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Einziges Kölner Gymnasium im Startchancen-ProgrammGenoveva-Gymnasium feiert 150-jähriges Bestehen

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Eine Frau steht in einem Schulfoyer.

Susanne Gehlen leitet das Genoveva-Gymnasium. 

Das Genoveva-Gymnasium wurde 1876 als „Städtische höhere Mädchenschule“ gegründet. Nun ist es Teil des Startchancen-Programms.

„Das Genoveva ist schon immer ein Gymnasium für Menschen, die nicht im Zentrum der Bildungspolitik stehen“, sagt Schulleiterin Susanne Gehlen, „angefangen damit, dass es 1876 als Mädchenschule gegründet wurde“. Heute, 150 Jahre später, ist es laut Gehlen vor allem ein Gymnasium für Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern.

„Wir kriegen immer wieder gesagt, dass wir so viele Kinder mit Migrationshintergrund hätten, und das stimmt, aber das ist nicht die Herausforderung, die wir haben, die Herausforderung ist die Bildungsferne“, betont die Schulleiterin. „Dass bildungsferne Elternhäuser häufig eine Migrationsgeschichte haben, das ist ein Politikum“.

Die inklusive Schule habe sehr viele Kinder mit Förderbedarf sowie Kinder mit Deutsch als Zweitsprache und Kinder aus armen Haushalten, das stelle vor besondere Herausforderungen, vor allem dabei die Gymnasiallehre beizubehalten. „Ein Beispiel dafür ist, dass mich während der Corona-Zeit ein Achtklässler gefragt hat, welches Fach besonders wichtig ist, bei welchem er nicht fehlen dürfe“, erinnert sich Gehlen.

Köln-Mülheim: Genoveva-Gymnasium wird 150 Jahre alt

Sie habe geantwortet, dass natürlich alle Fächer am wichtigsten sind und er bei keinem fehlen dürfe. Daraufhin habe der Schüler gesagt, dass er sich sein Zimmer mit seinen drei Brüdern teile und sie nur ein iPad hätten, dass sie sich teilen müssten. „Das hat mir mal wieder gezeigt, wie sehr wir Bildung für Kinder mit Ressourcen machen“, sagt Gehlen, „und solche Momente haben wir immer wieder, in denen wir von den Schülerinnen und Schülern lernen, auch in Bezug auf Inklusion und Rassismus. Man wird hier täglich bei seinen Klischees erwischt, das ist schön.“

Hinter einem Schulhof steht ein mehrtöckiges weiß getünchtes Gebäude.

Das Genoveva-Gymnasium feiert sein 150-jähriges Bestehen.

Dass die Schule seit dem laufenden Schuljahr Teil des Startchancen-Programms ist, sei folgerichtig. „Unsere Schülerinnen und Schüler haben geringere Chancen beim Start ihres Bildungswegs, das ist einfach so“, sagt Gehlen. Mit dem Programm werden in NRW 923 Schulen mit einem großen Anteil sozioökonomisch benachteiligter Schülerinnen und Schüler gefördert. Es zielt ab auf die Stärkung der Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen sowie der sozialen und emotionalen Kompetenzen.

Mülheimer Gymnasium ist Teil des Startchancen-Programms

Das Genoveva-Gymnasium in Mülheim, ist das einzige Kölner Gymnasium, das Teil davon ist. „Auf Gymnasien sind selten Kinder, die Startchancen brauchen, die haben das in der Regel“, sagt Gehlen, „Bei uns aber eben nicht, deshalb ist das eine riesige Chance. Wir wollen Schule verändern“. Mit der Förderung wolle die Schule zunächst vor allem die mentale Gesundheit und soziale Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften stärken. Denn Gehlen ist überzeugt, dass die Kernkompetenzen dann viel einfacher zu erlernen sind. Zudem wolle die Schule aber auch mit dem Programm die Elternarbeit ausbauen. „Wenn Eltern uns vertrauen, dann vertrauen die Kinder uns“, sagt Gehlen, „wenn die Eltern und Kinder mit uns reden und wir gegenseitiges Vertrauen haben, schaffen wir ganz viel.“

Für Gehlen sei all das schon immer der Kern des Genoveva-Gymnasiums. „Seit 150 Jahren wird hier Schule für Menschen gemacht, die von der Politik vernachlässigt werden“, sagt Gehlen, „wir bemühen uns, das funktioniert gut und das ist doch ein Grund zum Feiern.“ Und das tut die Schule mit einem Festakt und Schulfest am 19. Juni und einem vielfältigen, kostenlosen Kulturprogramm. So findet unter anderem am 11. Mai um 18 Uhr ein Schulkonzert und am 28. Mai um 18 Uhr ein Live-Podcast mit Burak Yilmaz und Abdul Kadir Chahin zum Thema Chancengleichheit und Bildung statt.