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Wasserschloss WeißhausKöln will wieder Poleposition im Design – exklusive Einblicke

Im denkmalgeschützten und normalerweise abgeriegelten Wasserschloss in Sülz kann man während der Kölner Designwoche Idd die Arbeiten von 27 Designern sehen.

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26.10.2026 Köln. Die Ausstellung Designers Tower (DT26) findet vom 27. bis 31. Oktober 2026 auf dem Gelände des historischen Weißhaus Wasserschlosses statt. Foto: Alexander Schwaiger

Der Designers Tower (DT26) im Rahmen der Kölner Designwoche findet vom 27. bis 31. Oktober 2026 auf dem Gelände des historischen Weißhaus Wasserschlosses statt.

Wer das schwere Eisentor passiert, lässt augenblicklich den Trubel der Luxemburger Straße in Sülz hinter sich. Auf dem weitläufigen Gelände des historischen Wasserschlosses Weißhaus erhält man dieser Tage seltene Einblicke in die denkmalgeschützte Anlage aus dem 14. Jahrhundert, die sich in Privatbesitz befindet und für gewöhnlich nicht betreten werden darf. Bis zum 31. Oktober werden über 100 Designobjekte im Schloss, im Park und im entkernten Flachbau gezeigt: 27 Designer stellen im Rahmen des neuen Festivals Design Season Cologne „Idd“ (interior design days) ihre Produkte aus (wir berichteten).

Elf kommen aus Köln, so wie Moritz Putzier, der seine blaue, mobile Küche, die Coco Kitchen, mitgebracht hat. Die Kücheninsel mit zwei Gasherdplatten ist flexibel, eignet sich für die Terrasse, den Garten oder für Büros. „Sie kann immer da sein, wo sich das Leben abspielt. Wenn man fertig mit Kochen ist, kann man sie zur Seite schieben oder sie bleibt auf dem Balkon stehen. Und es gibt mehrere Module, mit denen man die Küche erweitern kann“, sagt Putzier.

Wasserschloss Weißhaus Sülz: Design im Schloss, im Park und im Flachbau auf dem Gelände

26.10.2026 Köln. Die Ausstellung Designers Tower (DT26) findet vom 27. bis 31. Oktober 2026 auf dem Gelände des historischen Weißhaus Wasserschlosses statt. Foto: Alexander Schwaiger

Die mobile Küche von Designer Moritz Putzier aus Köln im Schlossgebäude.

Um maximale Flexibilität und multifunktionale Möbel geht es auch bei Designer Alexander Nettesheim, gebürtiger Kölner, der aber in Aachen lebt und arbeitet. Er hat ein Gestell entworfen, das zum Regal, zum akustischen Raumtrenner oder zur Medienwand umgestaltet werden kann: mit Platz für Pflanzen, Bücher oder Notizzettel. Dazu einen Stehsitz aus Holz, der sich für offene Konferenzformate eignet. Wo man nicht lange sitzen soll, sondern nur kurz pausiert, bevor es weitergeht. „Wir entwickeln mobile Büromöbel, die zur modernen Arbeitswelt passen und die man so verändern kann, dass man nicht immer neue Produkte kaufen muss. Bei diesem Gestell ist es auf die Spitze getrieben“, sagt Nettesheim.

26.10.2026 Köln. Die Ausstellung Designers Tower (DT26) findet vom 27. bis 31. Oktober 2026 auf dem Gelände des historischen Weißhaus Wasserschlosses statt. Alexander Nettesheim. Foto: Alexander Schwaiger

Alexander Nettesheim aus Aachen mit seinen agilen und flexiblen Büromöbeln.

