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Nationaler Olympia-EntscheidLichtblicke für den deutschen Sport trotz Megapanne

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Olympia-Entscheid in Baden-Baden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Olympia-Entscheid in Baden-Baden.

Olympische und Paralympische Spiele wären eine Zukunftsvision für die Region gewesen. Jetzt muss Köln eine andere finden.

Köln-Rhein-Ruhr ist raus. Kein Olympiastadion in Kreuzfeld. Kein Schwimmen auf Schalke. Kein olympischer Ticketrekord in NRW. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) blieb am Samstag, 26. September, in Baden-Baden lediglich ein wenig Freude darüber, den bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) trefflich ins Schwitzen gebracht zu haben.

Irgendwie war in den letzten Tagen und Wochen der Eindruck entstanden, dass es denkbar knapp werden könnte bei der Entscheidung um den deutschen Olympia-Bewerber. Tatsächlich verpasste München dem einzig verbliebenen Konkurrenten Köln mit 91 zu 50 Stimmen bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eine ziemliche „Watschn“. So würde man das in Bayern wohl ausdrücken.

Sieger und Besiegte umschmeicheln einander nach der Entscheidung

Immerhin gingen Sieger und Besiegte anschließend so anständig miteinander um, als gäbe es noch einen Fair-Play-Preis zu gewinnen. „Die Kölner haben es uns schwer gemacht“, sagte Söder. Von der NRW-Delegation war nahezu ausnahmslos zu hören, an dieser Stelle sinngemäß wiedergegeben: „Jetzt geht es um die gemeinsame deutsche Bewerbung, jetzt helfen wir München, die Spiele nach Deutschland zu holen.“ 

Die Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern, CSU, links) und Hendrik Wüst (NRW, CDU) auf der Bühne in Baden-Baden.

Die Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern, CSU, links) und Hendrik Wüst (NRW, CDU) auf der Bühne in Baden-Baden.

Zuständig dafür ist in erster Linie der DOSB, nur der Dachverband des deutschen Sports kann sich beim Internationalen Olympischen Komitee um die Olympia-Austragung bewerben. Aber kann das einem Verband gelingen, der den eigenen, über Stunden aufgebauten Spannungsbogen mit einer verdaddelten Umschlagöffnung zerstört? Die Megapanne von Baden-Baden wird dem DOSB noch eine Weile nachhängen, genauso wie die hochkomplizierte Evaluierung, an deren Ende man München und Köln-Rhein-Ruhr nahezu gleichauf sah. Offenbar ohne jedes Gespür für  die Stimmung in den eigenen, stimmberechtigten Mitgliedsverbänden.

Die gute Nachricht: Trotz des Supergaus mit dem Umschlag und trotz der eigentümlichen Kandidaten-Bewertung durch den DOSB gab es in Baden-Baden Lichtblicke für den deutschen Sport.   

NRW akzeptiert Olympia-Niederlage ohne jedes Nachtreten

Da war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der in staatstragender Manier vom Sport schwärmte und diesem viel Gutes zutraut. Da war Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe, inzwischen Staatsminister für Sport und Ehrenamt, der sich souverän und zugleich nahbar zeigte. Da waren die Verlierer aus NRW, die ihre Niederlage ohne jedes Nachtreten akzeptierten. Da waren Athletinnen und Athleten, die so überzeugend die olympische Idee vertraten, dass auch bekennende Köln-Rhein-Ruhr-Unterstützer sich jetzt Olympia und Paralympics in München wünschen.

Für NRW bleibt die Gewissheit, dass diese Bewerbung nicht vergebens war. Sie hat den Sport sichtbar gemacht und die Lust auf Olympia in Deutschland angestachelt. Sie hat Gelder freigesetzt, die dem Sport jetzt trotz allem zugutekommen. Sie hat den Parasport in den Blickpunkt gerückt und für mehr Gleichberechtigung gesorgt. In Baden-Baden seien so viele Parasportler wie noch nie bei einer DOSB-Veranstaltung dabei gewesen, hieß es am Samstag aus Behindertensport-Kreisen. 

Köln hat davon geträumt, dass Olympia einen Schub für die Infrastruktur bringt. Aber die Niederlage darf keine Ausrede bieten, sich in der Enttäuschung zu suhlen und dem Stillstand zu ergeben. Es braucht die Wohnungen in Kreuzfeld und Beispiele für bezahlbares, nachhaltiges zukunftsweisendes Wohnen. Es braucht die Sanierung von Turnhallen und Schwimmbädern, um Kindern und Jugendlichen den Spaß an Bewegung nicht zu vermiesen.

Es braucht Zukunftsvisionen, die Menschen dazu bewegen, mitzumachen, anzupacken, optimistisch nach vorn zu blicken. Olympia wäre eine gewesen. Jetzt muss Köln andere finden.