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Umzug der Kölner Oper„Ich kann es kaum erwarten“

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23.06.2026 Köln. Für unsere Umzugsserie "Der größte Umzug Kölns" ein Treffen mit den Leiterinnen der Masken-Abteilung der Oper, Beatrix Abt und Bianca Kurth. Foto: Alexander Schwaiger

23.06.2026 Köln. Für unsere Umzugsserie "Der größte Umzug Kölns" ein Treffen mit den Leiterinnen der Masken-Abteilung der Oper, Beatrix Abt (r.) und Bianca Kurth. Foto: Alexander Schwaiger

In unserer Serie „Der größte Umzug Kölns“ begleiten wir die beiden Leiterinnen der Masken-Abteilung bei ihrem langen Weg zurück an den Offenbachplatz.

Klar, Strom braucht es in einem Opernhaus, damit die Lichter leuchten und die Bühnentechnik funktioniert, aber es sind manchmal die kleinen Dinge, die eine enorme Auswirkung haben. Für die Masken-Abteilung der Kölner Oper ist das ein funktionierender Kühlschrank. Nicht für Verpflegung, sondern für die Aufbewahrung von Schminke.

Drei Kartons mit sogenannten Fettschminken lagern über die Sommerferien nun sicher gekühlt in der Kölner Innenstadt. „Gott sei Dank haben wir den. Sonst wäre das alles kaputt nach dem Urlaub, wenn wir das nicht kühlen könnten. Das wäre ein bitterer Verlust. Das sind ja auch echte Werte“, sagt Bianca Kurth, die  die Abteilung gemeinsam mit Beatrix Abt seit Kurzem leitet.

16 Maskenbildnerinnen und Maskenbildner und zwei Auszubildende arbeiten mit ihnen in ihrer Abteilung, und wenn die Oper Ende September mit dem „Rosenkavalier“ die erste Premiere am Offenbachplatz feiert, dann hat das ganze Team nicht nur einen Umzug zurück in die Innenstadt hinter sich, sondern zwei. Denn nach dem Ende des Interims im Staatenhaus ging es für sie nicht direkt ins neue alte Opernhaus, sondern erst einmal in den Industriehof an der Krebsgasse, direkt hinter dem Offenbachplatz. Von ihren Arbeitsplätzen in dem mit Kisten und Materialien beinahe überquellenden Raum hat man die Oper immer im Blick. 

Immer wieder alles zusammenpacken

Ein Teil Ihrer Ausrüstung war da schon im Staatenhaus, ein Teil im Industriehof, ein Teil in der neuen Oper. In dieser Situation den Überblick zu bewahren, war eine Herausforderung, aber aus der Ruhe brachte sie das nicht: „Da sind wir lange geübt. 2010 ging es los, dass wir an verschiedenen Orten gespielt haben und immer wieder neu packen mussten. Wir haben irgendwann eine Liste zum Abarbeiten gehabt“, sagt Beatrix Abt. „Es ist ja nicht nur so, dass man Schminksachen und Perücken braucht, Haarföhne und Elektrogeräte. Wir mussten teilweise Tische organisieren, Stühle, Spiegel, die da aufgebaut werden. Das war logistisch eine ganz große Herausforderung. Und ehrlich gesagt sind wir froh, wenn es jetzt ein Ende hat.“

Wer Maske hört, denkt vermutlich erst einmal ans Schminken. Aber die Aufgaben des 20-köpfigen Teams sind deutlich umfangreicher und abwechslungsreicher. So stellen sie in stundenlanger Handarbeit Perücken und Bärte her, die sie knüpfen, schneiden und frisieren. 40 bis 60 Arbeitsstunden braucht die Herstellung einer einzelnen Perücke, sagt Biana Kurth. Wobei man immer wieder Pausen machen müsse, einen ganzen Tag könne niemand nur daran arbeiten. Und auch für zahlreiche Special Effects sind sie zuständig. Wenn Blut fließen soll, Narben geschminkt oder falsche Nasen angeklebt werden müssen, sind sie ebenfalls zur Stelle. 

Das braucht viel Vorbereitungszeit. „In den meisten Fällen ist es so, dass der Kostümbildner mit uns Kontakt aufnimmt, sein Konzept erklärt und uns sagt, was und wie er es haben will. Erst danach wissen wir, wie viele Perücken es werden. Gibt es Masken? Gibt es Specials? Wird es mehr Eigenhaar geben?“, sagt Abt. Es gebe auch Ausstattungen, die reine Schminkausstattungen seien. Da muss man wenig vorbereiten. „Aber bei Ausstattungen wie für den ‚Rosenkavalier‘ gibt es schon vier bis fünf Monate Vorlaufzeit. Das muss man einkalkulieren.“ Und natürlich darf nichts, was aktuell gebraucht wird, in einer Kiste am falschen Ort lagern. 