Ein Hingucker ist der orangefarbene Stuhl von Designer Fabian Fern aus Düsseldorf, der im leer geräumten und weißen Raum direkt die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Großflächig, kantig, aus Blech: ein Möbelstück, das auch Skulptur sein kann. So geradlinig und dünn, wie das Material ist, vermittelt es zunächst eine gewisse Kälte. Doch es sitzt sich bequem auf dem leicht nach hinten gekippten Stuhl. „Man wird überrascht, wie angenehm das Ganze ist, weil die Rückenlehne federt. Außerdem nimmt das Material schnell die Körperwärme an, ähnlich wie beim Leder“, erklärt Fern. Der Designer ist Jahrgang 1990 und hat zunächst eine Tischlerlehre gemacht.

26.10.2026 Köln. Die Ausstellung Designers Tower (DT26) findet vom 27. bis 31. Oktober 2026 auf dem Gelände des historischen Weißhaus Wasserschlosses statt. Fabian Fern. Foto: Alexander Schwaiger

Designer Fabian Fern zeigt unter anderem seinen orangefarbenen Stuhl, der im Schlossgebäude ausgestellt ist.

Dass Designer wieder mehr knallige Farben verwenden, entspricht dem internationalen Trend, sagt Robin Hapelt, Initiator der „Idd“ und selbst Designer. „Bei den aktuellen Möbel- und Interior-Trends geht es wieder mehr ins Thema Glossy. Die Möbel werden knalliger, poppiger, glänzender.“ Doch nicht immer findet man internationale Tendenzen eins zu eins im deutschen Markt wieder, der habe seine Eigenheiten, so Hapelt.

„Viele beschäftigt weiter das Thema Nachhaltigkeit. Und zwar nicht nur Recycling, sondern auch Zirkularität“, so Hapelt. Dabei sollen Ressourcen und Materialien dauerhaft im Kreislauf erhalten werden. Beliebt ist etwa der Einsatz des Materials Kork, als Tischplatte oder als Stuhlsitz. Neben vielen Vorteilen wie natürlicher Schalldämmung, muss für Kork kein Baum gefällt werden. Die Rinde der Korkeiche wird etwa alle zehn Jahre geschält und wächst einfach nach. Kork kann geschreddert und dann wiederverwendet werden.

26.10.2026 Köln. Die Ausstellung Designers Tower (DT26) findet vom 27. bis 31. Oktober 2026 auf dem Gelände des historischen Weißhaus Wasserschlosses statt. Foto: Alexander Schwaiger

Glasvasen von Pia Hoff auf dem Altar der Schlosskapelle des Sülzer Wasserschlosses Weißhaus.

Auch platzsparende Möbel wie der Hocker mit abschraubbaren Sitzbeinen des Münchner Designers Marcus Götschel für den knappen Wohnraum in einer Großstadt sind ein solcher Trend.

Für Initiator Robin Hapelt ist die Schau im Sülzer Wasserschloss ein Highlight der neuen Kölner Designwoche, die nun zum zweiten Mal parallel zur Messe Orgatec für Büromöbel stattfindet. Er möchte den Designstandort Köln wieder stärken und das internationale Fachpublikum, das wegen der Messe ohnehin in der Stadt ist, für neue Ansätze und junges Interior-Design gewinnen.

Köln konkurriere derzeit mit München und Berlin um die deutsche Poleposition im internationalen Design, so Hapelt. „Deutsches Design hat weltweit eine große Anerkennung, aber es gibt kein Festival, was das aktuell repräsentiert.“ Immerhin sei der deutsche Markt der drittgrößte in Europa.

Köln hat während der Pandemie internationale Stellung im Design verloren

„Seit der Pandemie hat Köln seine Stellung verloren, die Design- und Möbelstadt zu sein. Nach der Pandemie hat das Kopenhagen sehr gut gemacht, in Mailand haben die Online-Formate sehr gut funktioniert. Und Köln hat sich ein bisschen zu sehr ausgeruht auf der Marktführerschaft, die man noch hatte durch die IMM.“ Nach der Neuausrichtung der Möbelmesse sei Köln in Sachen Design „sehr schwach geworden“. Da kam es sehr gelegen, dass Kurator Christian Heufelder für diese Ausstellung über persönliche Kontakte zum Eigentümer des Wasserschlosses, den Berliner Matratzenunternehmer Adam Szypt, das Sülzer Kleinod in einen Design-Parcours verwandeln durfte.

