Dr. Helmut Wirges hat auf 190 Seiten die Geschichte der Brauerei dokumentiert. Das Buch ist als Sonderveröffentlichung des Frechener Geschichtsvereins erschienen.
Neues BuchDas sind die spannenden Einblicke in die Brauereidynastie Metzmacher in Frechen

Rund 8000 Flaschen konnte die neue Abfüllanlage aus dem Jahr 1968 stündlich befüllen.
Copyright: Repro: Wolfgang Mrziglod
Die älteren Frechenerinnen und Frechener können sich noch gut daran erinnern, dass sie, wenn sie auf der Hauptstraße an der Haltestelle vor der Marienschule auf die Linie F warteten, mitbekamen, ob in der Brauerei Metzmacher gerade Rats-Kölsch gebraut wurde. Der Geruch aus dem Sudhaus gegenüber hüllte – bei passender Windrichtung – den Platz ein.
An dies und vieles mehr aus der Geschichte der Familie und der Brauerei Metzmacher erinnert nun der Autor Dr. Helmut Wirges in der jüngsten Sonderveröffentlichung des Frechener Geschichtsvereins, die Einblicke in die Frechener Brauerdynastie preisgibt.

Adolph und Anna-Margarethe Metzmacher um 1873.
Copyright: Repro: Wolfgang Mrziglod
Vieles hat sich inzwischen in der Frechener City geändert, der Autoverkehr an der Kreuzung ist ebenso verschwunden wie die alten Bauten der Brauerei und des angeschlossenen Ratskellers. Dr. Helmut Wirges hat in seinem Werk die Brauerei- und Familiengeschichte rekonstruiert. Dabei ging es um die Frage, seit wann es die Brauerei gab, welchen Einfluss und Bedeutung sie und die beteiligten Familien für die Entwicklung der Gemeinde und späteren Stadt hatten.
Rund eineinhalb Jahre hat Wirges an dem Buch gearbeitet. „Bei der Vorarbeit konnte ich zum Teil auf mein bereits 1994 erschienenes Buch zur Biergeschichte zwischen Rhein und Erft zurückgreifen“, so Wirges. Das war auch gut, denn ein Archiv über die Metzmacher-Historie gibt es nicht. Hilfreich war ihm unter anderem ein Aufsatz von Egon Heeg, der sich 2014 mit einem Königsschild aus einer Schützenkette aus dem Jahr 1723 beschäftigte, dass das Zunftzeichen der Brauer zeigte.
Frechen: 1617 wurden zwölf Gastwirte und ein Malzmacher erwähnt
Blicken wir zurück: 1617 wurden in Frechen zwölf Wirte und ein Malzmacher erwähnt, die sicherlich alle ihr eigenes Bier brauten und in ihren Schankwirtschaften vertrieben. Die Vorfahren der Familie Metzmacher sollen seit 1723 das Braurecht besessen haben, sie lebten damals in Hücheln. Belege dafür sind aber nicht vorhanden. Der Name Metzmacher taucht erstmals 1840 auf, als Adolph Metzmacher aus Poll bei Nörvenich in Frechen als Brauer angestellt wird und 1848 in die Hüchelner Brauerfamilie einheiratet.
Brauerei und Schankwirtschaft als Mitgift
Seine Frau Anna Margaretha Blömeling erhält das Hofgut mit der Brauerei und Schankwirtschaft als Mitgift. Die Brauerei an der heutigen Ägidiusstraße lief erfolgreich, das Hofgut wurde ausgebaut und Adolph Metzmacher gehörte später auch dem Frechener Gemeinderat an. Adolph Metzmacher hatte zwei Söhne, Engelbert und Robert. Engelbert übernahm die väterliche Brauerei, baute sie im Laufe der Jahre weiter aus. Das Anwesen ist noch als Brauerei Hintermeier bekannt. Robert Metzmacher dagegen machte sich als Brauer selbstständig und eröffnete 1879 seine Brauerei mit Gaststätte in Frechens Ortsmitte an der Cöln-Dürener Straße, wo er ein „untergäriges, helles Bier von hopfig edlem Geschmackscharakter“ anbot.

Autor Dr. Helmut Wirges (M.) stellte das Buch im Kreis des Vorstands des Geschichtsvereins vor.
Copyright: Wolfgang Mrziglod
Der Autor verfolgt die Entwicklung der Brauerei über die Jahrhunderte, blickt dabei aber nicht nur auf die produktionstechnische Entwicklung im Brauereigewerbe, was Herstellung und Abfüllung betrifft. Frechen hatte in der Vergangenheit eine Unzahl von Gaststätten und Kneipen oder Restaurants, auch auf der Hauptstraße. Ein Zeichen dafür dürfte das „Braumännchen“ sein, dass an beiden Enden der Hauptstraße den Besucher empfing. An der früheren Gaststätte „Zur Deutschen Ecke“ steht es noch im Giebel. Am anderen Ende, an der Hüchelner Straße, war der Bierjunge an der Front der „Glocke“ zu sehen, heute ist er im Keramikmuseum zu finden.
Viele historische Abbildungen
Es gab Höhen und Tiefen in der Firmengeschichte, wobei auch die Marktlage eine entscheidende Rolle spielte. Erhebliche Veränderungen auf dem Biermarkt traten mit Beginn der 1990er-Jahre auf, und so wurde 1994 die Brauerei Metzmacher komplett an die Kölner Dom-Brauerei (Funke-Gruppe Essen) verkauft. Einige Jahre später wurde der gesamte Komplex abgerissen. Gebaut wurden Geschäfte, ein Seniorenwohnheim und auch eine Gaststätte. Das Rats-Kölsch kam fortan aus der Domstadt.
Auf 190 Seiten hat Dr. Helmut Wirges die Geschichten um das Rats-Kölsch festgehalten, illustriert mit vielen historischen Abbildungen sowie Erinnerungen an die Werbeelemente und Kölschgläser der Vergangenheit. Erstmals hat sich der Frechener Geschichtsverein dazu entschieden, Sponsoren mit in das Buch (als Anhang) aufzunehmen, um so die Kosten für den Druck aufzufangen.
Das Buch „Die Geschichte der Frechener Brauerdynastie Metzmacher“ gibt es ab sofort zum Preis von 15 Euro im örtlichen Buchhandel und beim Frechener Geschichtsverein. Der Geschichtsverein wird die Bücher auch beim Sommerfest aus Anlass der 75. Wiederkehr der Stadtwerdung an seinem Stand anbieten. (ISBN 978-3-943235-24-1)
