Die Alte Drahtzieherei strahlt weit über Wipperfürth hinaus und lockt viele Besucher in die Stadt. Doch finanziell bleibt die Situation herausfordernd.
Kultur und mehrDie Alte Drahtzieherei ist ein Leuchtturm für ganz Oberberg

Eine Jam-Session in der Drahtzieherei in Wipperfürth.
Copyright: Claudia Kippels
Comedy-Stars wie Atze Schröder und Bernd Stelter, Bands wie Brings und Cat Ballou , die WDR Big-Band und die Brüder Wasserfuhr: Sie alle kommen gerne in die Alte Drahtzieherei. Wie der Ticketverkauf zeigt, reisen rund 80 Prozent der Gäste von auswärts an, nur 20 Prozent aus Wipperfürth.
Neben der Halle 32 in Gummersbach ist die „Drahte“ die wichtigste Veranstaltungshalle in der Region. Doch die finanzielle Situation bleibt herausfordernd, wie Markus Braun, der neue Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung „Wir Wipperfürther“, sein Vorgänger Herbert Willms und René Köhler, Geschäftsführer der Drahtzieherei Verwaltungs- & Betriebsgesellschaft, im Gespräch erläutern.
Vergleichbar mit einem mittelständischen Unternehmen
Die Drahte sei ein Leuchtturm für die Region und vergleichbar mit einem mittelständischen Unternehmen. Die GmbH erzielte im vergangenen Jahr erstmal über 1 Million Euro Umsatz, auch die Stiftung nahm rund 1 Million Euro ein.
Die Zuschüsse der Stadt seien dagegen eher bescheiden, rechnet der früherer Stadtkämmerer Willms vor. 205.000 Euro zahle die Stadt an Miete für die eigene Nutzung der Halle – zum Beispiel für Rats- und Ausschusssitzungen. Dazu kommt ein jährlicher Zuschuss von 70.000 Euro, den habe die Stadt für das kommende Jahr um 10.000 Euro gekürzt. Zum Vergleich: Die Stadt Gummersbach zahlt jährlich rund 800.000 Euro als Verlustausgleich an den Träger der Halle 32.
Explosionsartig gestiegene Nebenkosten
Markus Braun, einer der Erststifter der Bürgerstiftung, war schon früher im Vorstand aktiv: „Diskussionen über die Höhe des städtischen Zuschusses sind nichts neues. Ein Blick in den Vertrag erhöht die Realitätsfindung. Die Stadt ist vertraglich verpflichtet, uns zu unterstützen.“ Braun verweist auf die „explosionsartig“ gestiegenen Nebenkosten.
Bürgermeister Guido Forsting habe vor rund 25 Jahren die Idee gehabt, mithilfe von Landesmitteln die Stiftung zu gründen und die städtische Kulturarbeit auszulagern, mit Ausnahme der Musikschule. Was der Drahte geholfen habe, sei die „unglaubliche Eigenleistung“ durch Wipperfürther Handwerker wie Ulrich Hödtke und Manfred Hörter.
1,6 Millionen Euro Schaden durch Hochwasser
Das Hochwasser im Sommer 2021 hinterließ einen Schaden von 1,6 Millionen Euro, 2024 gab es eine Brandstiftung in den WC-Räumen. Um eine neue Bühnenbeleuchtung installieren zu können, hofft die Stiftung auf Fördergeld der NRW-Stiftung. Darüber hinaus sucht man Sponsoren.
Der Vorstand macht deutlich, dass er sich von der Stadt, die sich gerne mit der Drahtzieherei schmücke, mehr Unterstützung wünscht. „Die Stiftung und die GmbH fühlen sich nicht immer wertgeschätzt“, so Willms. Geschäftsführer René Köhler hat ein ganz einfaches Rezept, wie die Alte Drahtzieherei auch in Zukunft erfolgreich sein kann. „Wir müssen die Besten sein.“ Neben Social Medie spiele die Mund-zu Mund-Propaganda eine entscheidende Rolle.
Die Bürgerstiftung „Wir Wipperfürther“ hat ihren Vorstand neu aufgestellt. Vier Jahre lang war Herbert Willms, ehemaliger Kämmerer der Hansestadt Wipperfürth, der Vorstandsvorsitzende. Er tritt in die zweite Reihe zurück und bleibt Mitglied des elfköpfigen Beirats. Sein Nachfolger als Vorstandsvorsitzender ist Markus Braun, Stiftungsmanager der Deutschen Stiftungsakademie. Braun war bereits in der Vergangenheit als Vorsitzender der Bürgerstiftung tätig.

Markus Braun (l.) und Hartmut Willms, neuer und alter Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung.
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Zum Vorstand gehören außerdem Jens Kaufmann, Klaus Feist und, als neues Mitglied, Elke Auras, die kommissarische Leiterin der Kunstbahnhofs. Als juristischer Träger ist die Bürgerstiftung „Wir Wipperfürther“ zuständig für die „Alte Drahtzieherei“, die Wipperfürther Tafel, den Kunstbahnhof und das alle zwei Jahre stattfindenden Festival „WippKultur. Neu aufgestellt hat sich auch der Verein der Bürgerstiftung. Sein Zweck ist die Förderung der Bürgerstiftung sowie die Förderung gemeinnütziger, mildtätiger und sozialer Zwecke in Wipperfürth. (cor)