Das Ankommen im Staatenhaus war schwer

Kurth und Abt arbeiten schon lange für die Kölner Oper, sie haben das ganze Interim mitgemacht. Am Anfang sei es schwierig gewesen, im Staatenhaus zu arbeiten, erinnert sich Abt. Es habe keine ausreichende Beleuchtung gegeben: „Im Nachhinein fragen wir uns, wie wir bei dem Licht schminken konnten. Vieles kam erst nach und nach. Wir hatten am Anfang auch diesen harten Steinboden, auf dem man lange stehen musste. Da haben wir dann später eine Matte draufbekommen, damit das ein bisschen abfedert. Viele Kollegen haben gerade im Staatenhaus wegen des Steinbodens Probleme mit den Sehnen bekommen. Daran denkt man ja vorher gar nicht.“

Aber irgendwann hatte sich das Team gut eingelebt und eingearbeitet und mit der Situation arrangiert, sagt Bianca Kurth: „Man gewöhnt sich an alles.“ Die letzten zwei Spielzeiten sei aber schon deutlich geworden, „dass alles marode geworden ist. Es war ja nur für eine kurze Zeit geplant. Dann war etwa der Abfluss verstopft, Sachen sind kaputtgegangen, die nicht für so einen langen Zeitraum geplant waren.“

Wenn eine Oper aufgeführt wird, herrscht nicht nur auf der Bühne, sondern auch dahinter Hochbetrieb. Bei kleineren Produktionen sind sie mit vier bis sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort, aber bei größeren Produktionen steigt diese Zahl deutlich an. Bei „Turandot“ etwa waren 16 Mitglieder des Teams im Einsatz. Mit dem Schminken beginnen sie in der Regel zwei bis anderthalb Stunden vor Vorstellungsbeginn. 

Grundsätzlich machen alle alles, aber ein paar Unterschiede gibt es doch. „Man setzt nicht die ganz jungen Maskenbildner, die gerade erst fertig geworden sind, direkt zu den Solisten. Die brauchen eine andere Betreuung. Da braucht man Berufserfahrung. Die Solisten brauchen auch menschlichen Zuspruch, weil sie unter Spannung stehen. Damit muss man klarkommen“, sagt Beatrix Abt. „Aber ansonsten ist jeder so ausgebildet, dass jeder Perücken und Glatzen machen kann, jeder Männer und Frauen schminken kann.“

Die Vorfreude, nun endlich wieder im Opernhaus am Offenbachplatz zu arbeiten, ist groß. „Ich kann es kaum erwarten, bis wir wieder reinkommen. Es ist ein anderes Arbeiten. Im Staatenhaus waren wir alle in einem Raum, wir hatten nur einen großen Schminkraum. Im Opernhaus haben wir das wieder geteilt: Damen- und Herrenseite, und die Chöre sind auch getrennt vom Solo. Das wird eine Umstellung für uns“, sagt Beatrix Abt. Sie und Kurth wissen noch von früher, wie das ist. „Es gibt aber auch einige Kolleginnen und Kollegen, die es nicht kennen, die nie im Opernhaus waren. Für die ist es komplettes Neuland. Ich glaube, die sind einfach gespannt, wie es wird. Aber ich freue mich jeden Tag, wenn ich in das Gebäude gehen kann.“


Nach mehr als 14 Jahren im Exil kehren die Kölner Bühnen endlich in die Innenstadt an ihren angestammten Platz zurück. Wir begleiten den großen Treck an den Offenbachplatz im Kulturteil mit unserer Sommerserie „Der größte Umzug Kölns“ aus vielen Perspektiven, unter anderem von Sängerinnen, Bühnenarbeitern und Denkmalschützern.

Am 27. September startet die erste Produktion der ersten Saison in der sanierten Riphahn-Oper – mit dem von GMD Andrés Orozco-Estrada dirigierten „Rosenkavalier“. Es gibt am 19./20. September, als Eröffnungsfest, Tage der offenen Tür mit einem Konzert des Opernensembles und am 24. September einen Festakt mit Ensemble, Chor und Diana Damrau als illustrem Gast.