Wegen schwerer statischer Mängel ist das Parkhaus in der Altstadt seit September 2025 gesperrt. Wie groß die Schäden sind, weiß die Stadt Köln noch immer nicht.
Es geht nicht weiterKölner Tiefgarage Groß St. Martin ist seit neun Monaten gesperrt

Die Tiefgarage Groß St. Martin in der Kölner Innenstadt ist sanierungsbedürftig und seit September 2025 für die Öffentlichkeit gesperrt.
Copyright: Alexander Schwaiger
Mehr als neun Monate nach der plötzlichen Sperrung der Tiefgarage Groß St. Martin in der Kölner Altstadt ist weiterhin völlig unklar, wie es mit dem maroden Bauwerk weitergeht. Bei Regen dringen durch die undichte Decke große Mengen Wasser ein. An vielen Stellen bröckelt der Beton, Bewehrungsstahl liegt frei und ist von Rost zerfressen. Die Mängel sind so gravierend, dass zwischenzeitlich Einsturzgefahr drohte und besonders gefährdete Bauteile provisorisch abgestützt werden mussten. Das genaue Schadensbild hat die Stadt Köln bis heute nicht ermittelt. Unter den Anwohnern der angrenzenden Wohnanlage wächst die Sorge, dass es zu einem Einsturz kommen könnte.
Rückblick: Am frühen Abend des 15. September 2025 teilt das städtische Presseamt mit: „Die Tiefgarage Groß St. Martin, Einfahrt Große Neugasse, Köln-Innenstadt, muss ab sofort bis auf Weiteres für die Öffentlichkeit geschlossen werden. Grund dafür sind kurzfristig notwendige Untersuchungen an der Konstruktion der Tiefgarage.“ Der südliche Teil des Parkhauses wird daraufhin geräumt, sämtliche dort abgestellten Autos müssen raus. Sie parken seitdem im nördlichen Teil der Tiefgarage, der von den Schäden nicht betroffen ist.
Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Geschichte, die mindestens 15 Jahre zurückreicht. Nach Informationen unserer Redaktion stellt bereits ein Gutachten aus dem Jahr 2011 fest, dass der Beton saniert und die Oberfläche der Tiefgarage, die an die romanische Kirche Groß St. Martin grenzt, neu abgedichtet werden muss. Doch über viele Jahre passiert kaum etwas, die Stadt lässt lediglich einige Fugendichtungen erneuern.
Stadt Köln hat Sanierung jahrelang aufgeschoben
An der 1976 errichteten Tiefgarage sind drei Parteien beteiligt: die Stadt Köln, das Erzbistum Köln und die privaten Eigentümer der angrenzenden Wohnhäuser, die dort Pkw-Stellplätze haben. Die Firma Contipark hat hier bis zur Sperrung ein öffentliches Parkhaus mit 213 Plätzen betrieben, die Flächen mietet sie von der Stadt. Als federführender Akteur hat die Stadt die Sanierung jahrelang aufgeschoben. 2017 beauftragt das Liegenschaftsamt einen Gutachter, der sein Konzept zur Instandsetzung erst 2020 vorlegt. Danach geschieht wieder nichts.

In der gesperrten Tiefgarage Groß St. Martin hat die Stadt Köln wegen statischer Mängel zwei gefährdete Bereiche durch gemauerte Wände abstützen lassen.
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Ein weiteres Gutachten kommt Anfang Oktober 2024 zu dem Schluss, die Dauerhaftigkeit der Tiefgarage sei „erheblich eingeschränkt“. Angesichts des schlechten Zustands erklären die Sachverständigen: „Die Instandsetzungsplanung sollte umgehend begonnen werden und die Sanierung der gesamten Tiefgarage kurzfristig erfolgen.“
Die Gutachter empfehlen zudem, zwei stark geschädigte Bauteile aus Stahlbeton, so genannte Unterzüge, unverzüglich abzustützen, weil man ihre Standsicherheit nicht mehr bescheinigen könne. Das zeigt Wirkung: Drei Wochen später lässt die Stadt an diesen neuralgischen Punkten insgesamt 96 Baustützen aus Stahl aufstellen. Sie werden Mitte August 2025 durch zwei massive gemauerte Wände aus Kalksandstein ersetzt. Offenbar ist erst nach mehr als neun Monaten aufgefallen, dass die brennbaren Stahlstützen bei einem großen Feuer in der Tiefgarage ihre Tragfähigkeit verlieren würden und die maroden Betonelemente nicht mehr stützen könnten. Der schadhafte Bereich liegt in unmittelbarer Nähe der Häuser Nummer 5 und 6 des Wohnkomplexes „An Groß St. Martin“.
Vier Wochen später verbannt die Stadt schließlich alle Autos aus dem betroffenen Südteil der Garage, um die Brandlast zu minimieren.
Beton der Tiefgarage wurde 2025 ausführlich untersucht
Am 5. November 2025 lässt die Stadt einen weiteren statisch mangelhaften Bereich der Tiefgarage abstützen. Auf beiden Ebenen werden jeweils 40 Baustützen aus Stahl aufgestellt. Nach Informationen unserer Redaktion stehen sie bis heute dort. Auf Anfrage erklärt eine Stadtsprecherin: „Es besteht derzeit keine Notwendigkeit, die Stahlstützen brandschutztechnisch einzuhausen oder durch eine feste Mauer zu ersetzen.“ Schließlich befänden sich dort aufgrund der Schließung der Tiefgarage „keine Fahrzeuge sowie weitere Brandlasten“.

