Die Pixl Visn Media Arts Academy wurde von einem Branchenportal 2025 zur weltbesten Schule ernannt. Wir haben den Gründer Andrei Stirbu getroffen.
„Game of Thrones“, Netflix und Co.In dieser Schule im Kölner Mediapark lernt man 3D für Hollywood

Andrei Stirbu ist GRünder der Schule PIXL VISN im Mediapark. Zuvor arbeitete er selbst in der Filmindustrie in Kanada.
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In eine Kirche dringt von allen Seiten Wasser, die Ruine wird überschwemmt. Das sieht täuschend echt aus. Diese Szene ist jedoch nicht mit einer Kamera aufgenommen worden, sondern eine Computer-Animation. Schüler Manuel aus Argentinien schaut sich für die Simulation von Wasserfällen täglich Videos von echtem Wellengang und Wasser an. Jeder Aufprall, jeder Tropfen in seinem 3D-Projekt muss realistisch wirken. „Insgesamt dauert das Projekt zwei Monate“, sagt der 26-Jährige, den wir an seinem Arbeitsplatz im Mediapark treffen.
In den Räumen der Akademie Pixl Visn absolviert der Argentinier eine 18-monatige Vollzeit-Ausbildung, um danach digitale Effekte für Film, Kino oder Fernsehen zu produzieren. 2012 eröffnete die VFX-Schule. VFX steht für „visual effects“. 2025 landete die Akademie im Mediapark im Ranking des internationalen Fachportals The Rookies von 486 Schulen aus 104 Ländern auf Platz eins. Wir haben mit Gründer Andrei Stirbu gesprochen.
Gründer Andrei Stirbu arbeitete an großen Filmproduktionen wie „Barbie“ und „Stuart Little“
Der 45-jährige und sein Geschäftspartner Robb Innes verließen extra Vancouver, um in Köln die Akademie zu eröffnen. Warum gerade hier? „In den 90ern ist meine Familie von Rumänien nach Deutschland gezogen, wir lebten vier Jahre in Leverkusen, wo ich das Lise-Meitner-Gymnasium besucht habe. Es waren sehr schöne und prägende Jahre für mich hier“, sagt Stirbu. Mit 14 wanderten sie weiter nach Kanada, in seiner Jugend begann er mit dem Paint-Programm von Windows zu experimentieren, dann besuchte er selbst eine Animationsschule, bevor er bei Rainmaker Animation in die Branche einstieg. Dort arbeitete er sich schnell hoch und war an der Produktion der animierten „Barbie“-Filme sowie dem Animationsfilm über die Maus „Stuart Little“ beteiligt.

Studentin Julia Bartnik vor Ort in der Pixl Visn Media Arts Academy im Mediapark.
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„Jahrelang arbeitete ich in der Industrie: millionenschwere Projekte, Kunden, Deadlines. Mein Geschäftspartner und ich fragten uns irgendwann: Wie schwer kann es sein, Schülern 3D beizubringen? In Deutschland fehlte damals so ein Angebot. Und an meine Zeit in Leverkusen dachte ich immer noch gern zurück.“ In Los Angeles kostet eine zweieinhalbjährige Ausbildung 150.000 Dollar. Stirbu wollte sich mit der Akademie hier absetzen: 18 Monate für 23.000 Euro. Das klingt viel, sei aber im Vergleich zu den klassischen Standorten in den USA günstig. Köln als Medienstadt bot sich an. „Ich hatte keine Ahnung von Business, wir hatten aber große Träume.“ Ganz einfach war der Start nicht. Vier Schüler meldeten sich für den ersten Kurs an, für den zweiten niemand.

