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HundeangriffDrama bei den Schafen im Kölner Stadtwald

3 min

Rund 500 Tiere zählt die Schafherde von Ingo Bollenbach. Am Abend des 21. Oktober fiel ein wildernder Hund über sie her.

Lindenthal – Es ist schon nach neun Uhr am Abend des 21. Oktober, als Ingolf Bollenbachs Handy klingelt. Nummer unbekannt. „Das kann nur eines heißen: Es ist was mit den Schafen“, sagt Bollenbach. Und tatsächlich. Die Polizei ist am Telefon, der Schäfer müsse sofort kommen, seine Herde sei im Stadtwald versprengt, der Militärring bereits gesperrt. „Da bin ich in die Arbeitsklamotten, hab die Hunde geholt, rein ins Auto und ab in den Stadtwald“, erzählt der Schäfer.

Dort angekommen, bietet sich ihm in der Düsternis ein schreckliches Bild: Seine Schafherde, bestehend aus 500 Mutterschafen, Lämmern und einigen Böcken, hat den Elektrozaun, in dem die Herde eingezäunt war, niedergerissen, ist offenbar in Panik ausgebrochen und steht nun zitternd vor Furcht unter einigen großen Eichen am Adenauer Weiher versammelt. Bollenbach sieht sofort: Einige Schafe bluten, haben schwere Bissverletzungen. Und es fehlen Tiere. Der Schäfer weiß: „Das kann nur ein Hund gewesen sein.“

Gute Reaktion

Bollenbach handelt sofort. Er lässt einen Hütehund bei der verängstigten Herde und macht sich mit Hündin Senta auf die Suche nach den fehlenden Schafen. „Die Polizei hat wirklich gut reagiert, als sie die Straße gesperrt haben“, sagt Bollenbach. „Nicht auszudenken, wenn ein Schaf im Dunkeln auf dem Militärring vor ein Auto gelaufen wäre und einen Unfall verursacht hätte.“ Die Polizei hilft dem Schäfer bei der Suche. Ein Schaf wird auf der Dürener Straße gefunden, es ist von Hundebissen so schwer verletzt, dass es notgeschlachtet werden muss. Weitere verirrte und verletzte Schafe findet Bollenbachs Hündin nach langer Suche noch in derselben Nacht im Wald. Ein anderes Mutterschaf ertrinkt im Weiher.

Zehn tragende Schafe verkraften die Panik und die Hetze nicht, sie erleiden in den darauffolgenden Tagen Fehlgeburten. „Nach so einem Ereignis ist man erst einmal vollkommen fertig“, sagt Bollenbach. „Zum einen muss man sich vorstellen, was die Tiere durchgemacht haben. Dann der Verlust der Lämmer: Die Mutterschafe laufen ein Jahr in der Herde, um mir ein Lamm zu bringen.“

Und dann ist da ein riesengroßes, wütendes Fragezeichen, das nicht nur den Schäfer sprachlos macht, sondern auch die Hundehalter-Gemeinde im Kölner Westen beschäftigt. Wer hat seinen Hund derart nicht im Griff, dass er in einer eingezäunten Schafherde wildern kann? Der Schäfer hat Zettel aufgehängt und bittet um Zeugenaussagen. „Viele Hundebesitzer, die täglich im Stadtwald spazieren gehen, sprechen mich an und sind entsetzt“, sagt der Schäfer. „Aber gesehen haben will niemand etwas. Das kann doch nicht sein.“ Den Bissspuren nach muss es ein großer Hund gewesen sein, mit einem kräftigen Fang wie ein Schäferhund, meint Bollenbach und hofft auf Zeugen, die sich bei der Polizei melden.

Grüne Lunge der Großstadt

Jetzt im November hat die Herde den Stadtwald bereits hinter sich gelassen und weidet auf den Wiesen hinter dem Stüttgenhof in Marsdorf. Doch im nächsten Jahr wird sie wieder dort sein, am Adenauer Weiher, mitten in der grünen Lunge der Großstadt. Und trotz des unguten Gefühls, wenn Bollenbach seine riesige Schafherde nachts alleinlässt: Abwandern oder aufhören mit der Schäferei wird er nie. Schon sein Vater hatte Schafe. Früher hatte die Familie Weidegründe im Rhein-Erft-Kreis, doch zuerst mussten sie den Frechener Segelflugplatz abgeben, später dann die Wiese am Umschaltwerk von RWE in Brauweiler. Darum zieht der Wanderschäfer vom Land nun über die Wiesen der Stadt. „Seit 16 Jahren sind wir die Rasenmäher der Stadt, ziehen von April bis Dezember durch den Stadtwald“, sagt Bollenbach, schiebt sich den Lodenhut aus der Stirn und stützt sich auf seinen Hirtenstab. „Die Leute erfreuen sich an den Schafen. Deshalb hoffe ich sehr, dass auch Spaziergänger noch mehr die Augen offenhalten und in Zukunft ein bisschen mit achtgeben auf meine Herde.“