Kindertheater in Sülz schließt: Nach 40 Jahren beendet das Theater an der Berrenrather Straße wegen finanzieller Schwierigkeiten seinen Betrieb.
Aus für bekanntes TheaterDas Casamax-Theater in Sülz schließt Ende des Jahres endgültig

Die Leiterinnen Ragna Kirck und Hille Marks vor der Tür des Casamax-Theaters in Köln-Sülz.
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Warum das Eichhörnchen Knabbernix unter seinem Lieblingsbaum keine Kastanien mehr finden, wie die „Fighters for Future“ die Welt retten möchten oder warum ein gutes Wunder Zeit braucht. Solche spannenden Dinge können junge Menschen in Sülz seit Jahrzehnten im Casamax-Theater erfahren. Zwei Mal waren die Produktionen des Kinder- und Jugendtheaters mit dem Kölner Theaterpreis ausgezeichnet, etliche Male dafür nominiert. Immer wieder pilgerten ganze Schulklassen und Kitagruppen zu der Bühne im Hinterhof der Berrenrather Straße, um Theaterluft zu schnuppern und spannende Geschichten ganz analog fernab von Bildschirmen elektronischer Geräte zu erleben. In diesem Jahr bieten sich noch einige letzte Gelegenheiten für einen Casamax-Besuch. Denn das bekannte Kindertheater schließt am Ende des Jahres seine Türen.
Förderung blieb aus und ist unsicher
Die Gründe, die die beiden Leiterinnen Hille Marks und Ragna Kirck nennen, sind vielfältig: Schon seit Jahren sei es eine Herausforderung, Kindertheater auf dem gleichen hohen Niveau anzubieten – und gleichzeitig „das Prekariat zu verwalten“, sagt Kirck. Die Konzeptionsförderung der Stadt decke nur einen geringen Teil der Betriebskosten und müsse regelmäßig neu beantragt werden, mit unsicherem Ausgang. Die Förderung einzelner Projekte seitens des Landes NRW sei vor zwei Jahren ohne Angabe von Gründen weggefallen. In der Folge konnte das Casamax-Theater jährlich nur noch ein neues Stück produzieren, statt wie vorher zumindest eine Produktion für jede Altersgruppe anzubieten, für die Kita-, die Grundschul- und die älteren Kinder. „Dadurch sinkt natürlich auch die Attraktivität des Theaters“, sagt Kirck. Mangels neuer Stücke kämen die Grundschulklassen und Kitagruppen weniger oft.
Sie könnten auch nicht mehr als zehn Euro pro Karte verlangen. „Sonst wird ein Theaterbesuch für eine Familie mit mehreren Kindern einfach zu teuer“, betont Marks. Die Einnahmen sind somit nicht hoch.

Eichhörnchen Knabberix (Filia Herden l.) und Kastanienbaum Castanea (Megan Fast) gehen eine tiefgreifende Freundschaft ein.
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Gestiegene Kosten und geringer Handlungsspielraum
Die Kosten sind allerdings deutlich gestiegen, vor allem auch, weil nun Mindesthonorare für die Künstler und Künstlerinnen vorgeschrieben sind. Das möchte Kirck ausdrücklich nicht kritisieren. „Das ist natürlich die richtige Entscheidung, aber wir bekommen nicht ausreichend Unterstützung, um die Mindesthonorare auch bezahlen zu können.“
Der Mietvertrag lässt dem Theaterbetrieb auch keinen Handlungsspielraum, der es ermöglichen würde, auf andere Weise Einnahmen zu generieren: „Im Vertrag ist festgelegt, dass wir keine Abendveranstaltungen anbieten dürfen“, sagt Marks. „Um 20 Uhr müssen wir den Betrieb einstellen.“ Das Programm, wie früher einmal geplant, auszuweiten und auch Stücke für junge Erwachsene aufzunehmen, sei daher nicht möglich. Sie könnten das Theater abends und am Wochenende auch beispielsweise für Workshops nicht untervermieten. Denn mittlerweile gehört das Gebäude den Erben ihres ehemaligen Vermieters und eine Erbin wohnt direkt am Hof des Theaters. Den Betrieb dort einzuschränken, sei aus privaten Gründen nachvollziehbar, finden Kirck und Marks, mache die Finanzierung aber schwieriger.
Ära des Theaters – Ende nach 40 Jahren
Als sie nun im Juni vor der Entscheidung standen, ob sie den Mietvertrag noch einmal um ein Jahr verlängern, ohne zu wissen, ob ihr Kindertheater weiter städtische Konzeptionsförderung erhält, was erst im Oktober feststeht –, entschieden sie sich schweren Herzens dagegen, und so endet die Ära des Casamax-Theaters mit dem Jahr.
Sie begann in den goldenen 80er-Jahren, als die Theaterwelt neue künstlerische Wege beschritt, die Szene pulsierte, sich viele Ensembles und freie Theater gründeten, wie die Gruppe um Marks. Sie mietete 1985 das kleine Theater an der Berrenrather Straße, als Kulturforum Casa Maximus, kurz Casamax. Nach der Geburt ihres Sohnes verlegte sie sich 2003 auf Kindertheater. Die Begegnung mit Ragna Kirck 2013, und ihre inhaltliche und konzeptionelle Unterstützung sorgten noch einmal für einen Auftrieb. Doch angesichts der finanziell sich stetig verschärfenden Situation ist der nötige Gestaltungsfreiraum für die künstlerische Arbeit nicht mehr vorhanden. Und was nun? Marks hat schon eine erste Idee: „Ich habe ein Solostück namens ‚Wer? Wie? Was? Wo? Wal. Warum? Der Wal passt in meinen Smart‘.“ Mit dem könne sie auch auf Tour gehen und das Stück an Schulen, Kitas oder anderen Orten zeigen.
