Am 16. Mai ist für den TC 80 Aufschlag im Tennis-Oberhaus. Im Interview verraten Mario Kremann und Daniel Claus, was auf den Verein zukommt.
ErstligareifDas erwartet die Gummersbacher Tennisherren demnächst in der Bundesliga

Vorfreude herrscht bei den Gummersbacher Spielern: o.v.l. : Niklas Terhorst , Marcel Brosius, Trainer Patrik Reither, Mario Kremann, Lennart Frymel, Niko Bertrams, Yannick Assion; u.v.l.: Uwe Fleischer, Daniel Claus, Niklas Twardy, Benedikt Heintze, Jonas König, Vincent Jülich.
Copyright: TC 80 Gummersbach
Mit dem Spiel beim Uhlenhoster HC Hamburg startet der TC 80 Gummersbach am Samstag, 16. Mai, 11 Uhr, in die Saison der Tennis-Bundesliga Nord der Herren 30. Was alles für den Aufsteiger anstand, bevor es losgeht, und wie die Erwartungen sind, darüber sprach Andrea Knitter mit Mannschaftskapitän Mario Kremann und Daniel Claus, die zum fünfköpfigen Organisationsteam für die Bundesliga gehören.
Was bedeutet der Aufstieg in die Bundesliga für Sie?
Mario Kremann: Ich hätte privat nie damit gerechnet, jemals in der Bundesliga zu spielen. Es ist einfach cool zu sagen, dass man in der höchsten Liga antritt.
Daniel Claus: Ich habe mit vier Jahren angefangen Tennis zu spielen und man arbeitet darauf hin, so hoch wie möglich zu spielen. Doch mit der Bundesliga hätte auch ich nicht gerechnet. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen.
Gummersbacher setzen auf eigenen Nachwuchs
Kremann: Den Aufstieg macht so besonders, dass wir ihn mit eigenen Spielern bewerkstelligt haben. Ich spiele seit 2013 für den TC 80 und es ist toll mit der Truppe. Es war der Plan peu à peu Spieler aus den Herren in die Mannschaft hochzuziehen und das hat geklappt.
Ganz ohne Spitzenspieler zu verpflichten, geht es aber auch nicht, oder?
Kremann: Nein, ohne sie geht es nicht. Wir haben mittlerweile einen Stamm von Spielern, die schon länger für uns antreten, wie zum Beispiel Jannick Lupescu, der aus den Niederlanden kommt und als Junior bei den Australian Open das Doppel gewonnen hat. Er spielt schon seit vier Jahren für uns.

Kapitän Mario Kremann (l.) und Daniel Claus gehören zum Gummersbacher Organisationsteam für die Bundesliga.
Copyright: Andrea Knitter
Claus: Uns ist wichtig, dass sie sich bei uns wohlfühlen, dann kommen sie auch gerne.
Kremann: Wir haben in diesem Jahr aber auch einen echten Königstransfer. Jonas König wohnt in Bergisch Gladbach, war Profi und stand in der ATP-Weltrangliste auf Position 1070. Er ist bei einem ITF-Turnier auch gegen Alexander Zverev angetreten. Für uns ist er ein echter Glücksfall, zumal er schon im Winter bei uns im Training war. Der zweite Königstransfer ist Henri Laaksonen, ein Schweizer mit finnischen Wurzeln, der mit Roger Federer im Davis-Cup gespielt hat und in der Weltrangliste unter den besten 100 aufgeführt war.
Gummersbacher Durchmarsch bis in die Bundesliga
Tritt ein solch hochkarätiger Spieler nur für den TC 80 Gummersbach an?
Kremann: In einer Mannschaft darf er in Deutschland nur für uns spielen.
Was macht die Stärke Ihrer Mannschaft aus, die den direkten Durchmarsch bis in die Bundesliga geschafft hat?
Claus: Das liegt auch am Altersunterschied, durch Niklas Twardy, Jahrgang 1994, und Niklas Terhorst, Jahrgang 1993, die in die Herren 30 hochgerutscht sind, haben wir uns extrem verbessert.
Kremann: Die vergangene Saison war aber auch komisch. Wir hatten nur vier Spiele in der Regionalliga und haben alle vier mit 7:2 gewonnen. Mitte der Saison kam dann der Gedanke auf, dass wir aufsteigen könnten und wir haben uns gefragt, was dann alles auf uns zukommt. Wichtig war von Anfang an, die Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen.
Uns ist wichtig, dass sie sich bei uns wohlfühlen, dann kommen sie auch gerne.
Was ist denn alles auf Sie zugekommen?
Claus: An erster Stelle, dass der Etat deutlich höher ist als in der Regionalliga. Das zeigt sich allein bei den Schiedsrichterkosten von 1500 Euro pro Heimspiel. Neben einem Oberschiedsrichter kommen noch drei Stuhlschiedsrichter hinzu. Wir spielen samstags ab 11 Uhr. Kommen Mannschaften von weiter her schon am Freitag, müssen wir ihnen Tennisplätze zum Training anbieten. Außerdem müssen wir einen Besaiter stellen.
Kremann: Im Oktober kam die E-Mail vom Deutschen Tennisbund mit den 25 Mindestanforderungen. Dazu gehören die Anzahl der Parkplätze und die getrennten Umkleidekabinen für die Mannschaften. Da wir nur zwei Kabinen haben, eine für die Frauen und eine für die Männer, werden wir bei den drei Heimspielen einen Toilettenwagen bereitstellen, damit keine Besucherin und kein Besucher die Kabinen betreten muss. Dazu brauchen wir Schiedsrichterstühle, die wir glücklicherweise über einen Arbeitskollegen ausleihen können.
