Im Jahr 1990 kam Thomas Diederichs als Pfarrer nach Nippes. An Pfingstmontag hält er seinen letzten Gottesdienst in der evangelischen Gemeinde.
Abschied36 Jahre Engagement – Nippeser Pfarrer hält seinen letzten Gottesdienst

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger (l.) verabschiedet Parrer Thomas Diederichs.
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Für Thomas Diederichs waren es drei Dutzend bewegte Jahre als Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Nippes – und sein Amt hat ihm auch jede Menge Spaß gemacht. „Ich habe meinen Beruf immer sehr gerne gemacht, ihn nie als Last gesehen“, erläutert er im Gespräch. „Unsere Gemeinde ist lebendig und tatkräftig – sie wird weiter funktionieren“, ist er überzeugt. Der in Ratingen geborene Theologe war zuvor sechs Jahre in Monheim tätig, bevor er in Nippes zum Pfarrer gewählt wurde. Nach seiner Amtseinführung am 12. August 1990 trat er die Stelle am 1. September offiziell an.
Auf den Tag genau 36 Jahre später endet seine Ära als Nippeser Pfarrer; bereits an Pfingstmontag um 20 Uhr feiert er seinen letzten offiziellen Gottesdienst. „Ich mache den Gottesdienst mit den Leuten, mit denen ich seit Corona dieses Format entwickelt habe und die ich zum Teil schon seit mehr als 30 Jahren kenne“, blickt er auf diesen Tag voraus. „Über die Zeit hat sich viel verändert, ich mich selbst dabei natürlich auch.“
Viele Angebote für Jugendliche – und die übrigen Generationen
Als Diederichs 1990 nach Nippes kam, war es in weiten Teilen noch ein ganz anderes Veedel als heute: Das nahe Eisenbahn-Werksgelände lag brach, und bei Clouth wurde noch produziert. „Mein erster Satz, den ich hier hörte, war: In Nippes isst und trinkt man gern und ist gerne zusammen – aber für die Kultur fahren wir in die Stadt.“ Dass sich dies ein Stück weit änderte, sollte auch sein Verdienst sein – mit dem Konzept der Kulturkirche, das 2002 seinen Anfang nahm. „So um 2000 bis 2005 herum veränderte sich die Struktur des Veedels intensiv. Um 2010 waren wir eines der jüngsten Quartiere Deutschlands, und das nicht nur wegen der Neubauten.“

Ein umfangreiches musikalisches Programm begleitete die Verabschiedung von Pfarrer Thomas Diederichs.
Copyright: Stefan Rahmann
Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ist die Kirchengemeinde seit jeher sehr engagiert: Neben der OT Nippes an der Werkstattstraße, die von der Gemeinde betrieben wird, gibt es seit 2014 die Sommerferien-Kinderstadt „Mini-Nippes“. „Nach wie vor kommen die jungen Teamerinnen und Teamer, die das Angebot ehrenamtlich begleiten, aus unserer Jugendarbeit.“ Vor fast 15 Jahren kaufte die Gemeinde den Bahnhof Ahrdorf in der Eifel, eine Tagungsstätte für Gruppenangebote, Workshops, Ferienfreizeiten und Schulungen. Ebenso leitete Diederichs seit 30 Jahren den Gemeinde-Besuchsdienst für Senioren; seit fast zehn Jahren fuhr er jährlich mit einer Gruppe nach Bad Salzuflen. Und das traditionelle Weihnachtsmarkt-Wochenende rund um die Lutherkirche, das alle Generationen verbindet, gibt es natürlich auch noch.
Kulturkirche ist Gemeinde-Format geblieben
Doch zurück zur kleinen Nippeser „Kulturrevolution“: Offenbar hatten Diederichs und sein Team mit dem Vorhaben, die Lutherkirche für außerkirchliche Veranstaltungen zu öffnen, vor knapp 25 Jahren einen Nerv getroffen. „Die Kulturkirche war ursprünglich ein Projekt für anderthalb Jahre; wir haben aber gemerkt, dass die Leute nach etwas anfänglicher Schwellenangst hinkommen“, erinnert er sich. „Deshalb haben wir weitergemacht.“

Der Nippeser Pfarrer Thomas Diederichs geht zum 1. September in Ruhestand. Schon an Pfingstmontag feiert er seinen letzten Gottesdienst.
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Heute besuchen, neben rund 15.000 Gottesdienst-Gästen pro Jahr, weitere rund 35.000 Gemeindemitglieder Veranstaltungen in der Kulturkirche. Künstler und Stars aus aller Welt sind hier zu Gast. „Unser Konzept war immer: Wir machen in diesem Format keine Religionsveranstaltung, und setzen auf hochqualitative Abende.“ Neben sechs hauptamtlichen Kräften engagieren sich rund 50 Ehrenamtler für das Format, das ganz bewusst Teil der Gemeinde geblieben ist und nicht etwa in einen eigenen Verein ausgelagert wurde – und auch die Corona-Durststrecke überstand.
Was er an das Team, das Presbyterium und seine Kollegin, Pfarrerin Miriam Haseleu, übergibt – seine eigene Stelle wird nicht neu besetzt –, ist die laufende Sanierung der Kirche. Der Turm ist unterdessen fertig geschafft, übrigens auch dank Bundesmitteln für Kulturstätten. „2027 wird die Sanierung des Kirchenschiffs beginnen.“ Ansonsten hat er noch keine konkreten Pläne für den Ruhestand gefasst – und will sich einfach vom Leben überraschen lassen.
