Per Dringlichkeitsentscheidung durch den OB und ein Ratsmitglied schafft die Stadt Köln die Frist für Förderprogramm des Bundes. Insgesamt elf Projekte kommen für Zuschüsse infrage.
Antrag in letzter MinuteWaldbad Dünnwald soll mit Geldern aus der Sportmilliarde gerettet werden

Das Waldbad Köln-Dünnwald könnte mit Geldern aus der sogenannten „Sportmilliarde“ gerettet werden.
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Die Stadt Köln plant, Gelder aus der sogenannten „Sportmilliarde“ des Bundes zu beantragen. Das bestätigte ein Sprecher der Verwaltung dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Mittwoch auf Anfrage. Details wollte er einen Tag vor Ablauf der durch den Bund gesetzten Antragsfrist am heutigen Donnerstag nicht nennen. Diese seien Gegenstand einer Dringlichkeitsentscheidung des Rates, die gerade innerhalb der Verwaltung abgestimmt werde.
Diese Entscheidung ist dann am Mittwoch noch durch den Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester und ein Ratsmitglied gefällt worden. Das ist möglich, wenn die Zeit drängt und eine Zustimmung des Rates als sehr wahrscheinlich gilt.
Elf Projekte kommen für Zuschüsse infrage
Es wurde also gerade noch rechtzeitig gehandelt, um im Rennen um die Gelder aus der Bundesförderung „Sanierung kommunaler Sportstätten“ zu bleiben. Elf möglicherweise förderfähige Projekte mit prognostizierten Gesamtkosten von insgesamt rund 30 Millionen Euro hat die Verwaltung demnach ausgemacht, unter anderem den Ersatzneubau des Beckens und eine Generalsanierung der zugehörigen Anlagen des Freibads Dünnwald für knapp 8,5 Millionen Euro. Der Bund würde bei einem positiven Bescheid bis zu 45 Prozent der Kosten tragen.
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Am 16. Oktober hatte Bundesbauministerin Verena Hubertz bekannt gegeben, dass im Rahmen eines Projektaufrufs 2025/2026 Bundesmittel in Höhe von 333 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität für die Sanierung der Sportinfrastruktur im Land zur Verfügung stehen. Insgesamt will die Bundesregierung den Kommunen in der laufenden Legislaturperiode mit einer Milliarde Euro bei der Instandhaltung ihrer Sportstätten unter die Arme greifen. Bis zum 15. Januar 2026, so Hubertz im Oktober, könnten die Kommunen ihre Interessensbekundungen einreichen. Welche Projekte dann letztlich gefördert werden, entscheidet der Haushaltsausschuss des Bundestags.
Stadtrat muss im Nachhinein noch zustimmen
Die einzelnen Kommunen wissen bisher also nicht, womit sie rechnen können. In der Verwaltungsvorlage zur Kölner Dringlichkeitsentscheidung, die der Rat – wie in solchen Fällen üblich – in seiner nächsten Sitzung am 5. Februar im Nachhinein noch genehmigen muss, heißt es: „Da zum aktuellen Zeitpunkt davon ausgegangen wird, dass nicht alle Projekte vom Fördermittelgeber ausgewählt werden, wird erst im Zuge der zweiten Phase der Antragstellung über die konkrete Finanzierung der Maßnahmen entschieden werden.“ Das Sportamt stehe hierzu „in engem Austausch mit der Kämmerei, um auch die Vereinbarkeit mit der aktuellen restriktiven Mittelbewirtschaftung sicherzustellen“.
Das Dilemma der Stadt Köln: Sie ist aktuell so knapp bei Kasse, dass kaum etwas geht. Da könnten die Fördergelder des Bundes ein Segen sein. Doch diese gibt es nur, wenn die Stadt einen Eigenanteil von mindestens 55 Prozent der Kosten tragen kann. Gefördert werden sollen Projekte der Kommunen für Sportstätten mit „besonderer regionaler oder überregionaler Bedeutung“. Einrichtungen, die überwiegend dem Spitzen- oder Profisport dienen oder kommerziell betrieben werden, sind nicht förderfähig.
Stadt hofft auf mindestens ein gefördertes Projekt
Möglichkeiten zu einer Bundesförderung sieht die Stadt Köln bei folgenden Sanierungsfällen: Sportanlage Rendsburger Platz, Sportfreianlage Stresemannstraße, Vereins- und Funktionsgebäude des SC Brück und am Fort VI Deckstein, Prälat-Ludwig-Wolker Bezirkssportanlage, Sportfreianlage St.-Tönnis-Straße sowie verschiedene Kunstrasenplätze im Kölner Stadtgebiet. Außerdem kommen demnach folgende Projekte mit Vereinsbeteiligung infrage: Das Dünnwalder Freibad, die Sportanlage des Tennisklub Grün-Gold, eine Hockeyspielfeldfläche beim Marienburger SC und ein Vereins- und Funktionsgebäude des FC Pesch.
„Aus Sicht der Stadt Köln wäre es erfreulich, wenn mindestens ein Projekt durch die Bundesmittel gefördert wird“, teilte ein Sprecher am Mittwoch mit.
Köln hatte bislang keine Mittel beantragt
In den vergangenen Jahren ist Köln vor allem dadurch aufgefallen, keine Mittel aus Bundes-Sportstättenförderungen beantragt zu haben. Die „Sportschau“ hatte Mitte des vergangenen Jahres zusammengetragen, welche deutschen Großstädte in welchem Umfang vom bis dato letzten Bundesprogramm zur Sportstättensanierung (2,2 Milliarden Euro von 2015 bis 2023) profitiert haben. Das Ergebnis: Spitzenreiter waren Hamburg und Berlin mit 21 und 15 geförderten Projekten. Duisburg auf Platz drei bekam schon nur bei fünf Projekten Bundesgelder.
Und Köln? Nichts. Die Stadt teilte der „Sportschau“ damals mit, dass die „personellen Kapazitäten für Planung, Koordination und Abwicklung eines über Jahre angelegten Förderprojekts nicht gegeben“ gewesen seien. Diesmal hat die Verwaltung es offenbar geschafft, sich zumindest um eine Förderung zu bemühen – wenn auch auf den letzten Drücker. Es bleibt das Problem, dass trotz klammer Kassen Eigenmittel aufgebracht werden müssen.
Und die Frage, nach welchen Kriterien der Haushaltsausschuss entscheidet. Die „Sportschau“ sah einen möglichen Zusammenhang zwischen den vielen geförderten Projekten in Hamburg und den drei Hamburger Abgeordneten, die im damaligen Vergabezeitraum im Haushaltsausschuss in Berlin mitwirkten. Kölner Bundestagsabgeordnete sind in diesem Gremium aktuell nicht vertreten.

