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Gestiken „op Kölsch“Aline Ackers übersetzt Kasalla-Konzert in Siegburg in Gebärdensprache

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Aline Ackers steht auf einer Bühne und formt mit den Händen Gebärden. Im Hintergrund tritt die Band Kasalla auf.

Die Dolmetscherin Aline Ackers begleitet die Band Kasalla seit 2012 und übersetzt den Kölschen Dialekt der Liedtexte für Gehörlose.

Dolmetscher und Dolmetscherinnen tragen dazu bei, die Gebärdensprach-Community an Konzerten teilhaben zu lassen. Doch ihr Einsatz ist selten.

Als Rechtshänder nimmt man die rechte Hand, macht sie komplett auf, die Finger zusammen, die Handfläche zeigt zu einem, dann führt man mit Schwung – als gäbe man jemand anderem Kasalla – die Gebärde aus und endet mit der Hand vor dem rechten Auge, als würde man eine Augenklappe tragen. Diese Mischung aus den Worten „Kasalla“ und „Pirate“ ist der Gebärdenname für die Kölsche Band „Kasalla“, wie die Dolmetscherin für Deutsche Gebärdensprache (DGS), Aline Ackers erläutert.

„Fast alle Kölschen Bands haben mittlerweile eine Gebärde“, weiß die 40-Jährige. Bei den Höhnern werde das Kölsche Wort für „Hühner“ als Stamm für die Übersetzung verwendet. Brings lässt sich über die Gebärde für Karo, wie auf einem Schottenrock, visualisieren. Bei Druckluft bringe man die Gebärden für „Druck“ und für „Trompete“, das klassische Motiv der Karnevalsmaus-Band, zusammen.

Erstkontakt bei „Arsch huh, Zäng ussenander“

Am heutigen Samstag steht die Kölnerin mit den fünf Musikern von Kasalla auf der Bühne des Rhein Sieg Forums in Siegburg. Ihre erste Begegnung mit der Band liege über ein Jahrzehnt zurück. Bei einer Veranstaltung im Rahmen der antirechten Bewegung „Arsch huh, Zäng ussenander“ an der Deutzer Werft habe sie zum ersten Mal einen Kasalla-Song übersetzt.

„Ich übersetze, aber performe nicht selber – es ist keine eigene Kunst“, stellt Ackers klar. Bei staatlich geprüften Dolmetschern und Dolmetscherinnen wie ihr selbst, gehe es darum, Inhalte ohne Wertung und Hilfestellung in Gestik und Mimik zu übersetzen. Das habe mit der Selbstbestimmung der Zielgruppe zu tun.

„Die Übersetzung wird mit Gefühl wiedergegeben, das überträgt sich auch in Bewegungen“, schildert Ackers. Speziell das Lied „Ne Jode“ von Kasalla falle ihr beim Dolmetschen schwer, da es sie emotional mache. „Das Lied ist für den verstorbenen Techniker und Musikgefährten Tom geschrieben worden“, sagt Ackers: „Tom war auch ein Freund von mir. Das geht natürlich nah – da vermischt sich das Berufliche und Private.“

Vor Konzerten braucht es eine intensive Vorbereitung

Sie begeistere sich für die Übersetzung von Konzerten. Das sei auch notwendig, denn die ganze Vorbereitungszeit könne sie nicht verrechnen. „Man ist gut beraten, wenn man die Musik gerne hört“, sagt Ackers und lacht. Auf dem von ihr genutzten Musikstreaming-Anbieter werde ihr angezeigt, dass sie die Lieder von Kasalla wahnsinnig oft gehört habe. „Ich verinnerliche die Songs so, dass ich den Text genau im Takt übersetze“, erläutert die Rheinländerin: „Bei Kasalla weiß ich, wann sie welche Geste zum Publikum machen und in welche Richtung geschunkelt wird. Ich bin sehr dankbar, dass Künstler mir ihre Musik anvertrauen.“

Die Songtexte übersetzte sie mitsamt des Kölschen Dialekts. „Ich sehe mich als letzten Baustein, um ein gemeinsames Erlebnis möglich zu machen“, sagt Ackers. Sie vergleicht sich mit einem lebendigen Untertitel. „Musik sollte für alle zugänglich gemacht werden.“

Vorsitzender des Förderverbandes für Gehörlose Rhein-Sieg befürwortet Dolmetschen auf Konzerten

Das kann auch Claus Jürgen Kröder, Vorsitzender des Förderverbandes für Gehörlose Rhein-Sieg, unterschreiben, der Aline Ackers vor zehn Jahren an Weiberfastnacht beim Konzert-Dolmetschen gesehen hat. „Sowas muss man erstmal können, das braucht ein großes Spezialwissen“, lobt der 75-Jährige: „Ich war fasziniert von Frau Ackers und wie sie die Musik so super rüberbringt.“

Der Sankt Augustiner, dessen beide Eltern gehörlos waren, arbeitet seit Mitte der 1980er mit der regionalen Gebärdensprach-Community. In Troisdorf, Am Bürgerhaus 3, hat sich über den Förderverband für Gehörlose Rhein-Sieg ein Treffpunkt für Hörgeschädigte gebildet. Laut Kröder reisen die Besuchenden teils aus Andernach, Koblenz oder Düsseldorf an, um sich auszutauschen.