Arbeit eines Studierenden: ein Chamäleon
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Sehr beliebt: Fantasy-Figuren
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„Wie sollen wir uns bei den Eltern entschuldigen, haben wir uns gefragt. Die vier sind aber bis zum Schluss geblieben.“ Viermal im Jahr kann man den Lehrgang im Mediapark starten. Pro Quartal sind es heute etwa 30 Schüler. Stirbu freut sich heute über die Erfolge seiner Absolventen. Einer davon, Philipp Willer, ist Chef-Animator beim Studio Pixo Mondo, das für die Fantasyserie „Game of Thrones“ zuständig ist. Mittlerweile seien dort um die 60 Absolventen der Kölner Akademie beschäftigt. Die VFX-Branche ist international vernetzt: an Hollywood-, Disney- oder Netflix-Produktionen können genauso gut Animateure aus Deutschland arbeiten, die in Köln ausgebildet wurden. Ein Absolvent arbeitete am aktuellen Kinofilm „Michael“ über das Leben von Michael Jackson mit.
Pixl Visn: „Es gab viel Auf und Ab die ersten vier Jahre“
„Die ersten vier Jahre gab es viel Auf und Ab, alles Geld haben wir in die Firma reingesteckt und uns nichts ausbezahlt.“ Das Erolfgsgeheimnis seiner Akademie laut Stirbu? In 18 Monaten von internationalen Industrie-Profis – „keiner unserer Lehrer darf länger als sechs Monate aus dem Job raus sein, weil die Technologie sich rasant entwickelt“ – eine intensive Ausbildung von 44 Stunden pro Woche mit engmaschiger Betreuung. Vorkenntnisse: am liebsten keine, sagt Stirbu, damit die Schüler es von Anfang an „richtig“ lernen. Und das können sie offenbar: 80 Prozent erhalten nach eigenen Angaben einen Job in der Branche, so Stirbu.

In einem Greenscreen-Studio am Mediapark sitzt Andrei Stirbu.
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In den ersten Monaten lernt man von allem etwas, danach kann man sich spezialisieren. „Ich zum Beispiel bin nicht besonders gut darin, Charaktere zu gestalten. Ich baue lieber Innen- und Außenräume in 3D und liebe es, ihnen durch Licht Stimmung und Atmosphäre zu verleihen.“ 30 Prozent der Schüler kommen aus Köln, der Rest aus Deutschland und der Welt. „Wer etwa aus Vietnam oder Mexiko zu uns kommt, zieht meist extra nach Köln und investiert für Ausbildung und Lebenshaltungskosten ähnlich viel wie für einen Lehrgang in den USA.“ Das Ziel der Schüler: ein kurzes Videos erstellen, das die besten Arbeiten zusammenfasst, ein Portfolio, mit dem man sich in der Branche bewirbt.
Stirbu bezeichnet sich als „riesigen Filmfan“, doch visuelle Effekte können ihm schnell auch zu viel werden. „Ich sollte das vielleicht nicht so sagen, aber ich mag zum Beispiel keine mit Effekten vollgepumpten Filme wie die von Marvel. Visual effects sind super wichtig, aber sie müssen die gute Story unterstützen und sich nicht so in den Vordergrund drängen – nach dem Motto Hauptsache Monster, Drachen, egal was, nur damit es cool aussieht.“
Andrei Stirbu bevorzugt zurückhaltende digitale Effekte
In seinen Augen sei der oscarpremierte Film „Gladiator“ aus dem Jahr 2000 mit Russell Crow ein gelungenes Beispiel. „Es gibt darin sehr viele Effekte, die man jedoch nicht merkt. Ohne diese könnte man nicht einfach so einen Film im alten Rom spielen lassen.“ Aber die Menschen würden anders ticken als er: Das zeigten die Rekord-Verkäufe für Filme wie „The Avengers“. „Hollywood weiß offenbar besser als ich, was funktioniert – der Film war schließlich extrem erfolgreich. Trotzdem ist das einfach nicht mein Geschmack.“ Visuelle Effekte gibt es nicht nur da, wo Fabelwesen oder Superhelden auftreten, sie kommen praktisch in jedem Film vor.
„Anstatt für ein paar Szenen nach New York zu fliegen, mietet man ein Büro am Drehort an und die Szenerie, die man vom Fenster aussieht, tauscht man digital gegen New York aus.“ Laufen im Hintergrund Menschenmassen im Bild reiche es, diese digital zu erstellen, da man die Gesichter ohnehin nicht erkennen würde. „Ab einer gewissen Entfernung von der Kamera ist es günstiger, eine Kulisse digital nachzubauen, alles andere wäre unökonomisch.“
Und was ist mit KI? „Momentan beschleunigt KI bestimmte Arbeitsprozesse, was gut ist: Es gibt genug Überstunden in der Branche. Aber wenn man sieht, wie das Publikum auf vollständig KI-generierte Filme reagiert, erkennt man schnell die Grenzen. Bis heute gibt es keinen wirklich bedeutenden KI-Kurzfilm – die meisten Inhalte sind eher Memes, Tiktok-Videos oder kurze Experimente als echte Geschichten mit erzählerischer Qualität.“
