Seit 13 Jahren setzt sich Heide Häusler als Leiterin der Internationalen Photoszene für den Fotografiestandort Köln ein. Jetzt wird sie als „Kulturmanagerin des Jahres 2025“ ausgezeichnet.
Heide Häusler ist „Kulturmanagerin des Jahres“Eine Wette auf die Zukunft

Heide Häusler, künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Internationalen Photoszene Köln, wird der Preis als „Kulturmanagerin des Jahres 2025“ verliehen.
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Konzepte erarbeiten, kuratorische Entscheidungen treffen, sehr viele unterschiedliche Akteure und Interessen unter ein Dach bringen und nebenbei das nötige Kleingeld zur Finanzierung zusammenkratzen – Heide Häuslers Aufgaben füllen mehr als einen Vollzeitjob: „Ich frage mich auch oft: Jetzt mal ehrlich, so sieben Tage die Woche, das ganze Jahr durch …? Aber ich glaube, man muss sich dafür entscheiden, so zu leben.“ Wer ihr begegnet, merkt schnell: Sie brennt für das, was sie tut, für die Fotografie, für die Stadt und ihre Menschen.
Auch 2027 wird die Internationale Photoszene Köln einen Monat lang wieder viele tausend Besucher in die Museen, Galerien und Kulturorte der Stadt locken. Deutschlands ältestes Fotografiefestival lief von 1984 bis 2018 parallel zur Fotografiemesse „Photokina“. Dass die Photoszene nach dem Ende der Messe und über große Veränderungen innerhalb der Branche hinweg noch immer zeitgemäß ist, dass sie weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlt, dass das Festival überhaupt alle zwei Jahre stattfinden kann, ist vor allem Häuslers unermüdlichem Einsatz zu verdanken. Seit 13 Jahren schafft sie als Geschäftsführerin, Kuratorin und künstlerische Leiterin mit ihrem Team immer wieder neue Programme, Formate und Perspektiven für die Sichtbarkeit der Kölner Fotografieszene und ihrer reichen Geschichte – und wird für ihr Engagement jetzt vom Kölner Kulturrat als „Kulturmanagerin des Jahres 2025“ ausgezeichnet.
Angetreten, um die Photoszene ins Jetzt zu übersetzen
Als die gebürtige Rheinländerin 2013 nach zehn Jahren Erfahrung im Kulturbetrieb – als Kuratorin und Ausstellungsmanagerin für das Stadtmuseum Düsseldorf, die Schirn in Frankfurt und für das Fotofestival Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg – nach Köln kommt, ist es ihre Mission, „die Photoszene wieder ins Jetzt zu übersetzen“. Das Festival sollte in jüngeren Händen neu aufgestellt werden, hat dafür aber faktisch null Euro zur Verfügung. Häusler will sich der Aufgabe trotzdem stellen: „Das war keine Stellenausschreibung, sondern eine Wette auf die Zukunft, dass das funktioniert, weil Kölns Fotoszene eben so reich ist.“ In den ersten Jahren arbeitet Häusler weiter für das Fotofestival in Süddeutschland und stellt gleichzeitig in Köln die Weichen für die Zukunft der Photoszene.
Über die Jahre gelingt es ihr, ein beeindruckendes Netzwerk innerhalb der Szene aufzubauen und dieser mit dem Festival eine gebührende Plattform zu bieten: „Für uns steht im Vordergrund, das Medium zu reflektieren, Freude an Fotografie zu vermitteln, aufzuzeigen, wie massiv sie uns in unserem Alltag begleitet - und natürlich gesellschaftspolitische Fragen zu stellen.“ So manche Galerie hingegen wünscht sich einfach zahlungskräftige Kunden, und nicht jede Institution, die mit sich selbst schon genug beschäftigt ist, erkennt sofort einen Mehrwert in einer Zusammenarbeit: „Anfangs hat man oft irgendwo angerufen und die Leute hatten kein Interesse zu kooperieren. Dann musstest du erst einmal zeigen, was du so kannst, was man gemeinsam machen könnte. Das war schon eine zähe Arbeit. Man ist immer in einer Beweislast.“
99 Ausstellungen in der ganzen Stadt
Häuslers Überzeugungsarbeit zahlt sich aus. Stolze 99 Ausstellungen in der ganzen Stadt kann das Festival sich allein im vergangenen Jahr auf die Fahne schreiben. Zu dem von ihrem eigenen Team kuratierten Rahmenprogramm in Kooperation mit Kölner Kulturinstitutionen wie dem Museum Ludwig, dem Rautenstrauch-Joest-Museum oder dem Stadtmuseum kommen zahlreiche Beiträge aus der freien Szene. Und mit der unter Häusler initiierten „Artists meets Archive“-Reihe – für die internationale Fotokünstlerinnen und -künstler sich mit Kölner Archiven auseinandersetzen – zeigt das Photoszene-Festival immer wieder, welche fotografischen Schätze in Köln schlummern. Mit ihrem Programm schafft Häusler auch vielfältige Anknüpfungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für den Nachwuchs und die junge Szene. Das ist nicht nur ein enormer organisatorischer Aufwand, sondern setzt auch die Überzeugung voraus, dass die Dinge besser werden, wenn man sie gemeinsam macht, wenn man durchlässig ist für neue Ideen, wie die Kuratorin es selbst formuliert.
