Abo

Kölner Schauspieler in Hollywood„Ich durfte zwei Oscars in der Hand halten – soll Glück bringen“

5 min
Der Kölner Schauspieler Kais Setti

Kais Setti lebt in Ehrenfeld: Wir haben den Schauspieler getroffen, bevor er nach Hollywood zum Beverly-Hills-Filmfestival gefahren ist. 

Kais Setti lebt in Köln-Ehrenfeld und ist mit dem internationalen Film „Sophia“ derzeit in Beverly Hills unterwegs. Setti führt eine Castingagentur, die sich auf Diversität spezialisiert hat.

Einmal in Hollywood sein, Star-Luft schnuppern und dabei das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: So geht es gerade dem Kölner Schauspieler Kais Setti, der seine Amerika-Premiere am Telefon als „surreal“ bezeichnet. „Die Eindrücke sind krass. Es ist wie im Film, mir kommt alles bekannt vor, obwohl ich noch nie hier war“, sagt der 41-Jährige („Red Blood Sky“, „Dogs of Berlin“), den man aus Rollen im „Tatort“ und „Soko“ kennt.

Das Beverly-Hills-Filmfestival zeigte den Film „Sophia“ (Regie: Dhafer L’Abidine), der Weltpremiere in Marokko feierte. Setti spielt darin einen Kriminalkommissar. Der Thriller handelt von einem arabisch-englischen Ehepaar, dessen Kind in Tunesien entführt wird. Setti hat selbst tunesische Wurzeln, bezeichnet sich aber durch und durch als „kölschen Jung“, aufgewachsen im Ursula-Viertel, „im Schatten des Doms“.

Kais Setti: Kölscher Jung, aber multikulturell

Der Vater hat in den 70ern seine Ausbildung im Excelsior Hotel absolviert und dann jahrzehntelang im Weinhaus Lenz gearbeitet, die Mutter in einer Drogeriekette am Eigelstein. „Den Köln-Patriotismus impfe ich meinen Kindern auch sehr stark ein. Die wurden im Severinsklösterchen geboren so wie ich und wir singen hier im Auto auch gemeinsam ‚Tommy‘ und Brings-Lieder. Das ist mir wichtig, dass sie sich in erster Linie als Kölner fühlen und dass sie multikulturell aufwachsen. Sie sprechen deutsch, türkisch und arabisch und in der Schule bald englisch“, sagte der Familienvater bei einem Treffen in Ehrenfeld vor seiner US-Reise.

Kais Setti mit Oscars in der Hand

Zuhause bei Tontechniker Mark Mangini, der für schon zwei Oscars für Besten Ton erhalten hat.

„Die Premiere des Films ist erfolgreich verlaufen, ich habe tolle Leute kennengelernt“, berichtet Setti weiter aus Hollywood. „Ich bin auf dem Roten Teppich der Sängerin Carol Connors begegnet, die eine Beziehung mit Elvis hatte. Und am nächsten Tag hat uns der zweifache Oscar-Preisträger und Sounddesigner Mark Mangini („Mad Max: Fury Road“) zu sich nach Hause eingeladen. Ich durfte seine Oscars bewundern und halten: Das soll wohl Glück bringen“, sagt Setti. 

Wenn Setti nicht gerade eine glamouröse Filmwoche in LA verbringt, ist er Familienvater in Ehrenfeld. Oder pendelt nach Wien, wo er am Burgtheater eine Rolle im vom Schauspiel Köln unter der Regie von Stefan Bachmann produzierten Stück „Akins Traum“ hat. Dazwischen schreibt er an seinem ersten Langfilm: Er möchte den rassistischen Brandanschlag im Jahr 1993 auf eine türkische Familie in Solingen, bei dem fünf türkischstämmige Menschen ums Leben kamen, verfilmen. Sein Regie-Debüt, der Kurzfilm „Malik und Lea“, ist seit Kurzem abgedreht und soll demnächst Premiere im Filmhaus Köln feiern.

Setti ist also umtriebig und längst nicht mehr nur auf die Schauspielerei festgelegt. Seine Ausbildung absolvierte er an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg. Seit Jahren beklagt Setti eine Missdarstellung von Menschen mit Migrationshintergrund in Film und Fernsehen: Es kommen zu wenige vor und wenn ja, seien die Rollen häufig stereotyp. Auch er habe schon entnervt reagiert, wenn er einen Terroristen oder Gangster spielen soll, dessen Charakter keine Entwicklung erkennen lasse. Im Laufe der Zeit sei ihm klar geworden, dass er hinter den Kulissen, als Regisseur und Drehbuchschreiber, mehr Einfluss auf die Vielschichtigkeit von Protagonisten nehmen und mit Klischees brechen kann.

„Ich merke, es liegt mir, es macht mir Spaß. Doch der Schauspieler-Beruf ist sehr angenehm, da man über vieles einfach nicht nachdenken muss: wie zum Beispiel, wie finde ich Geldgeber?“, sagt Setti. Gegen Klischees kämpft er auch mit seiner Schauspiel-Agentur Urban Actors an. Mit diesem Herzensprojekt ist Setti in eine Marktlücke gestoßen. Das Markenzeichen der im Mediapark ansässigen Agentur: Diversität. 

Kais Setti ist zum ersten Mal in Hollywood.

Kais Setti ist zum ersten Mal in Hollywood.

„In Köln waren wir die Ersten, was das Thema Diversität angeht. Der Schwerpunkt liegt bei Migration, aber wir wollen auch Vielfalt im Bereich sexuelle Orientierung und Behindertengrad abdecken.“ Es gebe Schauspieler mit Diabetes Typ 1, Down-Syndrom und Schauspieler, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen. „Da achten wir total drauf, dass es eine wirkliche breit gefächerte Vielfalt ist.“

Schauspiel-Agentur Urban Actors kämpft für mehr Gleichbehandlung

Bei großen Produktionen stoße man nicht selten auf Widerstand. „Wir kämpfen dafür, dass Kosten übernommen werden, wenn zum Beispiel unser Klient mit Down-Syndrom beim Kino-Dreh eine Begleitperson dabei hat, damit diese auch bezahlt und deren Gehalt nicht von der Schauspielgage abgezogen wird. Das ist schwierig“, sagt Setti.

In der Branche gebe es in mehrfacher Hinsicht einen sogenannten „pay gap“: nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern eben auch zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Von Gleichbehandlung sei man weit entfernt. Um bei der Schauspiel-Agentur aufgenommen zu werden, müssen die Personen entweder ein Schauspielstudium vorweisen oder in größeren Produktionen für Kino oder Fernsehen schon mitgemacht haben.

Als Casting Director ist Setti derzeit unter anderem für eine Serien-Produktion des ARD tätig, die in Duisburg spielt. Aktuell ist der Arbeitstitel „17“, weil es eine Coming-of-Age-Serie wird: Jugendliche, die ihren Platz im Leben suchen. Über die Erfolge seiner Klienten freut sich Setti: Sein Klient Maxwell Richter zum Beispiel hat mit Al Pacino in einer Produktion von Luc Besson gespielt. „Ein Junge aus Köln-Porz, Soufiane El Mesaudi, den wir entdeckt haben, spielt demnächst im Spin-Off von ‚4Blocks‘. Der hat einen Weg mit vielen Hindernissen gemeistert und das zeigt, dass wenn man mit Geduld und Hartnäckigkeit dranbleibt, seine Träume erfüllen kann.“