Statisch gefährdete Bereiche der Tiefgarage Groß St. Martin hat die Stadt Köln teils mit Baustützen aus Stahl (rechts) sichern lassen.
Copyright: Michael Fuchs
Ursprünglich war laut Stadt geplant, an rund 50 Betonstützen Proben zu entnehmen, „um das Schadensbild für die anstehende Sanierung näher zu ermitteln“. Doch das reichte nicht aus. Die Untersuchung wurde ausgeweitet, sie dauerte bis Ende 2025. „Bei der ersten Sichtung hat sich die Notwendigkeit weiterer Beprobungen ergeben“, erklärt eine Stadtsprecherin. Die labortechnischen Ergebnisse der insgesamt 240 entnommenen Proben lägen mittlerweile vor, man warte aber noch auf die fachliche Auswertung der Laborwerte. „Erst wenn alle Ergebnisse – auch die der Nachbeprobungen – vorliegen, können diese als Gesamtheit gutachterlich bewertet und Handlungsempfehlungen abgegeben werden.“

In der Tiefgarage Groß St. Martin liegt teilweise der Bewehrungsstahl frei und ist korrodiert. An 240 Stellen hat die Stadt Köln Betonproben entnehmen lassen (rote Markierungen).
Copyright: Michael Fuchs
Unter den Anwohnern herrscht Fassungslosigkeit, dass mehr als neun Monate nach der Sperrung der Tiefgarage noch immer keine Klarheit darüber herrscht, wie die Mängel behoben werden können. Sie befürchten, dass es noch Jahre dauern könnte, bis die Sanierung beginnt.
Sanierung der Tiefgarage beginnt womöglich nicht vor 2029
Dem Vernehmen nach plant das Liegenschaftsamt, zunächst eine Projektsteuerung auszuschreiben. Sobald dafür ein Auftragnehmer gefunden ist, soll diese Firma ein Konzept für die Sanierung der Tiefgarage ausarbeiten. Wenn dieses vorliegt, soll es eine weitere Ausschreibung für die Durchführung der Bauarbeiten geben. Demnach könnte es drei Jahre dauern, bis überhaupt ein Sanierungsauftrag erteilt wird. Die Stadtsprecherin will dieses Szenario auf Nachfrage nicht bestätigen, sie sagt lediglich: „Die Stadt Köln ist als öffentlicher Auftraggeber an das Vergaberecht gebunden. Wann die Sanierung tatsächlich beginnen kann, ist derzeit noch nicht seriös vorhersehbar. Auch die Stadt Köln hat ein hohes Interesse daran, dass dies so schnell wie möglich erfolgt.“
Interessant ist, dass die Stadt bereits vor 13 Jahren eine Rückstellung für die Sanierung der maroden Tiefgarage in Höhe von 1,2 Millionen Euro gebildet hat. In ihrem Jahresabschluss 2013 schreibt die Verwaltung, dass die Instandhaltung der Tiefgarage sich durch „notwendige Planungen, Ausschreibungen, Vergabeentscheidungen“ verzögert habe „und in den Jahren 2014-2016 nachgeholt werden soll“. Im Jahr 2021 wurde diese Rückstellung aber vollständig aufgelöst. Begründung laut Jahresabschluss 2021: „Die Sanierung der Feuchtigkeitsschäden in der Tiefgarage Groß St. Martin wurde in 2021 abgeschlossen.“

Die Fläche des unterirdischen Parkhauses erstreckt sich bis unter die angrenzenden Gebäude an der gleichnamigen Kirche.
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Gemeint waren damit offenbar nur die Versuche, einige Fugen neu abzudichten. Die Stadt erklärte also die Sanierung für abgeschlossen, obwohl weiterhin große Mengen Wasser in die Tiefgarage eindringen und der Stahlbeton nicht saniert wurde. Zur Frage, warum man dies tat, erklärt die Stadtsprecherin lediglich: „Die Maßnahme hat nach aktueller Kenntnis leider nicht in allen Bereichen den gewünschten Erfolg gebracht.“
Tickende Zeitbombe?
Manche Anwohner haben das Gefühl, auf einer tickenden Zeitbombe zu sitzen. Einsturzgefahr besteht nach Ansicht der Stadt jedoch nicht. Man habe alle Empfehlungen des Gutachters umgesetzt und kritische Bereiche abgesichert. „Grundsätzlich finden seit Ende 2024 halbjährliche statische Sichtprüfungen, vor und nach der Winterperiode, statt. Die letzte Sichtprüfung im Herbst 2025 wurde ausgesetzt, da die Tiefgarage aufgrund von Untersuchungen, Probeentnahmen usw. zu diesem Zeitpunkt ohnehin sehr regelmäßig begangen wurde“, erläutert die Stadtsprecherin. Die nächste Sichtprüfung sei in Planung. Mitte Juni habe eine Begehung durch die Bauaufsicht und die Feuerwehr stattgefunden.
Seit der Sperrung der Tiefgarage im September seien keine neuen Schäden aufgetreten. „Aus den Sichtprüfungen heraus ergaben sich keine Verschlechterungen des Objektzustandes.“ Sensoren und Messsysteme zur Kontrolle von Rissbreiten, Setzungen und Verformungen von Bauteilen habe man in der Tiefgarage nicht installiert. „Dies wurde weder von den involvierten Büros, noch von der Bauaufsicht der Stadt Köln für notwendig erachtet.“