Der Kulturbegriff hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre stark verändert
„Heute ist klar: Kein Antrag in der Kulturförderung kommt mehr ohne das Wort Teilhabe aus“, so Häusler. Als sie bei der Photoszene anfängt, sieht das noch ganz anders aus: „Das ist sehr spannend, weil sich der Kulturbegriff innerhalb der letzten zehn Jahre stark verändert hat.“ Mit ihrem partizipativen Konzept, das nicht nur Raum für den klassischen Kanon der Fotografie, sondern immer auch für Neues und Überraschendes gibt, läuft Häusler damals nicht überall offene Türen ein. Stattdessen habe man ihr geraten, stärker auszusieben, um für mehr Exzellenz zu sorgen. Doch Häusler hat andere Vorstellungen eines erfolgreichen Festivals: „Wir haben uns immer gegen eine Jury entschieden, weil mein Team und ich überzeugt davon waren, dass man sich gegenseitig multipliziert, wenn man sich solidarisch verbindet.“
Ihrer Zeit einen Schritt voraus
Mit ihrem Kulturverständnis war Heide Häusler ihrer Zeit einen Schritt voraus, und sie schafft es, Köln als Fotografiestandort mit seiner reichen Geschichte wieder zu stärken, ohne dabei der Vergangenheit nachzuhängen. Allein 2023 zählte das Festival mehr als 125 000 Besucher, darunter sehr viele junge Menschen: „Für mich ist es wahnsinnig relevant, wie viele Menschen wir erreichen. Dieses Interesse, das mich lenkt, ist immer rückgebunden an den tatsächlichen Impact für die Stadtgesellschaft.“ Trotz dieses großen Erfolgs steht die Geschäftsführerin noch heute unter ständigem Rechtfertigungsdruck: „Um das nächste Festival zu machen, fehlen mir noch um die 200.000 Euro. Die Photoszene existiert nicht per se. Sie existiert nur, wenn wir Anträge schreiben.“ Seit 2019 ist das Festival durch die Unterstützung der Stadt institutionalisiert und bekommt ein jährliches Förderprogramm: „Dafür bin ich sehr dankbar, denn auf dieser Basis läuft die weitere Geldakquise.“
Für die Zukunft der Fotostadt Köln – auch im Vergleich zu Düsseldorf und Essen, wo gerade neue Zentren entstehen – wünscht sich Häusler einen festen Ort für die Internationale Photoszene, ein „kooperatives Haus für Fotografie“ für Ausstellungen, lokale Partnerschaften und Nachwuchsförderung. Mit dem temporären Pavillon in der 50er-Jahre-Architektur Wilhelm Riphahns direkt neben dem Kölnischen Kunstverein hat die Photoszene im letzten Sommer gezeigt, wie ein solcher Ort aussehen könnte – und dass das Konzept großes Potenzial hat. Aktuell befasst sich die Kuratorin für die nächste Ausgabe des Festivals mit der Frage, inwieweit sich über das, was wir nicht wissen, möglicherweise ein viel besseres Bild der Menschheit zeichnen lässt, als über das, was wir wissen: „Ich glaube, dass uns das Nichtwissen helfen kann, uns mal wieder als Menschen zu verorten und in der Welt zu justieren.“
In der Fotografie geht Heide Häusler auf, doch ihr Blick geht weit darüber hinaus. Das Medium ist für sie ein Ausgangspunkt, um über die Welt nachzudenken: „Mir macht es unglaublich viel Spaß, mich von meinem Interesse leiten zu lassen. Ich liebe Fotografie, aber die Fragen, die wir mit dem Medium stellen, sind ganz eigener Natur. Das ist ein großes Privileg, die Gedanken, die man hat, an dem Ort, an dem man lebt, in die Stadt zu tragen und das mit den Menschen hier zu diskutieren.“
