Der Abschied der belgischen Besatzer aus dem Kölner Westen jährt sich zum 40. Mal. Bezirksbürgermeister Roland Schüler nimmt Interessierte mit auf eine Spurensuche.
JubiläumsführungVor 40 Jahren verließen die belgischen Soldaten Köln

Roland Schüler zeigt die typischen Häuschen der Stadtwaldsiedlung, die für belgische Soldaten und ihre Familien errichtet und später saniert, umgebaut und verkauft wurden.
Copyright: Susanne Esch
Sie drehten noch eine Runde durch das Müngersdorfer Stadion, in Uniform und im Gleichschritt. Dann verschwanden die belgischen Streitkräfte aus Köln. Vor vierzig Jahren, am 28. Mai 1986, fand die feierliche „Parade d’Adieu“, die Abschiedsparade, im Beisein des belgischen Kronprinzen Philippe I. statt. Die Belgier waren als Besatzer gekommen und gingen als Freunde. Im „Kalten Krieg“ waren aus den Siegermächten Bündnispartner geworden. Und die belgischen Truppen hinterließen in Junkersdorf Spuren, die noch heute sichtbar sind.
Belgier zogen 1949 nach Köln
Der Lindenthaler Bezirksbürgermeister und Müngersdorfer Roland Schüler weiß Genaueres über die Hintergründe und Hinterlassenschaften. Die Belgier kamen erst im Jahr 1949. Direkt nach Kriegsende befand sich das Oberkommando der belgischen Truppen zur Unterstützung in der britischen Besatzungszone zunächst in Bonn. Das war aber nicht mehr opportun, als die Stadt Bundeshauptstadt wurde. So wurden die Truppen nach Köln verlegt. Sie zogen in Kasernen in Ossendorf und in Westhoven, aber im Kölner Westen befand sich der Hauptsitz. Hier bezogen sie die 1939 von der Wehrmacht erbaute Etzelkaserne, die nun „Kaserne Haelen“ hieß.

In den Kasernengebäuden, der heutigen Stadtwaldsiedlung, befinden sich heute Wohnungen, die auch mit Balkonen bestückt wurden.
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Das Oberkommando kam mit Unterstützungskräften, der Fernmeldedivision und Logistikabteilung, mit Offizieren, Unteroffizieren und Familien. Und so wurde neben der Kaserne an der Junkersdorfer Straße Anfang der 50er-Jahre ein ganzes „Quartier Haelen“ gebaut, das heutige Stadtwaldviertel. „Es gab ein Aufbauprogramm des Landes für Unterkünfte der Besatzungsmächte“, erzählt Schüler. „Das heißt, es hat dafür bezahlt, dass die Besatzungsmächte sich Wohngebäude errichten konnten. Die GAG übernahm den Bau.“

Im ehemaligen Veranstaltungssaal der Belgier war später das Limelight. Klagen von Nachbarn unterbunden weitere gastronomische Aktivitäten.
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In verschiedenen Zonen entstanden einfache Reihenhäuschen für Unteroffiziere, größere für Oberoffiziere, und in Randlage schließlich luxuriöse Villen für Generäle. Es gab einen Supermarkt, eine Kita, und im Ortskern von Junkersdorf eine belgische Schule. Eine Holzkirche stand in der Mitte des neuen Quartiers. Heute ist der ehemalige spirituelle Mittelpunkt schlicht ein Parkplatz. Zudem stand ein Veranstaltungsgebäude mit Kino im 50er-Jahre-Stil im Viertel bereit. Nach dem Wegzug der Soldaten wurde es von einem privaten Betreiber unter dem Titel „Limelight“ für Veranstaltungen genutzt, bis ein Nachbar gegen den damit verbundenen Lärm klagte und Recht bekam. Heute steht das Gebäude leer, der Eingang ist verbarrikadiert.
Nach dem Wegzug der Belgier zog wohlhabende Klientel in das Stadtwaldviertel: Die Häuschen wurden von der Bundesimmobiliengesellschaft verkauft und hatten in der Lage ihren Preis. Sie wurden saniert und ausgebaut. In den denkmalgeschützten Kasernen entstanden Wohnungen mit Altbauflair. In dem hochherrschaftlichen Verwaltungsgebäude der Oberkommandantur mit seinem basaltgefassten Eingang und den Holzkästchentüren sind heute Arztpraxen und Büros zuhause. An der Junkersdorfer Straße erinnert noch die Hauptzufahrt mit Pförtnerhaus an das militärische Treiben auf dem Areal, genauso wie eine quadratische, heckenbesetzte Grünfläche zwischen den Kasernen. Dort befand sich der Exerzierplatz: „Man kann sich noch gut vorstellen, wie der General hier steht und herumschreit: Linksrum, rechtsrum, Marsch!“, sagt Schüler.
Heutiger Club Astoria gegenüber vom Stadion war ein Offizierskasino
Gefeiert wurde damals auch im Clubhaus Astoria am Adenauer Weiher. „Es war ein belgisches Offizierskasino. Weil hier das Oberkommando, mitsamt Generälen stationiert war, musste man etwas bieten“, erzählt Schüler. Das hofartige Fachwerkhäuschen in der schönen Weierlage wurde Restaurant, Hotel und ein Casino für die Soldaten. Mittlerweile können immer noch Menschen dort speisen. Es wird von einem Privatbesitzer betrieben, der das Grundstück von der Stadt Köln gepachtet hat. Und auch ein eigenes Freibad gab es damals für die belgischen Familien, direkt im Schatten des Stadions. Heute befindet sich dort nur noch Sand und der Beachvolleyballclub Playa.
Bezirksbürgermeister Roland Schüler führt am Sonntag. 31. Mai, von 11 bis 13 Uhr, Interessierte zu den Hinterlassenschaften der Belgier in Junkersdorf und Müngersdorf, im Beisein des belgischen Honorarkonsuls Andreas Schaeben. Um Anmeldung bis Donnerstag, 28. Mai, wird gebeten unter der E-Mail: leon.kiel@stadt-koeln.de