Großer Auftritt für die Gummersbacher Ballkinder
Gibt es besondere Voraussetzungen für die Anlage, um Bundesliga spielen zu dürfen?
Claus: Nein, man braucht drei Spielplätze und einen Einspielplatz, das haben wir. Die Bälle werden früher gewechselt, so gibt es nach neun beziehungsweise elf Games jeweils neue Bälle. Bei unseren Heimspielen setzen wir auf dem Center Court geschulte Ballkinder aus unserem Verein ein. Sie unterstützen die Spieler aktiv auf dem Platz und erleben das Spielgeschehen somit hautnah. Die Verpflegung der gegnerischen Mannschaft übernehmen wir ebenfalls.
Wie viele Mannschaften spielen in der Bundesliga der Herren 30?
Claus: Es sind jeweils acht Mannschaften in der Liga Nord und der Liga Süd. Wir haben also sieben Spiele, von denen drei Heimspiele sind. Am Ende der Saison steigen die letzten beiden Teams der Tabelle ab, die ersten beiden spielen mit den beiden Erstplatzierten der Liga Süd den Meister aus.
Kremann: In unserer Liga Nord treten sieben Mannschaften aus Nordrhein-Westfalen an, dazu kommt das Team aus Hamburg. Mit den Auswärtsspielen zum Auftakt in Hamburg und Gütersloh haben wir direkt zwei wichtige Spiele im Kampf um den Klassenerhalt vor der Brust. Unser erstes Heimspiel am Samstag, 30. Mai, ist mit dem TC Bredeney gegen den amtierenden Deutschen Meister und dem erneuten Favoriten auf den Titel.
Uns war von Anfang an wichtig, dass der Verein selber von den Kosten nicht berührt wird.
Was sagen die anderen Vereinsmitglieder darüber, dass mit dem Aufstieg solche Kosten anfallen?
Kremann: Uns war von Anfang an wichtig, dass der Verein selber von den Kosten nicht berührt wird. Der TC 80 boomt, was die Mitglieder angeht. Vor Corona hatten wir 130 Mitglieder, jetzt sind es über 200. Für sie gibt es keinen Cent weniger in der Kasse.
Wie schaffen Sie das?
Claus: Wir haben kräftig die Werbetrommel gerührt. Besser gesagt, hat das zu 90 Prozent Mario Kremann gemacht. Unsere Anfragen sind sehr positiv angenommen worden. Wir haben eine breitgefächerte Anzahl von Sponsoren von klein bis groß. So werden uns unter anderem auch die Busse für die Fahrt zum ersten Spiel nach Hamburg gestellt.
Kremann: Immerhin sind bei der Premiere rund 30 Leute in Hamburg dabei. Es war viel Arbeit, doch im Januar stand der Etat.
Intensives Training für die Gummersbacher Spieler
Wie hat sich mit Blick auf die Bundesliga die sportliche Vorbereitung verändert?
Claus: Der Trainingsplan ist deutlich mehr geworden.
Kremann: Neben den zwei festen Trainingstagen haben wir alle mehr Vorbereitungsturniere gespielt. Einige von uns sind zudem zu einer Trainingswoche nach Mallorca geflogen. Zudem haben wir die Möglichkeit, bei den ersten Herren in der 1. Verbandsliga in den ersten beiden Saisonspielen Matchpraxis zu sammeln. Beide Spiele finden vor unserer Premiere statt. Alle sind heiß auf die Bundesliga und haben sich gut vorbereitet, denn alle wissen, dass sie nur in Topform bestehen können. Wie gesagt, wir wollen uns nicht den Klassenerhalt erkaufen, sondern in jedem Spiel mit mindestens 60 Prozent einheimischer Spieler antreten. Das ist unsere Philosophie und so soll es auch bleiben.
Claus: Es gilt damit, dass bei uns die besten oberbergischen Spieler zu sehen sind. Wir haben zwölf Leute im Training und es wird nach dem Leistungsprinzip aufgestellt. Eine Mannschaft muss eine Seele haben und das sind die einheimischen Spieler. Es war in der Vorbereitung auch ein Vorteil, dass das Wetter in diesem Jahr so gut war und wir schon früh auf die Aschenplätze konnten. Dadurch haben wir uns auch zwischendurch noch zum Training verabredet.
Es ist noch ein bisschen hin, aber was erwartet die Zuschauer beim ersten Bundesligaheimspiel und wie viele Besucher erwarten Sie?
Claus: Wir möchten den Tag grundsätzlich sehr familienfreundlich gestalten. Der Parkplatz direkt am Tennisheim bleibt autofrei und wir bauen für die Kinder eine Hüpfburg auf, es gibt ein Catering und am Platz selber werden kleine Zuschauertribünen aufgestellt.
Kremann: Die Resonanz ist groß und wir hoffen auf rund 200 Zuschauer bei den Heimspielen, was für Tennisspiele sehr gut ist.
Sie sind im September aufgestiegen und mussten bis Mai warten, bis es endlich los geht. Mit welchem Gefühl blicken Sie auf den Start?
Claus: Let the party begin!
Kremann: Wir haben nichts zu verlieren.

