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Mit Himbeere und PuffreisWie „Tante Tobi“ die Nussecke in Köln neu erfand

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Ein junger Mann mit kurzem, rotblonden Haar und Bart steht vor einer Kuchentheke in einem Café.

Tobias Jansen liefert seine Nussecken auch ins Savoca Mercato in Sülz.

Der Kölner Doktorand Tobias Jansen hat eigene Nussecken-Varianten kreiert, die er nun in verschiedenen Kölner Cafés und Läden verkauft. 

Was ist eigentlich aus der guten alten Nussecke geworden? Das fragte sich der Sülzer Tobias Jansen, enttäuscht von dem aktuellen Angebot: „Die Nussecken in den Bäckereiketten enthalten kaum noch Nüsse, sind nur mehlig und krümelig“, sagt er. Seine Großmutter habe sie anders gebacken, voller Haselnusskerne. Der 26‑jährige VWLer hat schon immer gerne gekocht und gebacken. Jetzt entspannt er sich mit dem kreativen Hobby, während er seine Doktorarbeit in Statistik schreibt. Inspiriert von dem Hype um die Zimtschnecken kam er auf die Idee, sich auf Nussecken  zu spezialisieren. Und so kreierte er auf der Basis des großmütterlichen Rezeptes diverse Varianten, nach dem gleichen Bauplan: „Nussecken haben immer einen Mürbeteigboden, dann eine Marmeladenschicht, dann die Röstmasse und obendrauf einen Schokoladenüberzug“, erläutert Jansen.

Experimente mit verschiedenen Nüssen, Schokolade und Marmelade

Er experimentierte mit verschiedenen Nüssen, Früchten und Schokoladensorten und entwickelte vier Grundsorten: eine Nussecke mit Pistazien, Haselnüssen und Holundermarmelade, eine mit Cranberries, Macadamianüssen und Mandeln, eine mit Haselnüssen, Aprikosenmarmelade und Espressoschokolade und eine vegane mit Sauerkirschmarmelade, Sesam, Mandeln und Matcha. Sie fanden nun ihren Weg auf den Markt: Zahlreiche Kölner Gastronomiebetriebe servieren ihren Gästen mittlerweile „Tante Tobis Nussecken“: das Brauhaus Gaffel am Dom, Savoca Mercato und das Bistro Jung und Alt in Klettenberg, das Deli und das Sportcenter Kautz in Sülz, „Hi Daisy“ an der Kyffhäuser Straße. Aktuell hat Jansen auch noch eine saisonale Variante mit Himbeere, Puffreis und Mandeln im Angebot.

Bei der Auswahl helfen ihm Testesser im Freundeskreis und unter den Arbeitskollegen. Sie waren auch die „Versuchskaninchen“ der ersten Stunde und stellten die entscheidende Frage: „Kann man die auch kaufen?“ Jansens Antwort: „Ja, warum eigentlich nicht? So kompliziert kann es ja nicht sein, ein Gewerbe anzumelden.“ Das dachte er.

Einstieg ins Nussecken-Geschäft führte über eine praktische Prüfung

Der Einstieg ins Nussecken-Geschäft geriet dann allerdings doch zu einer längeren Geschichte mit einigen Lektionen: „Sobald man außer Haus liefert, besteht Meisterpflicht“, weiß Jansen jetzt. Das Backhandwerk müsse dann in einem Betrieb ausgeübt werden, in dem auch ein Meister arbeitet.

Auf einer Ladentheke stehen Nussecken in zwei verschiedenen Sorten.

Tante Tobis Nussecken in der Variante Cranberry, Macadamia, Mandel und in der saisonalen Variante mit Himbeer und Puffreis.

Es gäbe aber zwei Ausnahmen, nämlich wenn der Bäcker über 47 Jahre alt ist oder einen Masterabschluss hat. Und da Jansen über einen Master in VWL verfügt, war diese Hürde genommen. Das entband ihn allerdings nicht von der Pflicht, einen „Sachkundenachweis“ zu erbringen, bestehend aus schriftlicher, mündlicher und praktischer Prüfung. Die schriftliche erließ man ihm dank seiner betriebswirtschaftlichen Kenntnisse, die er  im Studium erworben hatte.

Für die Prüfung musste Tobias Jansen verschiedenste Torten backen

Doch die mündliche und praktische Prüfung fanden an zwei Tagen statt, während der er Folgendes backen musste: eine Sahne-, eine Buttercreme-, eine Dauer-, eine Eissplitter- und eine Motivtorte, einen süßen und einen herzhaften Hefeteig, einen Brandteig, zwei verschiedene Kleingebäcke und verschiedene Pralinen. Der Prüfer empfahl ihm, möglichst viele Menschen zum Tortenessen einzuladen.

Aus Platzgründen fand das große Backen bei seinen Eltern statt. Jansens Familie aß mit, der Kegelclub der Mutter, die Nachbarschaft und Kollegen. Nachdem die Prüfung bestanden und die Torten verspeist waren, konnte Jansen sich dann wieder den Nussecken widmen. Der Name „Tante Tobis Nussecken“ ergab sich dann wie von selbst. „Ich fand dann die Alliteration, die gleichen Anfangsbuchstaben von Tante und Tobi, schön“, sagt der Firmengründer.

Die Firma, die er mit zwei Freunden führt, die ihn bei Social Media, Buchführung und Steuern unterstützen, heißt allerdings „Tante Tobis Backwaren“. Denn: „Wer weiß“, sagt Jansen, „vielleicht möchte ich in Zukunft ja auch noch einmal etwas anderes backen.“


„Tante Tobis Nussecken“ sind beispielsweise bei Savoca Mercato, Gottesweg 141, zu haben. Die kleine Variante kostet 2,80 Euro, die größere 4,80 Euro pro Stück.