Die Schöpfungsgeschichte in sieben Bildern: Künstlerin Bärbel Weides hat vor 30 Jahren die Fenster in der Kapelle des Porzer Krankenhauses gestaltet.
Bedeutende GlasfensterWie Bärbel Weides die Porzer Krankenhauskapelle bunter machte

„Es werde Licht“ – die Schöpfungsgeschichte hat die Porzer Künstlerin Bärbel Weides in ihrer Auftragsarbeit für die Kapelle im Porzer Krankenhaus festgehalten. Hier ist Tag 1 zu sehen.
Copyright: René Denzer
Was haben King Size Dick und die Kapelle des Porzer Krankenhauses gemeinsam? Beide haben Arbeiten von Bärbel Weides. Während Sänger King Size Dick 1997 bei einer Weihnachtstombola des Aurel Görgens Jour Fixe im Dom-Hotel ein Glasgemälde der Porzer Künstlerin gewann, befinden sich in der Kapelle ebenfalls Arbeiten von ihr.
In Auftrag gegeben hat sie vor 30 Jahren der damalige katholische Pfarrer Willi Klinkhammer. Er und Weides hatten sich zuvor bei einer Ausstellung 1995 in der benachbarten evangelischen Kapelle kennengelernt. „Die hieß ,Kunst unterm Dach‘“, erinnert sich Weides, die in Breslau geboren ist und seit 1959 in Köln zu Hause ist.
Fenster als besondere Bedeutung
Weides fühlte sich geehrt. Es sei eine verantwortungsvolle Aufgabe, die Fenster der Kapelle zu gestalten. Schließlich haben Fenster in der katholischen Kirche eine besondere Bedeutung. Aber auch für sie selbst ist ein Fenster etwas Besonderes, sagt Bärbel Weides. Seit Beginn ihrer künstlerischen Arbeit mit Glas befasst sie sich mit dem Thema Fenster. „Fenster bedeuten für mich die Verbindung zur Welt.“ Geöffnet nimmt man am Leben teil – Licht, Luft, Freiheit und Kontakte. „Aber ich kann sie auch schließen, wenn ich mich zurückziehen will.“

Die Porzer Künstlerin Bärbel Weides fand Anregungen für ihre Glasbilder in einer Kinderbibel.
Copyright: René Denzer
Immer wieder ging die Porzer Künstlerin in die Kapelle und sah sich die Oberlichter an. Welche Motive passen in dieses schmale Querformat, das, wie Pfarrer Klinkhammer einst sagte, mehr an Schießschächte als an Fenster erinnerte? Anregungen fand Weides in einer Kinderbibel. Die hatte sie einst für den eigenen Nachwuchs gekauft. Sich selbst bezeichnet Weides nicht als religiösen, aber als spirituellen Menschen. Für die sieben Fenster in der Kapelle wählte sie die Erschaffung der Erde. Das gefiel Pfarrer Klinkhammer. Rund ein halbes Jahr Arbeit steckte Weides in ihre Interpretation der Schöpfungsgeschichte.
Schreiner des Alexianer-Krankenhauses half bei den Rahmen
Die Fenster hat sie mit der Tiffany-Technik gestaltet. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem einzelne farbige Glasstücke mithilfe von dünner Kupferfolie und Lötzinn miteinander verbunden werden. Benannt ist diese Technik nach Louis Comfort Tiffany. Das Problem: Tiffany kann nicht für den Außenbereich genommen werden. Wie also die bunten Glasbilder in die Fenster einfügen? Hilfe gab es von Walter Schmidt, erinnert sich Bärbel Wiedes. Schmidt war Schreiner im Alexianer-Krankenhaus in Ensen. „Er hat sich die Holzrahmen ausgedacht, in die wir meine Bilder gesetzt haben“, sagt Weides. Die Rahmen hatten den Vorteil, dass dadurch keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden mussten.
Pfarrer Willi Klinkhammer hatte damals gesagt, dass er in der Nacht vor dem Einbau der Oberlichter von bunten, unendlich schönen Fenstern geträumt habe. Tags darauf hatte er sieben Glasbilder, die in der Kapelle „einen Eindruck von der unendlichen Buntheit Gottes geben“. Und das seit nunmehr 30 Jahren.
