Die Stadt Köln kontrolliert ab sofort das Tempolimit und die Gewichtsbeschränkung bis 7,5 Tonnen auch auf dem rechten Fahrstreifen Richtung Olpe.
Marode A4-Brücke EifeltorLkw-Fahrer ignorieren das Fahrverbot

Auf der Autobahnbrücke Eifeltor hält sich kaum ein Lkw-Fahrer an die Gewichtsbeschränkung von 7,5 Tonnen.
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Eine Nacht lang ging auf der A4 im Kölner Süden gar nichts mehr. Die Fahrtrichtung war bis Donnerstagmorgen in Richtung Olpe gesperrt. Die Fahrbahnen wurden neu markiert – mit dem Hinweis, den Mindestabstand von 50 Metern einzuhalten. Das gilt für alle Fahrzeuge, auch für Pkw. Zudem dürfen schwere Lastwagen mit einem Gewicht von mehr als 7,5 Tonnen die Brücke zwischen den Anschlussstellen Klettenberg und Eifeltor nicht mehr benutzen. Bisher war das noch erlaubt - allerdings nur auf dem rechten Fahrstreifen.
Für das marode Bauwerk aus dem Jahr 1956 ist das im wahrsten Wortsinn überlebenswichtig. Brückenexperten hatten in den vergangenen Wochen bei ihren Kontrollen festgestellt: Wenn einzelne Schwerlaster mit bis zu 44 Tonnen Gewicht langsam und mit dem vorgeschriebenen Abstand über die Brücke fahren, ist das kein Problem. Bei einem Stau direkt auf der Brücke sieht das schon deutlich kritischer aus. Für Schwerlaster über 44 Tonnen ist der Bauwerk tabu. Das wird sich erst ändern, wenn der Neubau steht.
Deshalb hat die Autobahn GmbH groß- und kleinräumige Umleitungen eingerichtet, Schilder aufgestellt – und appelliert an alle, die Schutzmaßnahmen „konsequent einzuhalten“.

Die Unterseite der Brücke ist mit einem Holzgerüst ausgekleidet, um Kontrollen vornehmen zu können.
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Am Donnerstagmorgen sieht die Realität auf der A4 ganz anders aus. Der Schwerlastverkehr benutzt weiterhin die marode Brücke, als ob nichts wäre. Vom Mindestabstand, den die Behörde anordnet, keine Spur.
Eigentlich ist alles geregelt. Lkw mit Ziel Güterbahnhof Eifeltor sollen bereits an der Anschlussstelle Köln-Klettenberg abfahren und über lokale Umleitungsstrecken ans Ziel kommen. Schwerer Fernverkehr wird sogar schon am Autobahnkreuz Köln-West großräumig umgeleitet. Der Güterbahnhof Eifeltor bleibt dabei laut Autobahn GmbH weiterhin erreichbar. Der Zugverkehr unter der Brücke läuft voll nach Plan. Doch an die Umleitung halten sich nur wenige Lastwagenfahrer. Die Brücke wird weiter belastet, die neuen Regeln werden ignoriert.
Seit Donnerstagmittag kann das teuer werden. Die Stadt hat die Messungen der Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und des zulässigen Gesamtgewichts von 7,5 Tonnen, die seit dem 18. Dezember 2025 vorgenommen werden, auch auf den rechten Fahrstreifen Richtung Olpe ausgedehnt.
270.000 Fahrzeuge pro Tag
Zum Einsatz kommt ein Verkehrsüberwachungssystem mit Energieversorgung durch Brennstoffzellen, das die Physikalisch-Technische Bundesanstalt im März 2025 zugelassen hatte. Im Schnitt verkehren pro Tag rund 135.000 Fahrzeuge je Fahrtrichtung, insgesamt passieren somit rund 270.000 Fahrzeuge täglich das Brückenbauwerk. „Die Autobahn GmbH hat uns mit der Umsetzung der Kontrollen beauftragt, die Bezirksregierung Köln die Kontrollen genehmigt“, sagt ein Stadtsprecher.
Gewichts- und Geschwindigkeitskontrollen laufen – doch das reicht noch nicht aus, um die Brücke dauerhaft für Fahrzeuge bis 44 Tonnen Gesamtgewicht freizugeben. „Dazu brauchen wir die Schrankenanlage und ein Ableitungssystem für alle Lkw, die das zulässige Gesamtgewicht überschreiten“, sagt eine Sprecherin der Autobahn GmbH. „Die gibt es nicht von der Stange. Wir werden sie erst im Sommer bekommen.“
So lange gilt das Fahrverbot für alle Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen Gesamtgewicht. „Wenn die Schrankenanlage in Betrieb ist, können wir auf der rechten Spur wieder Lkw-Verkehr bis 44 Tonnen zulassen. Die Messungen sind äußerst wichtig, weil auf dieser Strecke sehr viele überladene Lkw unterwegs sind.“
Kommt der Neubau jetzt doch früher als 2028?
Die Sorgen, dass das Bauwerk komplett gesperrt werden muss, bis die Schrankenanlage steht, sind nicht unbegründet. Bei der Autobahn GmbH hofft man, dass die Blitzer und Gewichtsmessungen auf der rechten Fahrspur Wirkung zeigen. Die Warnung ist unmissverständlich: Sollte sich zeigen, dass die Maßnahmen nicht ausreichen, um das Bauwerk nachhaltig zu entlasten, „kann eine vollständige Sperrung der A4 in Fahrtrichtung Olpe am Bauwerk Eifeltor bis zur Inbetriebnahme der Schrankenanlage nicht ausgeschlossen werden.“
Spaziergänger sind beunruhigt und berichten, unter der Brücke sei ein Knarzen zu hören. Deren Unterseite ist mit einem Holzgerüst versehen. Eine Sprecherin der Autobahn GmbH gibt Entwarnung: „Das Gerüst dient als Zugang, um über den Schienen Kontrollen durchführen zu können.“
Nach Informationen unserer Zeitung wird in Fachkreisen bereits darüber diskutiert, den Neubau zumindest des Brückenteils, der aus dem Jahr 1956 stammt, vorzuziehen. Bisher ist das erst für 2028 geplant, weil die Bahnstrecke wegen einer Generalsanierung eh gesperrt werden muss. „Nach dem Ausfall der Bonner Nordbrücke müssen wir ernsthaft prüfen, ob wir auf der A4 ein derartiges Risiko eingehen wollen“, sagt ein Insider.