26.10.2026 Köln. Die Ausstellung Designers Tower (DT26) findet vom 27. bis 31. Oktober 2026 auf dem Gelände des historischen Weißhaus Wasserschlosses statt. Robin Hapelt. Foto: Alexander Schwaiger

Initiator der Idd Robin Hapelt im ehemaligen Pool des entkernten Flachbaus auf dem Gelände. Der Bungalow ist auf den Rohbau zurückgebaut worden.

Höhepunkte gibt es einige: von den Glasvasen von Pia Hoff auf dem Altar der neugotischen Schlosskapelle, den Leuchten aus Salzkristallen auf der Betonwand des Flachbaus von der Kölnerin Elisabeth Seidel, bis zu den Objekten im ehemaligen Pool und der ehemaligen Turnhalle. Auch die Bodenvase aus drei langen und schräg übereinander gelegten Rohren von Peter Vosding ist ein Hingucker.

Der geschwungene Sessel aus PET des Berliner Designers Philippe Bietenholz bildet ebenfalls einen angenehmen Kontrast zum historischen Ambiente. Seine Besonderheit: Er stammt aus dem 3D-Drucker. Die Herausforderung sei seine wellige Form gewesen, so der Designer. „Der Druck dauert zwar nur sechs Stunden, aber man braucht Leute, die sehr pionierhaft unterwegs sind. Und man muss dabei sein bei der ersten gedruckten Linie“, sagt Bietenholz. Das Material müsse extra durchgedrückt werden. Drei Versuche hat es gedauert, um den transparenten Stuhl perfekt hinzubekommen, so Bietenholz.

26.10.2026 Köln. Die Ausstellung Designers Tower (DT26) findet vom 27. bis 31. Oktober 2026 auf dem Gelände des historischen Weißhaus Wasserschlosses statt. Philippe Bietenholz. Foto: Alexander Schwaiger

Philippe Bietenholz aus Berlin mit seinem geschwungenen Stuhl aus dem 3-D-Drucker.

Stuhl aus dem 3D-Drucker im historischen Ambiente des Sülzer Wasserschlosses

„Ich habe davor 50, 60 Miniaturen gedruckt, bevor es mit dem großen Druck losging.“ Der Stuhl hat im Weißhaus seine Premiere. Seine rundliche, gewundene Gestalt soll etwas Poetisches vermitteln. „Wenn man darauf sitzt, soll sich die Seele vom Körper lösen“, sagt Bietenholz. Der Stuhl ist stapelbar und eigne sich für den Garten oder Pool. Zwischen 1000 und 2000 Euro wird er je nach Bestellmenge kosten. Bevor es zurück auf den Weg Richtung Eisentor geht, kommt man noch an Gartenmöbeln aus recyceltem Kunststoff vorbei. Die bunte, trublige Designwelt weicht wieder dem Verkehrslärm der Luxemburger Straße.


Die Kölner Design-Woche

Die Design Season Cologne umfasst die Messe Orgatec und die Interior Design Week, kurz „Idd“. Das Festival geht bis zum 31. Oktober. Es finden stadtweit 32 Ausstellungen in 23 Locations statt, mit über 140 Marken. Neben dem Schwerpunkt im Weißhaus Sülz, gibt es noch einen Schwerpunkt in der Südstadt mit dem Wallstudio Cologne in der Vorgebirgstraße oder der Galerie Smend in der Mainzer Straße, im Machwerkhaus Kalk sowie in der Design Post in Deutz. Alle Infos zum Programm gibt es online.

Für die Ausstellung im Weißhaus gibt es täglich nur noch ein Restkontingent an Karten, außer samstags: Da ist restlos alles ausgebucht. Für die übrigen Time-Slots kann man sich auf www.designerstower.de/timeslot-buchen anmelden. Der Eintritt ist frei. (gam)