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„Der Verein steckt tief im Karneval“, berichtet Kröder. Einige Jahre lang habe sein Verein ein gehörloses Prinzenpaar in Bonn gekrönt. „Wir sind Mitglied im Festausschuss Troisdorfer Karneval. Die Dreigestirne und Prinzen kommen zu uns und feiern mit.“ Seit Jahren besuche man gesammelt die Troisdorfer Seniorensitzung, da das Programm dort zugänglich und visuell ansprechend sei. „Für Gehörlose macht es keinen Sinn, auf Karnevalsveranstaltungen zu gehen, die 35 Euro kosten und keinen Dolmetscher haben. Es muss Angebote fürs Auge geben“, sagt Kröder.

Nach Einschätzung des Sankt Augustiners verstehen die älteren Menschen („50 Plus“) Konzerte zwar weniger gut als die Jungen, die die Gebärdensprache inzwischen an der Schule lernen können. Kröder betont aber: „Jeder hat ein Anrecht auf einen Dolmetscher, auch wenn da nur ein oder zwei Menschen stehen.“ Diese Inklusion hebt er bei Kasalla positiv hervor. Weiter weist Kröder angesichts der Barrierefreiheit darauf hin: „Es ist erstmal eine Grundvoraussetzung, dass die Menschen überhaupt, wissen, dass eine Dolmetscherin dabei ist.“ Aline Ackers pflichtet dem bei: „Wenn man irgendwo schreibt, dass eine Veranstaltung barrierefrei ist, sollte die Übersetzung von Songtexten mitgemeint sein.“

Übersetzungen in Gebärden werden in unterschiedlichen Feldern eingesetzt

In den vergangenen zehn Jahren sei der Bedarf nach barrierefreien Veranstaltungen größer geworden, so Ackers. Aber: „Es ist noch nicht gängig, Dolmetscherinnen zu Auftritten dazuzuholen. In der Session wird vielleicht einmal bei einem größeren Auftritt eine Dolmetscherin dazu geholt.“ Gerade für kleine Veranstalter kann es Ackers zufolge eine Kostenfrage sein. Es sei gängig für Dolmetschende, sich bei Konzerten abzuwechseln. Dann müssen natürlich zwei Personen bezahlt werden. „Bei der Gesamtkalkulation einer größeren Veranstaltung ist es nicht eine finanzielle Frage, sondern eine Frage des Mitdenkens.“ 

Dolmetscher und Dolmetscherinnen orientieren sich laut Ackers am  Justizvergütungs- und entschädigungsgesetz (JVEG). Dort sind unter anderem die Kostensätze der Übersetzer und Übersetzerinnen, 93 Euro pro Stunde, geregelt. „Wir dürfen uns nicht unterbieten“, merkt Ackers an. Teilweise übernehme der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Sozialträger die Kosten für dolmetschende Personen. 

Die Arbeit empfinde sie als Privileg, sagt Ackers: „Wir dürfen als Dolmetscherinnen überall Menschen begegnen, von der Geburt in der Medizin bis zur Beerdigung auf dem Friedhof.“ Oftmals können sich Gehörlose die Arbeit von DGS-Dolmetschenden erstatten lassen, etwa bei Behördengängen, im Ausbildungskontext, bei der Arbeitssuche oder Fragen zur Rentenversicherung. Krankenkassen sind nicht selten Anlaufstellen. 

Gebärdensprache soll nicht nur im Kölschen Karneval gängiger werden

Auch losgelöst von Karneval wird im Kulturbereich laut Aline Ackers immer häufiger auf Übersetzungen zurückgegriffen. „Es ist mein Wunsch, dass Gehörlose viel häufiger als Künstler und Künstlerinnen auf der Bühne stehen und ich dann in die andere Richtung übersetze“, sagt die Dolmetscherin und fügt lachend an: „Singen kann ich mir aber nicht vorstellen.“ Irgendwann gebe es vielleicht einen gehörlosen Büttenredner, der ein eigenes Programm fülle. In der regionalen Comedyszene etablierten sich gebärdensprechende Künstler bereits. „Es gibt Gebärdensprachpoesie und Gebärdensprachperformance.“

In diesem Jahr dolmetscht die Rheinländerin unter anderem bei Jeck im Sunneshing-Veranstaltungen, wiederholt für Kasalla, aber auch für die Bläck Fööss oder Mo Torres. Nach Informationen von Ackers gibt es noch Karten an der allgemeinen Abendkasse des Kasalla-Konzertes im Rhein Sieg Forum.

Den Förderverband für Gehörlose Rhein-Sieg erreicht man unter der Telefonnummer 02241/805927 oder per E-Mail an: cjkroeder@t-online.com