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Durchbruch für die Umgehungsstraße

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Zündorf/Elsdorf – Im Paket für die Landesstraßen, das NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst am Donnerstag dem Verkehrsausschuss des Landes zugeleitet hat, spielt ein Porzer Projekt eine Hauptrolle. Das Land macht den Weg frei für die Planung der Ortsumgehung Zündorf (L82). Der Porzer CDU-Landtagsabgeordnete Florian Braun sprach von einem tollen Erfolg nach intensivem Kampf und erinnerte an die zahlreichen Bemühungen, Entlastung für die Porzer Nadelöhre auf dem Weg nach Köln zu finden. „Die zahlreichen Gespräche mit dem Verkehrsminister haben sich gelohnt“, sagte er.Ein Kunstgriff ermöglicht den Planungseinstieg Köln, Niederkassel und der Rhein-Sieg-Kreis boten gegen Entgelt die Planung des L82-Abschnitts Frankfurter Straße/Autobahn an. Die Abschnitte bis zum Loorweg könnten als Kommunalstraße mit Landesförderung gebaut werden.

Auf Einladung des Porzer CDU-Landtagsabgeordneten hatte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst sich in diesem Sommer selbst ein Bild von der Verkehrssituation gemacht. An der Frankfurter Straße zwischen Wahn und Elsdorf ließ er sich von Florian Braun, Ratsfrau Anne Henk-Hollstein und dem Bezirksfraktionsvorsitzenden Werner Marx zeigen, wie ein Anschluss der Umgehungsstraße L82/ 6n an die Flughafenautobahn A59 zu realisieren wäre. Die Ortsumgehung würde am Zündorfer Loorweg beginnen, die Ranzeler Straße, Wahner Straße sowie die Frankfurter Straße kreuzen und bei Elsdorf auf die A59 münden.

Braun hatte den Verkehrsminister über die erheblichen Probleme der Menschen in und um Porz durch das überlastete Verkehrsnetz berichtet. Zwar hatte es im Jahr 2006 eine Verkehrswertberechnung gegeben, deren Ergebnisse nicht für eine Realisierung der Umgehungsstraße sprachen.

Doch in einem Dutzend Jahren sei der Verkehr erheblich gewachsen, verwies Braun auf den erheblichen Zuzug von Menschen. Das erfordere eine Neubewertung, zumal im Süden der Stadt eine weitere Rheinquerung geplant sei. Eine gemeinsame Studie der Stadt Köln und der Umlandgemeinden zur Straßenplanung war im Vorjahr in Auftrag gegeben worden und stand unter einem gewissen Zeitdruck: Schließlich soll auch die Flughafenautobahn in mehreren Bauabschnitten ausgebaut werden. Diesen Planungen darf die Umgehungsstraßenplanung nicht ins Gehege geraten.

Hendrik Wüst hatte beim Ortstermin an der Frankfurter Straße im Juli zugesichert, das Land werde Köln dabei unterstützen, wenn die Stadt die Ortsumgehung Zündorf realisieren wolle. Für die Realisierung der lang ersehnten Straße wurde folgende Lösung gefunden: Die Städte Köln und Niederkassel sowie der Rhein-Sieg-Kreis erklärten sich gegenüber dem Land bereit, die Planungsarbeit für die L82 von der Frankfurter Straße bis zur Autobahn gegen Erstattung der Kosten zu übernehmen. Braun dazu: „Auf Grundlage der von den Kommunen vorgelegten Verkehrsuntersuchung hat das Verkehrsministerium NRW die Aufnahme der L82 in Stufe 1 des Landesstraßenbedarfsplans vorgesehen. Das ist notwendig, damit zeitnah eine entsprechende Planungsvereinbarung zwischen Land und Kommunen geschlossen werden kann. Der Planung steht nach jahrzehntelanger Diskussion nun nichts mehr entgegen.“

Für die weiteren Straßenabschnitte Richtung Süden, die in kommunaler Regie entstehen sollen und bei deren Verwirklichung voraussichtlich ein Teilrückbau der bisherigen Poststraße ansteht, dürfen die Kommunen Braun zufolge auf bis zu 60-prozentige Förderung durch das Land hoffen. Der Erfolg sei der sehr guten, konstruktiven Zusammenarbeit der örtlichen Bürgervereine mit CDU-Politikern aus Porz und Niederkassel und dem Engagement des Verkehrsministers sowie der Kölner Verkehrsdezernentin Andrea Blome zu verdanken. Über einen Zeitplan für die Umsetzung ist noch nichts bekannt.

Der Ursprung der jetzt favorisierte Trassenplanung ist mehr als 20 Jahre alt und wurde seinerzeit auf Bitte der SPD von Dipl. Ingenieur Manfred Krause erstellt. Damals hatte die Autobahn-Anbindung eine Planungsaufnahme verhindert. Nach damaliger Einschätzung des Bundesverkehrsministeriums war eine weitere Auffahrt zwischen Wahn und dem Kreuz Flughafen nicht genehmigungsfähig und würde wegen der zu kurzen Abstände die Verkehrssicherheit gefährden. Dieser Aspekt spielt nun offenbar keine Rolle mehr.

Mit der Priorität für die L82, Variante 6n, ist eine andere Straßenplanung ad acta gelegt worden. Im Gegenzug zur Planungsaufnahme haben die betreffenden Gemeinden und der Rhein-Sieg-Kreis das Land gebeten, die Planungen für die L274n aufzugeben. Diese Straße sollte aus dem Rhein-Sieg-Kreis an Libur vorbei Richtung Autobahn führen. Es hatte in den vergangenen Jahren erhebliche politische Auseinandersetzungen wegen diverser Anschluss-Möglichkeiten zwischen Spich und Wahn gegeben. Und die äußerst umständliche Zuleitung von Zündorf her mit täglich kilometerlangen Umwegen für Autofahrer aus Zündorf und Langel hatte für großen Ärger gesorgt.

Für die SPD kommentiert Bezirksvertreter Lutz Tempel die Entwicklung: „Dafür kämpfe ich jetzt schon so viele Jahre. Aber dass es noch gelingt, hatte ich nicht gedacht. Ich bin geradezu begeistert, denn das zeigt, dass sich politische Arbeit lohnt. Wenn es auch manchmal Jahre oder fast Jahrzehnte dauert.“

Florian Braun, CDU