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PremiereHera Lind stellt Buch über Holocaust-Überlebende in Köln vor

Noch gibt es Tickets für die Veranstaltung des „Kölner Stadt-Anzeiger“ in der Comedia.

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Bestseller-Autorin Hera Lind stellt ihr Buch in der Comedia vor.

Bestseller-Autorin Hera Lind stellt ihr Buch in der Comedia vor.

Mit dem Tod von Tamar Dreifuss verlor Deutschland vor genau einem Jahr eine der wichtigsten Stimmen gegen das Vergessen des Nazi-Terrors. Die wundersame Geschichte eines unwahrscheinlichen Überlebens von Mutter und Tochter im Ghetto teilte sie mit vielen Jüdinnen und Juden. Auch, dass sie sich erst spät, mit Mitte 60, entschied, ihre Biografie öffentlich zu erzählen, war nicht ungewöhnlich. Besonders machte Tamar Dreifuss‘ Arbeit als Zeitzeugin, mit welcher Leidenschaft und Beharrlichkeit sie mehr als 20 Jahre lang in Schulen, Vereinen, Workshops und Erzählcafés auftrat. Im litauischen Vilnius war sie geboren, als zweite Heimat bezeichnete sie Israel, dort verbrachte sie eine glückliche Jugend. „Deutschland ist meine Aufgabe“, hatte sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ einmal erzählt.

Diese Aufgabe bestand für Tamar Dreifuss als Rentnerin darin, ihre Überlebensgeschichte als mahnende Erinnerung zu erzählen. Sie erzählte vom Mut ihrer Mutter, die ihr den Judenstern abgerissen hatte und mit ihr kostümiert aus dem Lager geschritten war, als wären sie Besucherinnen, von ihrem im KZ ermordeten Vater und ihren von den Nazis erschossenen Großeltern, von Hunger und Flucht und hilfsbereiten Menschen, ohne die ein Überleben nicht möglich gewesen wäre. Sie erzählte auch dann noch, als sie von Krankheit schon schwer gezeichnet war.

Dreifuss schrieb ein Kinderbuch über ihre Flucht, übersetzte die Lebensgeschichte ihrer Mutter ins Deutsche, setzte sich für den Austausch von Schülern aus Israel und Deutschland ein und nahm fast jede Einladung von Schulen in ganz NRW an. Über mehr als zehn Jahre besuchte sie eine Gesamtschule in Hennef, die Schüler dort gestalteten eine begehbare Skulptur über die Flucht von Tamar Dreifuss. Der Bundesverband für NS-Verfolgte in Köln widmete ihr ein Animationsprojekt, Fernseh- und Radiosender widmeten ihr Dokumentationen. Im Archiv des „Kölner Stadt-Anzeiger“ sind mehr als 150 Artikel mit ihrem Namen dokumentiert, was vor allem an ihren vielen Schulbesuchen lag.

Für ihre Arbeit erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und den Giesbert-Lewin-Preis der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes zitierte Tamar Dreifuss Bernard Shaw: „Wir lernen aus Erfahrung, dass die Menschen nichts aus Erfahrung lernen.“ Die Würde des Menschen dürfe nie, niemals angetastet werden.

Wenn sie Bilder von Rechtsextremen sah, wie sie antisemitische Parolen brüllten, wurde Dreifuss wütend

Wenn sie Bilder von Rechtsextremen im Fernsehen sah, wie sie antisemitische und fremdenfeindliche Parolen brüllten, wurde Tamar Dreifuss wütend. Dann kamen Erinnerungen an die Nazis hoch, deren rassistischem Vernichtungsterror sie und ihre Mutter nur mit viel Glück entkommen waren. Dreifuss blieb indes bei ihrer Wut nicht stehen: Sie erzählte ihre Geschichte geduldig und besonnen, immer wieder.

Die Bestsellerautorin Hera Lind war so beeindruckt von der Lebensgeschichte von Tamar Dreifuss, dass sie ihr den Tatsachenroman „Erhobenen Hauptes“ gewidmet hat. Am Donnerstag, 12. November, 19 Uhr, stellt Lind den Buch in der Kölner Comedia vor.

Anne Burgmer, Kulturchefin des „Kölner Stadt-Anzeiger“, spricht mit Lind und Tamar Dreifuss‘ Kindern Iris Hagedorn und Raphael Dreifuß über Erinnerungen, Familiengeschichte, Verlust, Überlebenswillen und die Verantwortung der Nachgeborenen für die Demokratie. Musikalisch begleitet wird der Abend vom A-cappella- Gesangtrio Klangkunst.

Der Abend beginnt um 19 Uhr, Tickets gibt es hier unter diesem Link oder direkt bei Rausgegangen.de.