Seit 1896 führt die Familie Lutz ihre Druckerei. Vom Bleisatz, über den Offsetdruck bis ins digitale Zeitalter haben sie ihren Familienbetrieb geführt.
Kölner FamilienbetriebDas „Druckhaus Georg Lutz“ in Lindenthal gibt es seit 130 Jahren

Georg und Claus Lutz (v.l.) stehen im Maschinenraum ihrer Druckerei an der Dürener Straße.
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Georg Lutz ist Inhaber einer Kölner Druckerei, und zwar seit 130 Jahren. Wie das möglich ist? Der Mann, der im Jahr 1896 diesen Namen trug und damals den Betrieb gegründet hat, gab beides an seinen Sohn weiter. Seitdem ist es Familientradition. Der älteste Sohn heißt wie der Vater und übernimmt den Betrieb. Mittlerweile betreibt Georg IV. die Druckerei Lutz mit seinem Bruder Claus an der Dürener Straße 165a in Lindenthal. Über einer Einfahrt leuchtet der Namenszug in Retrolettern den Besuchern und Besucherinnen den Weg in den Hinterhof.
Individuelles Briefpapier, Visitenkarten und Hochzeitseinladungen
Sie kommen mit den unterschiedlichsten Wünschen: Handwerksbetriebe, Einzelhändler und Praxen, auch ein namhafter Verlag, lassen bei Lutz Flyer, Weihnachtskarten, Formulare, Broschüren oder auch ganze Publikationen drucken. Für Privatkunden produzieren sie individuelles Briefpapier, Einladungen oder Visitenkarten. Die Brüder Lutz bieten Digital- und Offsetdruck mit ausführlicher Beratung. „Wir erklären unseren Kunden, welches Druckverfahren sich wofür und welche Menge eignet“, erläutert Claus Lutz. Bruder Georg ergänzt: „Wir denken mit.“ Er hat ein Beispiel: Als sie die Einladung zu einer Hochzeit drucken sollten, fehlte auf der Vorlage der Name der künftigen Eheleute. So fragten sie bei ihren Auftraggebern nach, wer denn nun überhaupt heirate. „Falls wir noch einen Fehler bemerken, stoppen wir notfalls auch die Maschinen und rufen beim Kunden an“, sagt Georg Lutz.
Dieser Service unterscheidet sie von Onlineanbietern, genauso wie die größere Papier- und Farbauswahl, die sich daraus ergibt, dass die Lutzens gemischte Vollton- oder Sonderfarben verwenden. Sie ermöglichen einen Druck in Farbtönen, die im normalen Vierfarbdruck nicht darstellbar sind. Auch das Lieferdatum würden sie selbstverständlich garantieren, sagt Lutz. So vertrauen weiterhin viele Kunden weiterhin der Druckerei Lutz. Dennoch, so sagen beide, habe das Internet die Branche sehr verändert. Viele Betriebe seien in Schwierigkeiten geraten und hätten aufgegeben.

Neben einem Gemüseladen liegt die Einfahrt zum Druckhaus Georg Lutz.
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Das früher auch „schwarze Kunst“ genannte Handwerk, hat sich so stark verändert, wie kaum ein anderes Gewerbe, seitdem Georg Lutz I. das Unternehmen am Friesenplatz gründete. Eigentlich sei er Architekt und am Kuppelbau des Kölner Hauptbahnhofs beteiligt gewesen, erzählen seine Ur-Enkel. Man habe ihn dann verbeamten wollen. Doch der Urgroßvater bevorzugte einen anderen Weg: Er hatte die Idee, Baupläne für seine Kollegen zu drucken, und startete mit einer Steindruck-Handpresse. „Die Produktion im Steindruckverfahren ermöglichte die kostengünstige Reproduktion von Zeichnungen“, erläutert Georg Lutz. Das Verfahren sei zu dieser Zeit nicht alltäglich gewesen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte der Umzug nach Köln-Lindenthal
Nach seinem Tod im Jahr 1921 führte Georg Lutz II. den Betrieb, bis er ebenfalls früh im Jahr 1944 verstarb. Im selben Jahr fiel das Betriebsgebäude einem Bombenangriff zum Opfer. Die Ehefrau des Verstorbenen, Katharina Lutz, baute die Firma wieder auf. Nach Ende seiner Lehre übernahm dann 1951 aber der männliche Nachwuchs die Betriebsleitung: Georg Lutz III., Vater der heutigen Inhaber. 1956 verlegten Mutter und Sohn den Betrieb an die Dürener Straße in Lindenthal und errichteten in der damals noch ländlichen Gegend auf 1000 Quadratmetern im Hinterhof die Druckerei, später das Vorderhaus mit Wohnungen und Ladenlokal.
Als der Vater dann im Jahr 1990 plötzlich verstarb, hatte Georg gerade seine Meister- und Claus seine Gesellentitel in der Tasche. Von heute auf morgen saßen sie am Steuer, und manövrieren das Schiff mittlerweile seit 36 Jahren durch stürmische Zeiten: Sie haben die rasante Entwicklung erlebt, vom Bleisatz über den Offset- bis zum Digitaldruck. Sie haben den Einzug des Onlinehandels in die Branche und die geschlossenen Ladentüren während der Corona-Pandemie überstanden. Und so ist die Druckerei Lutz immer noch für ihre Kunden da, an der Dürener Straße 165 a wo auch noch die alte Steinpresse an die Anfänge des Betriebes erinnert.