Ursachen und FolgenDarum warten Anwohner in Sülz seit knapp zehn Jahren auf den Umbau der Berrenrather Straße

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Eine Gruppe von Menschen steht am Rand einer zweispurigen Straße, im Hintergrund sind zwei Bäume zu sehen.

Bürger und Politiker kritisieren, dass der Umbau der Berrenrather Straße so lange auf sich warten lässt.

Die versprochene Umgestaltung lässt auf sich warten. Bürger und Politiker kritisieren eine schlechte Planung.

Hoch motiviert beteiligten sich die Bürger 2014 und 2015 auf Einladung der Stadt in zwei Werkstätten an den Plänen für die Umgestaltung der Berrenrather Straße. Gemeinsam kamen sie und die Stadtplaner zu einem guten Ergebnis: Die Verkehrsachse soll für die Verkehrsteilnehmer übersichtlicher und sicherer gestaltet und zu einem Veedelsmittelpunkt aufgewertet werden: Die Fahrbahn wird künftig statt elf nur noch neun Meter einnehmen und an beiden Seiten einen rund zwei Meter breiten Schutzstreifen für Radfahrer erhalten.

Die Gehwege werden auf mindestens 2,50 Meter verbreitert. Daneben wird jeweils ein 2,10 Meter breiter „Multifunktionsraum“ eingerichtet, der zum Parken, als Ladezone, für Fahrradabstellanlagen, Baumbeete und Außengastronomie genutzt werden kann. An den Einmündungen mehrerer Straßen sind Zebrastreifen mit Mittelinseln geplant. Sie werden beispielsweise die Fußgängerampeln vor den Grundschulen ersetzen. An den Kreuzungen Berrenrather/ Sülzburgstraße und Weyertal/Berrenrather Straße sollen Kreisverkehre entstehen.

Planung stockt wegen Arbeiten der betroffenen Versorger

2016 beschloss die Bezirkspolitik den Umbau. Sieben Jahre später sprachen ihre Vertreter nun vor Ort mit Bürgern über die Gründe dafür, dass er immer noch nicht begonnen hat. „Im Zuge der Umgestaltung der Berrenrather Straße werden die Versorgungsträger wie Rhein-Energie und Telekom im Vorfeld beteiligt“, schreibt ein Sprecher der Stadt. „Mit der Rhein-Energie sind wir in Abstimmung, deren Planung liegt bisher nicht vor. Mit der Telekom konnte jedoch bisher keine Abstimmung getroffen werden. Von diesen Abstimmungen ist die weitere zeitliche Planung des Umbaus abhängig.“

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Es wäre besser gewesen, wenn die Unternehmen viel früher an der Planung beteiligt gewesen wären
Cornelia Weitekamp, Bezirksbürgermeisterin Lindenthal

„Die mögliche Verlegung einer Fernwärmetransportleitung in der Berrenrather Straße wird derzeit geprüft, um die Arbeiten gegebenenfalls vor oder während des Straßenumbaus durchführen zu können“, so Eugen Ott von der Rhein-Energie. Die Telekom hat auf Nachfrage keine Auskunft zu ihren Plänen gegeben. Bezirkspolitiker und Bürger kritisieren die Situation: Bezirksbürgermeisterin Cornelia Weitekamp hat zwar einerseits Verständnis für das Vorgehen der Stadtverwaltung, andererseits hält sie die weitere Verzögerung für schwierig. „Es wäre besser gewesen, wenn die Unternehmen viel früher an der Planung beteiligt gewesen wären“, sagt sie.

Umbau der Berrenrather Straße in Sülz sollte Pilotprojekt sein

Bezirksvertreter Roland Schüler ist der Ansicht, die Stadt dürfe sich nicht weiter aufhalten lassen. „Die Stadt kann den Unternehmen eine Frist setzen und dann mit dem Umbau anfangen“, betont er. Die Verlegung der Leitungen und Rohre müsse sonst eben später erfolgen oder während der Arbeiten am zweiten Bauabschnitt erst einmal für diesen Teil der Straße. „Ich plädiere für mehr Mut“, so Schüler. Denn die jahrelange Verzögerung des Projekts hat gravierende Folgen. Friedhelm Hilgers, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bezirksvertretung Lindenthal, sieht sie als falsches Signal: „Die Beteiligung der Bürger in Gestalt der Werkstätten und das Ergebnis waren vorbildlich“, sagt er. „Es handelte sich um so etwas wie ein Pilotprojekt. Dass ausgerechnet dieses dann nicht umgesetzt wurde, und die beteiligten Menschen die Früchte ihrer Arbeit nicht ernten konnten, ist tragisch.“

Die Teilnehmer der Bürgerwerkstätten sehen weitere Nachteile der Verzögerung: „Mittlerweile sind ja auch die Kosten für den Umbau explodiert“, sagt der Sülzer Günter Hotes. Nach fast zehn Jahren stelle sich auch die Frage, ob das Ergebnis überhaupt noch der aktuellen Verkehrssituation gerecht würde. Nach Ansicht von Thomas Schmeckpeper, der auch im Viertel wohnt, ist ein schneller Umbau schlicht dringend erforderlich: „Wenn ich hier jeden Tag die Zweite-Reihe-Parker sehe und dann die Kinder, wie sie auf ihren Rädern um sie herum in den Gegenverkehr fahren, wird mir jedes Mal schlecht.“

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