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„Echte Katastrophe“Verstopfte Straßen im Rhein-Erft-Kreis durch Sperrung der Autobahn 4

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Das Foto zeigt die Verkehrsbelastung auf der Luxemburger Straße in Efferen.

Die Verkehrseinschränkungen auf der Autobahn 4 sorgen für erhebliche Staus auf Hürther Stadtgebiet, hier an der Luxemburger Straße in Efferen.

In Hürth bildeten sich lange Staus auf nahezu allen wichtigen Verkehrsachsen. Nach Aufhebung der Sperrung soll sich die Lage entspannen.

Die Verkehrseinschränkungen auf der Autobahn 4 im Bereich des Bauwerks Eifeltor sorgen seit Wochen für verstopfte Straßen im südlichen Rhein-Erft-Kreis. Durch die Vollsperrung des Abschnitts zwischen dem Autobahnkreuz Köln-West und Eifeltor hat sich die Lage seit Ende vergangener Woche noch einmal verschärft. Besonders betroffen ist Hürth. Doch es gibt Hoffnung auf Entlastung: Am Donnerstagabend (16. Juli) wurde der gesperrte Streckenabschnitt wieder freigegeben. Die Auffahrt an der Anschlussstelle Klettenberg in Fahrtrichtung Olpe bleibt allerdings noch bis zum 1. August gesperrt.

An vielen Stellen im Hürther Stadtgebiet zeigte sich zuletzt ein ähnliches Bild. Auf nahezu allen wichtigen Verkehrsachsen, darunter die Luxemburger Straße, Frechener Straße, Horbeller Straße, Sudetenstraße, aber auch auf Nebenstraßen staute sich der Verkehr. Immer wieder standen auch Lastwagen in den Autokolonnen. Auch auf den Ausfallstraßen in Richtung Köln ging zeitweise kaum noch etwas, weil sich der Verkehr vor dem überlasteten Militärring in Köln zurückstaute.

Hürth: Staus auf nahezu allen wichtigen Verkehrsachsen

„Die Vollsperrung der A4 führt derzeit zu einer erheblichen Belastung für Hürth“, sagt Bürgermeister Dirk Breuer. „Das macht sich insbesondere auf den innerstädtischen Straßen bemerkbar und sorgt für spürbare Einschränkungen im Alltag vieler Bürgerinnen und Bürger. Gerade zu Beginn der Sommerferien ist diese Situation besonders unglücklich.“

Von einer „echten Katastrophe“ spricht Hans-Josef Lang, Ortsvorsteher von Hermülheim und Kalscheuren. „Die aktuelle Verkehrssituation ist eine Zumutung, nicht nur für die Hürther Bürgerinnen und Bürger. Auch die Pendler tun mir leid. Die können ja nichts dafür, dass sie durch unsere schöne Stadt fahren müssen.“

Hürth: Straßen laut Polizei auch außerhalb der Stoßzeiten stark belastet

„Wir registrieren zurzeit ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen“, bestätigt Polizeioberkommissar Hauke Weigand von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde. Auffällig sei, dass Strecken wie die Luxemburger Straße auch außerhalb der Stoßzeiten stark belastet seien. „Wir haben zurzeit eine Dauerbelastung“, sagt Weigand.

Mobilitätsexperte Roman Suthold vom ADAC Nordrhein, der selbst in Hürth wohnt, führt die aktuelle Lage vor allem auf die Einschränkungen auf der A4 zurück. Um das marode Bauwerk Eifeltor zu schützen, hat die Autobahn GmbH während der Vollsperrung eine Schrankenanlage errichten lassen. Sie soll künftig Fahrzeuge mit mehr als 44 Tonnen automatisch an der Anschlussstelle Klettenberg von der Autobahn ableiten. Derzeit wird dort noch eine Wendemöglichkeit für falsch auffahrende Fahrzeuge gebaut.

Die aktuelle Verkehrssituation ist eine Zumutung
Hans-Josef Lang, Ortsvorsteher

Durch die Sperrung werde der Verkehr von der Autobahn ins nachgelagerte Straßennetz gedrückt, erklärt Suthold: „Das muss man sich vorstellen wie beim Wasser. Wird ein Weg blockiert, sucht es sich neue. Und zwar nicht nur an einer, sondern an vielen Stellen.“ Viele Autofahrer orientierten sich heute am Navigationssystem. „Das leitet einen direkt auf Nebenstraßen, wenn auf der Hauptstrecke Stau ist.“ Das betreffe vor allem Pkw, während Lkw-Fahrer eher auf der Autobahn blieben und den weiträumigen Umleitungen folgten.

Dass dennoch viele Lastwagen in den Staus auf den Hürther Straßen stehen, erklärt Suthold mit dem örtlichen Quell- und Zielverkehr. Weil Fahrzeuge derzeit nicht an der Anschlussstelle Klettenberg auf die Autobahn fahren können, müssten sie auf andere Anschlussstellen – etwa an der A553 in Brühl oder der A1/A61 bei Erftstadt – ausweichen. „Die fahren dann zum Teil über Nebenstraßen, wo sie sonst nie langgefahren wären“, sagt der Experte vom ADAC.

Hürth: Arbeitskreis Wirtschaft sieht den Verkehr als Standortnachteil

Suthold rechnet damit, dass sich die Lage nach der Aufhebung der Vollsperrung auf der Autobahn entspannen wird. Bürgermeister Breuer sagt: „Wir verfolgen die Entwicklung aufmerksam und hoffen, dass sich mit der schrittweisen Aufhebung der Sperrung die Verkehrslage möglichst schnell wieder normalisiert.“

Langfristig dürfte die Verkehrssituation im südlichen Rhein-Erft-Kreis und im Kölner Westen jedoch angespannt bleiben. Darauf verweist auch ADAC-Experte Suthold mit Blick auf geplante Großbaustellen wie den Umbau der Kreuzung Luxemburger Straße/Militärringstraße sowie den vierspurigen Ausbau der Luxemburger Straße in der Ortsdurchfahrt von Efferen hin.

Auch Guido Mumm, Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft Hürth, hofft, dass sich die Verkehrslage durch die Aufhebung der Vollsperrung und die Sommerferien erstmal entspannt. Zugleich rechnet auch er damit, dass Unternehmen und Beschäftigte in den kommenden zwei bis drei Jahren immer wieder mit erheblichen Verkehrsbehinderungen konfrontiert würden. Mumm: „Das ist ein echter Standortnachteil.“