennt. Doch diese Beliebtheit ist das Problem. „Wir sind erschöpft. Die Jahre waren sehr schön, aber auch viel Arbeit und Stress. Wir können nicht mehr“, sagt Salvatore Santamaria. „Wenn andere frei hatten, mussten wir immer da sein.“ Er und Rosario Ietro sind selbst abwechselnd immer im Lokal, immer präsent. „Alles hat einmal ein Ende.“

Chefs des Kölner Celentano kommen aus Sizilien

Die beiden kamen einst nach Köln, um hier auf Baustellen zu arbeiten. Ihre Heimatstadt ist Licata auf Sizilien, die aktuell 37.000 Einwohner hat. Dort habe es einfach zu wenige Verdienstmöglichkeiten gegeben. Über Mundpropaganda hatte sich Köln als gutes Ziel herumgesprochen, noch heute leben viele Familien aus Licata in Köln und viele eröffneten später Restaurants.

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Außenansicht des Celentano mit vielen Terrassenplätzen

Das Celentano an der Maybachstraße hat zahlreiche Terrassenplätze.

„Der eine hat es dem anderen weiter erzählt unter Freunden und Familie“, erzählt Santamaria. Er ist mit der Cousine von Rosario Ietro verheiratet und so ging man gemeinsam. Die beiden arbeiteten mehrere Jahre auf dem Bau, bis sie auf die Idee kamen, eine Sportsbar zu eröffnen. „In Licata gibt es viele davon, da trifft man sich nach der Arbeit, trinkt noch einen Kaffee oder ein Bier.“

Am Anfang gab es im Celentano nur zwei Gerichte

Weil Santamaria großer Fan des cool-schnodderigen italienischen Sängers und Schauspielers Adriano Celentano ist, stand der Name bald fest. Gastronomische Erfahrung hatten die beiden nicht. „Wir haben hier bei der Arbeit gelernt, einen Kaffee zu machen“, sagt Santamaria. Dazu gab es nur zwei Gerichte: frittierten Sepia und Spaghetti Carbonara. „In der Küche gab es nur zwei Herdplatten.“ Zunächst kamen nur italienische Gäste. „Die Leute kannten das nicht so, es ging laut zu, es wurde Karten gespielt und Fußball geguckt“, sagt Santamaria. 

Blick in den Gastraum des Celentano

Die Einrichtung ist das Gegenteil von stylisch.

Doch immer wieder schauten Passanten neugierig durch die großen Fenster. „Irgendwann kam ein Mann vorbei und hat seine Frau einfach mit reingezogen“, erinnert sich Ietro. Er verfällt beim Erzählen ebenso wie Santamaria immer wieder ins Italienische, Ietros Sohn übersetzt für die beiden. Nach und nach kamen immer mehr deutsche Gäste, die Speisekarte wuchs und aus der Bar wurde eine Trattoria.

Auch Anthony Bourdain war im Celentano

Die ist das Gegenteil von stylisch. Keine freigelegten Ziegelwände, kein Industrial-Einheitslook, kein Ethno-Schick, selbst Urlaubs-Kitsch fehlt. Stattdessen einfaches Mobiliar und ein Sammelsurium von Celentano-Bildern und Gäste-Fotos.  Eines davon zeigt Anthony Bourdain grinsend inmitten der Trattoria-Crew. Der legendäre amerikanische TV-Koch und Autor, der 2018 verstarb, machte hier 2016 Station für das Köln-Special für seine Reihe „Unknown Parts“. Er aß Tomaten-Carpaccio, gegrillte Zucchini und Spaghetti Vongole. Das Celentano, sagte er, sehe nach nicht viel aus, mache aber wirklich gutes Essen.

Vitrine mit Vorspeisen

Die Vitrine mit Vorspeisen.

Und gute Stimmung. Bei der Fußball-WM 2006 war es hier gerammelt voll. „Wir hatten das Gefühl, dass ganz Köln bei uns war“, sagt Ietro. Bei der EM 2021 wiederholte sich das Schauspiel. „Da haben uns die Nachbarn Videos geschickt, die sie von ihren Balkonen aufgenommen haben von dem Wahnsinn. Wir hatten hinterher sehr dicke Füße.“ Vor zwei Jahren haben die Chefs dann auch noch die Pizzeria nebenan übernommen. Die Hausbesitzerin habe sie darum gebeten: „Ihr seid verlässlich.“ Auch die Pizzeria läuft gut – aber dadurch wurde die Arbeit noch mehr.

„Die Leute haben Italien hier gefunden“, sagt Santamaria. Das soll nicht ganz vorbei sein, wenn sie aufhören. Die beiden Inhaber wollen ganz in Ruhe auf ein gutes Angebot warten und wünschen sich, dass der Nachfolger den Namen und das Konzept übernimmt. Was sie selbst dann machen, wüssten sie noch nicht. Zurück nach Italien? Da sei das Leben nicht so teuer und das Wetter besser, sagt Ietro. Ein bisschen Heimweh schimmert durch. Dann müssen sich die beiden aber wieder um ihre Gäste kümmern. „Ciao.“

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