SchulenBeim Offenen Ganztag in Burscheid könnte es einen Wechsel geben

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Die Grundschule Dierath

Ab August haben auch die Erstklässler der Grundschule Dierath einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung.

Der Rechtsanspruch ab August bietet Gelegenheit, die Leistung des „Förderverein Betreuungsangebote“ kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Wie gut ist der „Förderverein Betreuungsangebote in Burscheid“? Gut genug für viel mehr Kinder, die möglicherweise ab dem nächsten Schuljahr den ganzen Tag versorgt werden müssen? Ab dem 1. August haben zunächst Kinder in der ersten Grundschulklasse einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz. Binnen vier Jahren kann sich also die Zahl der betreuten Kinder vervierfachen, im Prinzip.

Packt das der FV BiB, wie sich der Verein selbst abkürzt? In der CDU-Ratsfraktion hat man daran ganz erhebliche Zweifel. Denn schon jetzt seien einige Eltern unzufrieden mit der Betreuung bis in den Nachmittag oder auch nur über Mittag. Die Christdemokraten wollen deshalb das System Offener Ganztag in Burscheid grundsätzlich überprüfen. Der anstehende Rechtsanspruch biete die perfekte Gelegenheit, das Angebot „ergebnisoffen“ unter die Lupe zu nehmen und den tatsächlichen Betreuungsbedarf bei den Eltern Burscheider Grundschulkinder zu ermitteln.

Vielleicht wird es günstiger

Ein Trägerwechsel, so die Christdemokraten, könnte auch zu günstigeren Konditionen führen: Immerhin kostet die Ganztagsbetreuung einen sehr gut verdienenden Haushalt 228 Euro im Monat für das erste Kind. Für das zweite sind es 80 Euro weniger. Daraus resultiert die grundsätzliche CDU-Forderung: „Eltern sollten ihre Kinder während ihrer Arbeitszeit sehr gut betreut wissen.“

Im Schul- und Sozialausschuss wurde die Diskussion am Dienstag vertieft. Es soll eine Arbeitsgruppe gegründet werden, die politisch unabhängig ist. Außerdem wurde eine Elternbefragung beschlossen. Einen sehr schnellen Wechsel des Trägers hält Holger Wilke allerdings für nicht machbar. Der Beigeordnete verwies in der Sitzung im Megafon darauf, dass die Ganztagsbetreuung tatsächlich „europaweit auszuschreiben“ ist.

Eine Lenkungsgruppe ist schon da

Und es sei ja auch nicht so, dass der FV BiB unbeobachtet arbeitet: Wilke erinnerte daran, dass der Stadtrat im Mai 2025 beschlossen hatte, eine Lenkungsgruppe OGS einzurichten. Sie soll eine neue Kooperationsvereinbarung zwischen Stadt, den Burscheider Grundschulen und dem FV BiB erarbeiten. Die werde gerade endgültig abgestimmt, und das sei „Ergebnis mehrerer intensiver Sitzungen der Lenkungsgruppe“ – so steht es in der Vorlage für den Ausschuss. Ein Kernpunkt sei die Kündigungsfrist von zwölf Monaten zum Schuljahresende. Im Übrigen, so Wilke, „sind die Vertragspartner auf ein pädagogisches Konzept festgelegt und müssen das auch regelmäßig evaluieren“.

Auf den CDU-Vorstoß reagiert die Stadtverwaltung mit der Empfehlung, im ersten Schulhalbjahr 2026/2027 Erfahrungen zu sammeln und im Frühjahr 2027 im Schul- und Sozialausschuss zu berichten. „Die gesammelten Erfahrungen sollen als Entscheidungsgrundlage für das weitere Vorgehen dienen.“ Die Politikerinnen und Politiker wollen das etwas konkreter: In der neuen Arbeitsgruppe zum Thema Offene Ganztagsschule soll kein Platz für den FV BiB sein. Das bedeutet, dass Ulrike Hanke sich dort nicht einbringen kann. Die Politikerin des Bündnis für Burscheid ist Vorsitzende des Fördervereins. Deshalb beteiligte sie sich im Ausschuss auch nicht an der Abstimmung.

Allerdings besorgt der FV BiB auch die Übermittagsbetreuung an den Burscheider Grundschulen. Dafür gebe es „keinen Rechtsanspruch und auch keine Rahmenbedingungen“, so der Hinweis der Stadtverwaltung. Wichtiger sei deshalb die OGS.

Skeptisch blickt man im Rathaus auf die von den Politikern geforderte und beschlossene Umfrage. „Eine individuelle Bedarfsermittlung wird, so wie es auch schon bei anderen Umfragen erfolgt ist, kein klares Ergebnis bringen.“ Eltern wollten sicherheitshalber „häufig den größtmöglichen Spielraum haben“; der tatsächliche Bedarf sei meist viel geringer. „Daher ist es schwierig, die Ergebnisse als Planungsgrundlage zu verwenden.“ Offener Ganztag und Übermittagsbetreuung werden also noch viel Diskussionsstoff bieten.